Lepra-Patienten

Am letzten Sonntag im Januar ist jedes Jahr Welt-Lepra-Tag.

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    Zum Welt-Lepra-Tag: Lepra - die vernachlässigte Krankheit

    Zum Welt-Lepra-Tag: Lepra - die vernachlässigte Krankheit

    Lepra ist in vielen Ländern immer noch nicht ausgerottet. Dabei ist die Erkrankung relativ einfach zu diagnostizieren und heilbar. Am Welt-Lepra-Tag wird immer deutlicher: Die Corona-Pandemie bremst den Kampf gegen Lepra aus.

    Lepra gibt es nicht mehr? Doch! Jährlich erkranken weltweit ungefähr 200.000 Menschen daran und leiden nicht nur körperlich. Millionen Menschen müssen ihr Leben lang mit den Folgen der bakteriellen Infektion zurechtkommen - verkrüppelte Hände oder Füße, entstellte Gesichter und vieles mehr. Aber auch die gesellschaftliche Stigmatisierung und Ausgrenzung sind ein großes Problem für die Betroffenen. Daran will der Welt-Lepra-Tag am 30. Januar 2022 erinnern. Die Zahlen von 2020 sind im Gegensatz zum Vorjahr zwar gesunken, das hat allerdings in erster Linie mit der Corona-Pandemie zu tun.

    Lepra-Bekämpfung während der Corona-Pandemie

    2020 wurden 127.396 neue Leprafälle registriert, das sind rund 37 Prozent weniger als im Jahr 2019, so das Robert Koch-Institut (RKI). Das bedeutet aber nicht, dass tatsächlich weniger Menschen an Lepra erkrankt sind. Die Corona-Pandemie erschwert weiterhin massiv die Suche nach Leprakranken weltweit. Gesundheitspersonal oder gesamte Kliniken wurden zur Covid-19-Versorgung umgewidmet, die Therapie, die Aufklärung und Betreuung in Gemeinden ist beeinträchtigt. Das kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen: Bei Leprakranken, die nicht oder zu spät behandelt werden, können sich schwere Krankheitsverläufe und bleibende körperliche Behinderungen entwickeln.

    Weniger Daten, weniger Fälle

    Die meisten Neuerkrankungen wurden laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2020 wie auch in den Vorjahren aus Indien (65.147), Brasilien (17.979) und Indonesien (11.173) gemeldet. Indien verzeichnet hier mit 43 Prozent einen besonders starken Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Auch hier liegt das an den erschwerten Bedingungen durch die Corona-Pandemie. Die führte außerdem dazu, dass im Jahr 2020 deutlich weniger Länder überhaupt Lepradaten an die WHO gemeldet haben: Statt aus 160 Ländern im Jahr 2019 kamen 2020 nur Zahlen aus 127 Ländern.

    Positive Entwicklungen in der Lepra-Bekämpfung

    Laut RKI gibt es aber auch Positives zu verzeichnen. Hygienepraktiken zur Eindämmung der Corona-Pandemie würden sich auch positiv auf Lepra auswirken, da einfache Hygienemaßnahmen effizient und effektiv seien, um das Risiko für die Entstehung von Behinderungen zu reduzieren. Außerdem seien viele Fortschritte im Bereich der Digitalisierung erzielt worden: digitale Gesundheitsinitiativen für die Diagnose und Überweisung von Patientinnen und Patienten (zum Beispiel Apps), Schulungen von Personal (E-Learning) oder neu angewandte Tools zur breiteren Gesundheitsaufklärung und Reduktion von Stigmatisierung (Audiopedia).

    Ansteckung durch engen Kontakt mit Leprakranken

    Lepra ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Mycobacterium leprae ausgelöst wird. Der Ansteckungsweg ist bis heute nicht genau geklärt, obwohl das Lepra-Bakterium schon 1873 von dem Norweger Gerhard Armauer Hansen entdeckt wurde. In vielen Ländern halten sich hartnäckig falsche Annahmen: Zum Beispiel, dass Lepra vererbt wird, oder dass man sich ansteckt, wenn man an einem Erkrankten auf der Straße vorbeigeht. Mittlerweile geht man davon aus, dass selbst eine einfache Berührung hierfür nicht ausreicht. Höchstwahrscheinlich überträgt sich Lepra über Tröpfcheninfektion. Weil Lepra nur schwach ansteckend ist, ist ein längerer und enger Kontakt mit einem Leprakranken Voraussetzung. Meist erkranken Menschen, deren Immunsystem vorher schon geschwächt war.

