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Vereinigte Arabische Emirate senden Raumsonde Hope zum Mars | BR24

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Insgesamt drei Weltraummissionen zum Mars sollen im Juli starten. Als erstes wird ausgerechnet die Mars-Sonde eines Newcomers im Weltraumgeschäft abheben: die Mission der Vereinigten Arabischen Emirate.

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Vereinigte Arabische Emirate senden Raumsonde Hope zum Mars

Nur wenige Nationen haben bisher eine Raumsonde zum Mars geschickt. Nun gehören auch die Vereinigten Arabischen Emirate dazu: Heute Nacht haben sie ihre Sonde Hope ins All geschickt.

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Um 23.58 Uhr in der Nacht auf den 20. Juli 2020 hob die Sonde Hope, arabisch "al-Amal" (Hoffnung), vom japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima ab. Wegen schlechten Wetters musste zuvor der Start der rund 1.350 Kilogramm schweren Sonde zweimal verschoben werden.

Astronaut auf der ISS, Raumsonde zum Mars

Hope ist bereits das zweite Raumfahrt-Projekt des arabischen Landes in kurzer Zeit: Im September 2019 war zum ersten Mal ein Astronaut aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ins All geflogen und hatte eine Woche auf der Internationalen Raumstation ISS verbracht.

Hope erforscht Atmosphäre des Mars

Nach rund sieben Monaten Flug soll Hope im Februar 2021 den Nachbarplaneten erreichen und in seinen Orbit einschwenken. Wenn alles gut geht, wird sie aus einer Entfernung von 20.000 bis 43.000 Kilometern dann die Atmosphäre des Mars analysieren und das Wettergeschehen ein ganzes Marsjahr lang verfolgen. Das entspricht etwa zwei Jahren auf der Erde. Mit ihren Kameras und Spektrometern sammelt Hope Informationen unter anderem über den CO2-Kreislauf in der Atmosphäre oder Staubstürme.

Dem Mars geht die Luft aus

Die Daten sollen dazu dienen, eine Antwort auf die Frage zu finden, wann und wie sich der Mars von einem lebensfreundlichen zu einem toten Planeten gewandelt hat. In diesem Prozess spielte die Atmosphäre wohl eine wesentliche Rolle. Doch eben diese Atmosphäre verliert der Mars. Langsam, aber sicher entweicht sie ins All. Heute ist nur noch ein Bruchteil von dem Gas übrig, was den Mars vor Milliarden von Jahren umgab.

Auf kürzestem Weg zum Roten Planeten

Derzeit sind die Bedingungen besonders günstig, um eine Mission zum Mars zu schicken. Alle 26 Monate kommen sich Erde und Mars auf ihren Umlaufbahnen ziemlich nahe. Sie sind dann nur rund 55 Millionen Kilometer voneinander entfernt. Das ist der beste Moment, um eine Raumsonde auf kürzestem Wege zum Nachbarplaneten zu schicken. Nicht nur die Vereinigten Arabischen Emirate, auch China und die USA wollen ihre Missionen daher gerade jetzt zum Mars schicken. China plant, den Rover Tianwen-1 zwischen dem 20. und 25. Juli zum Roten Planeten zu senden (Tianwen bedeutet übersetzt "Fragen an den Himmel"). Die USA bringen mit der Mission Mars2020 den Rover Perseverance (Ausdauer) zum Mars. Er soll im bisher unerforschten Jezero-Krater Gesteins- und Bodenproben sammeln. Diese erlauben möglicherweise Rückschlüsse, ob es einst Leben auf dem Mars gegeben haben könnte. Eine Rakete mit dem Rover soll frühestens am 30. Juli vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida aus ins All starten.

Wasser auf dem Mars

Eigentlich sollte auch der ExoMars-Rover, ein Gemeinschaftsprojekt von ESA und Roskosmos in diesem Sommer zum Mars fliegen. Wegen technischer Schwierigkeiten und der Coronavirus-Pandemie haben die Weltraumagenturen von Europa und Russland den Start jedoch auf das Jahr 2022 verschoben. Auch Indien und Japan planen Mars-Missionen. Das zeigt, wie groß das Interesse am Roten Planeten derzeit ist. Das liegt unter anderem daran, dass vor einigen Jahren nachgewiesen werden konnte, dass es einst Wasser auf seiner Oberfläche gab. Damit ist zumindest eine Voraussetzung erfüllt, dass es einmal Leben auf dem Mars gegeben haben könnte.

Weg vom Öl, hin zum Wissen

Wenn es der Raumsonde der Vereinigten Arabischen Emirate tatsächlich gelingt, den Mars zu erreichen, in eine Umlaufbahn einzuschwenken und seine Atmosphäre langfristig zu vermessen, wäre das nicht nur für die Wissenschaft ein großer Erfolg. Auch für die Emirate selbst, denn die Regierung will damit den Grundstein für eine neue Ära nach der Zeit legen, wenn das Erdöl zur Neige geht. Die Leitung der Hope-Mission hofft auf erste wissenschaftliche Ergebnisse im Dezember 2021. Das wäre genau passend zum 50-jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit der Vereinigten Arabischen Emirate.

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