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Gänsehaut im Wolkenhaus Das Reichenhaller Haus am Hochstaufen

Die Alpenvereinssektion Bad Reichenhall besitzt eine Hütte an einem wahrlich spektakulären Platz: das Reichenhaller Haus am Hochstaufen. Es ist 1750 Meter hoch gelegen, mit keiner Bahn erreichbar und verfügt über 26 Übernachtungsplätze. Einer der schwersten Klettersteige Bayerns, der Pidinger Klettersteig, führt von Norden hinauf. Daneben gibt’s noch einige andere Anstiegswege, besonders schön ist der Aufstieg von Süden.

Von: Manfred Wöll

Stand: 23.06.2017

Das Reichenhaller Haus am Hochstaufen  | Bild: BR; Manfred Wöll

Zugegeben, das Reichenhaller Haus steht nicht direkt auf dem Gipfel, ein paar Meter fehlen. Es liegt in steilem Gelände rund 20 Höhenmeter unterhalb des Hochstaufen, weshalb Wirt Andi Frommelt auch gerne von einem Adlerhorst statt Wolkenhaus spricht.

Der Aufstieg über die Steinernen Jager erfordert Schwindelfreiheit und Trittsicherheit

Bis heute führt keine Materialseilbahn zur Hütte. Mehrmals im Jahr wird sie per Hubschrauber beliefert, der Rest ist mühsame Eigenleistung. Zu Fuß schleppt die Familie die frischen Sachen gut 600 Höhenmeter hinauf auf das „Staufenhaus“, wie die Einheimischen das Reichenhaller Haus gern nennen.

Die Terrasse vom Reichenhaller Haus (1750m) aus der Vogelperspektive

Seit 2009 bewirtschaftet Andreas Frommelt die Hütte am Ostrand der Chiemgauer Alpen zusammen mit seiner Frau Christine. Davor war das Reichenhaller Haus zehn Jahre lang in den Händen seiner Eltern Heinz und Martina Frommelt. Beide sind nach wie vor oben, helfen mit und akzeptieren, dass jetzt der Sohn das Sagen hat. Das Reichenhaller Haus ist einfach, es gibt keine Duschen, nur zwei Waschbecken und eine Toilette. Benutzt man eine der beiden Außen-Toiletten, nimmt man sich zum Händewaschen Wasser aus der grünen Regentonne. Wasser ist hier oben ein rares Gut, weil es keine Quellen gibt. Und die Devise der Wirtsleute lautet: lieber eine warme Suppe als heiße Dusche!

Das Gipfelkreuz am Hochstaufen (1771m)

An den schrecklichsten Stunden, die das Reichenhaller Haus je erlebt hat, kommt keiner vorbei. Am 23. September 1993 wurden die damaligen Wirtsleute, Hans und Hannelore Klein, Opfer eines Raubmordes – IN der Hütte auf 1750 Metern Höhe. Eine Gedenktafel erinnert an das Ehepaar und die grausige Zäsur in der Geschichte der Hütte. Zurück in die Gegenwart: Der anspruchsvolle Aufstieg von Süden über die Steinernen Jager und der Abstieg über den Normalweg, die Bartlmahd, gehört sicher zu den schönsten Rundwanderungen in den Bayerischen Alpen. Doch es braucht Schwindelfreiheit und Trittsicherheit.

Karte: Reichenhaller Haus und Hohenstaufen

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Karte: Reichenhaller Haus und Hohenstaufen


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