    Lepra gehört zu den Zoonosen

    Auch Tiere können Lepra haben. Bereits vor zehn Jahren konnten Forscher mithilfe von DNA-Analysen nachweisen, dass Menschen sich bei Gürteltieren mit Lepra anstecken können. Lepra zählt damit zu den sogenannten Zoonosen. Das sind Infektionskrankheiten, die auf natürlichem Weg vom Tier auf den Menschen übertragen werden können.

    Lepra verursacht Hautflecken und Verstümmelungen

    Lepra hat eine lange Inkubationszeit, sie kann neun Monate bis zu zwanzig Jahre betragen, in Einzelfällen sogar dreißig Jahre. Die Erreger befallen das Nervensystem. Im Frühstadium bekommen Leprakranke Flecken auf der Haut, meist an Armen, Beinen oder am Kopf. An den betroffenen Körperregionen empfinden die Personen vor allem im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf keine Wärme, Kälte, Berührungen und Schmerzen mehr. Wenn sie sich dann an diesen Stellen verletzen und es nicht spüren, entzünden sich die Wunden. Oft infizieren sie sich über die Verletzungen zusätzlich mit anderen Krankheiten. Am Ende sterben diese Bereiche ab und es kommt zu den für Lepra typischen Verstümmelungen.

    Gesetze gegen Leprakranke

    In den Schriften vieler Religionen, etwa im Christentum, Hinduismus oder Buddhismus, wird Lepra als Strafe für Verfehlungen im aktuellen oder früheren Leben angesehen. Laut der Internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke (ILEP), der auch die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) angehört, werden Leprakranke, aber auch geheilte Patienten, in vielen Ländern nicht nur zwischenmenschlich geächtet, sondern sogar per Gesetz stigmatisiert. Allein in Indien, dem Land, in dem es Jahr für Jahr die meisten neudiagnostizierten Lepra-Fälle gibt, existieren mehr als 100 solcher Vorschriften. Sie versagen den Erkrankten die gesellschaftliche Teilhabe in verschiedensten Lebensbereichen und wirken sich zum Beispiel auf den Wohnort, die Beschäftigung, das Wahlrecht und sogar das Eheleben aus. Den Vereinten Nationen liegen aus vielen Ländern Berichte vor, dass auch leprakranke Kinder diskriminiert werden, insbesondere im Bildungsbereich.

    Diskriminierung begünstigt Lepra-Verbreitung

    Viele Erkrankte scheuen sich, aus Scham, Schuldgefühlen und der Furcht vor Diskriminierung einen Arzt aufzusuchen. Zudem leiden sie unter Depressionen und Angstzuständen. Der Arztbesuch fällt dann erst recht aus. Um auf diese Not und den daraus resultierenden Teufelskreis aufmerksam zu machen, wurde 1954 der Welt-Lepra-Tag eingeführt. Er findet jedes Jahr am letzten Sonntag im Januar statt. Der diesjährige Welt-Lepra-Tag am 30. Januar steht unter dem Motto: "United for Dignity", also "Vereint für die Würde". Der Tag soll dazu aufrufen, die Würde Leprabetroffener gemeinsam zu achten und verdeutlicht, dass Leprabetroffene nach wie vor unter krankheitsbedingter Stigmatisierung und Diskriminierung leiden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Lepra zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten.

    Lepra ist frühzeitig ohne dauerhafte Schäden heilbar

    Dabei ist Lepra gut zu behandeln. Es gibt seit rund 35 Jahren eine wirksame Medikamententherapie aus drei kombinierten Antibiotika. Bei einer rechtzeitigen Diagnose und Einnahme kann die Krankheit ohne dauerhafte Schäden geheilt und weitere Übertragungen verhindert werden. Allerdings leiden weltweit schätzungsweise bis zu vier Millionen Menschen an von Lepra verursachten Behinderungen, weil die Krankheit zu spät behandelt wurde.

    Klinische Tests für Impfungen endlich in diesem Jahr?

    An einem Impfstoff gegen Lepra wird seit gut 20 Jahren gearbeitet. Eigentlich sollte schon 2020 in Brasilien, das besonders von Lepra betroffen ist, mit wichtigen klinischen Tests begonnen werden. Der Start wurde auf das Frühjahr 2021 verschoben, doch es gab wieder Verzögerungen, da die Testkapazitäten für die Covid-19-Impfstoffforschung gebraucht wurden. "Wir hoffen, dass wir im zweiten Quartal 2022 endlich starten können", so DAHW-Forschungskoordinatorin Christa Kasang. Die DAHW hofft außerdem, dass die auch gegen Covid-19 eingesetzte mRNA-Technologie bei der Entwicklung eines Lepra-Impfstoffes helfen wird. "Die mRNA-Technologie birgt auch für unsere Forschung neue Chancen und könnte uns helfen, dem Ziel, die Lepra bis 2035 zu besiegen, deutlich näherzukommen", meint Christa Kasang.

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