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Das Stöhrhaus am Untersberg Wolkenmagie auf einem Karst-Hochplateau

Watzmann, Königssee, Steinernes Meer – das fällt wohl den meisten Berggehern als erstes ein, wenn von den Berchtesgadener Alpen die Rede ist. Berühmte Ziele aber haben viel Publikum und in der Hauptsaison viel Trubel auf den großen Hütten. Doch es gibt auch ruhigere Plätze über dem Berchtesgadener Talkessel. Einer davon bietet den besten Ausblick über die Gipfelprominenz ringsum: Die Rede ist vom Stöhrhaus hoch oben auf dem Untersberg - eine kleine, ganz traditionelle Genusshütte auf 1894 Metern Höhe.

Von: Sebastian Nachbar

Stand: 14.07.2017

Das Stöhrhaus am Untersberg | Bild: BR; Sebastian Nachbar

Viele Wege führen auf den Untersberg, diesen riesigen Plateauberg zwischen Salzburg und Bad Reichenhall. Und viele Hütten kleben an seinen Hängen. Aber keine liegt so prominent wie das Stöhrhaus: ganz oben, kurz unterhalb des Berchtesgadener Hochthrons, dem mit 1972 Meter höchsten Punkt des Untersbergs.

Die senkrechten Südwände des Untersbergs

Wie ein Ausguck blickt das Stöhrhaus nach Norden in den Berchtesgadener Talkessel. 1901 wurde es erbaut, und das sieht man ihm schon ein wenig an. Die Küche wurde vor ein paar Jahren renoviert, ansonsten ist vieles noch wie früher. Das Wasser kommt aus einer Regenwasserzisterne, aus dem Tal führt eine Stromleitung hinauf.

Anstieg über den Stöhrweg

Demnächst bekommt das Stöhrhaus eine neue Kläranlage. Der Bagger steht schon hinter der Hütte. Geöffnet ist von Mai bis Oktober, doch während drüben am Watzmannhaus zur Hochsaison pro Tag mehr als 200 Leute übernachten, sind es am Stöhrhaus gerade mal an die 60 Gäste. Dabei wäre der Weg dorthin über den Höhenweg so leicht!

Watzmann und Hochkalter

Die neue Pächterin ist Wirtin Walli Gschossmann. Sie sitzt am besten Tisch der Hütte in einem kleinen Erker der Stube, ringsherum Glas, so dass man alle prominenten Gipfel der Gegend auf einmal sehen kann. Sie und ihr Mann sind die vierte Saison auf dem Untersberg, und es ist die Distanz zum Trubel drüben im Nationalpark Berchtesgaden, der für sie den Reiz an diesem Platz ausmacht. Das Stöhrhaus ist keine Durchgangshütte, sondern eine Genießerhütte in Gipfellage mit tollem Panorama und großartigen Sonnenauf- und untergängen, sagt Walli.

Ankunft auf dem latschenbewachsenen Gipfelplateau

Rund um das Stöhrhaus gibt es für Bergsportler richtig viel zu erleben. Von Maria Gern führt der gut ausgebaute Stöhrweg zur Hütte. Er lohnt sich deshalb, weil man die ganze Zeit auf die senkrechten Südwände des Untersbergs schaut, wo sich schwere Sportkletter-Touren durch den Fels ziehen.

Erster Blick aufs Stöhrhaus

Die schwierigste Tour ist die „Schwarze Madonna“ von Profi-Kletterin Ines Papert im zehnten Schwierigkeitsgrad. Auch weiter östlich gibt es reichlich Klettertouren, darunter einige leichtere. Außerdem wäre da noch der Berchtesgadener Hochthronsteig, ein moderner, aber schwieriger Klettersteig.

Das Stöhrhaus aus dem Jahr 1901

Schlagzeilen machten am Stöhrhaus vor zwei Jahren allerdings die Exoten unter den Bergsportlern: Höhlenforscher. Eine knappe Stunde von der Hütte entfernt liegt der Einstieg zum Riesending, der größten und tiefsten Höhle Deutschlands. Die gigantische Rettungsaktion des verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser war in aller Munde.

Am Berchtesgadener Hochthron (1972m), dem höchsten Punkt des Untersberges

Als aber klar war, dass man von dort aus eigentlich überhaupt nichts sieht, ist auf dem Stöhrhaus schnell wieder Ruhe eingekehrt. Seitdem herrscht wieder ungestörte Wolkenmagie auf dem karstigen Hochplateau.

Karte: Das Stöhrhaus am Untersberg

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Karte: Das Stöhrhaus am Untersberg


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