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Das Staufner Haus am Hochgrat Wolkenzauber über der Nagelfluhkette

Manche Berghütten ducken sich in natürliche Mulden oder an Steilhänge und vermitteln den Eindruck von Schutz und Demut; andere stehen auf balkonartigen Plätzen im Gelände und wieder andere thronen selbst auf Gipfeln oder beinahe so hoch. Dass 1634 Meter Höhe in den Alpen schon für ein Wolkenhaus ausreichen, ist an sich schon etwas Besonderes. So erscheint die Lage des Staufner Hauses am Hochgrat im Allgäu manchmal schon fast unwirklich eingebettet zwischen Himmel und Erde.

Von: Georg Bayerle

Stand: 04.06.2016

Wolkenzauber über der Nagelfluhkette | Bild: BR; Martin Erd

Egal zu welcher Jahreszeit - zum Staufner Haus sind immer auch Leute unterwegs, die oft hierherkommen. Uli Erd, die junge Wirtin, gibt deshalb auch eine Stammgäste-Karte aus. Beim fünften Besuch gibt es ein Bier, beim zehnten Mal eine Suppe und beim 20. Mal ein komplettes Essen umsonst. 50 Besuche im Jahr sind bei Stammgästen keine Seltenheit, und nicht etwa mit der Hochgratbahn, die in schöner Nostalgie mit so beschaulicher Geschwindigkeit auf den Berg gondelt, dass Zeit bleibt, das überraschende Hinauswachsen über das gesamte Voralpenland mit zu verfolgen. Nein, wahrer Stammgast wird, wer die 800 Höhenmeter aus eigener Kraft bewältigt.

Knapp unter dem Grat liegt das Staufner Haus eine Dreiviertelstunde entfernt vom Hochgratgipfel am westlichen Ausläufer des Bergkamms. Doch es ist so raffiniert hinplatziert, dass der Blick zu Säntis und Alpstein frei ist und selbst der schimmernde Bodensee in den verblauenden Alpenausläufern erkennbar ist. Der Zeppelin, der sich auf seinem Weg zur Werft am Schwäbischen Meer, gerade durch das Panorama schiebt, schwebt weit unter unseren Füßen. So hoch erhaben über dem Tal fühlt man sich nicht oft.

Die Gaststube

Der Ostallgäuer Christoph Erd bewirtschaftet das Staufner Haus mit seiner ganzen Familie seit über 10 Jahren. Drei Kinder wachsen mit dem Hüttenleben auf. Die Zufriedenheit überträgt sich auf die gesamte Atmosphäre und auch auf die Produkte aus der nagelneuen Küche. Christoph ist gelernter Koch und regionale Zutaten sind für ihn keine modische Halbwahrheit, sondern gelebte Überzeugung, ohne dass er darum viel Aufhebens macht.

Der berühmte Kaiserschmarrn

Schmeckt es den Gästen, dann ist das für ihn das schönste Feedback für Kässpatzn, Kaiserschmarrn und - immer am Samstag – den frischen Schweinekrustenbraten. Mit etwas Glück schlummert der Gast nach diesen Genüssen in einem der rustikalen Doppelzimmer und kann beim ersten Licht noch ohne Frühstück in wenigen Schritten hinauf zum Grat steigen - mitten hinein in einen lang nachwirkenden Tagesanbruch.

Die Nagelfluhkette

Gleich über dem Staufner Haus an einem unscheinbaren Platz am Grat hat auch der Hüttenwirt seinen Lieblingsplatz, wo er sich dem Himmel nah fühlt. Die Erfahrung zeigt, dass es nicht die großen Berge und die überwältigenden Touren braucht, um die Größe und Weite des Himmels zu spüren. Schon gar nicht braucht es das künstliche Holzportal, das hier oben aufgestellt wurde. Es genügt der Aufenthalt auf einem Wolkenhaus wie diesem und etwas Zeit für den richtigen Moment. Dann fühlt man sich auf der Erde stehend „über den Wolken“.

Rund ums Haus

Von der Talstation der Hochgratbahn führt durch Alpgelände in zweieinhalb Stunden der gängigste Aufstieg hinauf zum Staufner Haus. Die Hütte ist aber auch in einer längeren Tour vom Gunzesrieder Tal oder von Balderschwang aus zu erreichen. Für geübte Bergwanderer ist das Staufner Haus der Stützpunkt für die Überschreitung der gesamten Nagelfluhkette vom Mittag über Immenstadt bis zum Hochgrat.

Neue Serie „Wolkenhäuser“

In unserer neuen Rucksackradio-Serie „Wolkenhäuser“ stellen wir Ihnen nun bis Ende September Hütten vor, die sich ganz weit oben am Berg befinden, entweder direkt am Gipfel oder sehr exponiert in sozusagen himmlischer Höhe – eben echte „Wolkenhäuser“. Drei Hütten in verschiedenen Höhenlagen werden über die einzelnen Beiträge hinaus die Serie in loser Folge mit aktuellen Aus- und Einblicken begleiten: das Staufner Haus, 1634 m, am Hochgrat im Oberallgäu, das 2959 Meter hochgelegene Münchner Haus auf der Zugspitze und das Becherhaus, 3195 m, in den Stubaier Alpen.

Unser erstes Wolkenhaus: das Staufner Haus

Christoph Erd ist der Wirt des Staufner Haus. Anfang Juni ist auf 1634 Meter Höhe der Frühling noch in den Kinderschuhen, aber seine Einladung an die Bayern 1-Rucksackradiohörer steht. Sein nächster Bericht kommt in einigen Wochen.

Karte: Das Staufnerhaus

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Das Staufnerhaus


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