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Wasser auf dem Mars "Von wegen ausgedörrter Planet"

Überraschende Erkenntnis: NASA-Forscher gehen von Wasser auf dem Mars aus. Ihren Erkenntnissen nach fließen Salz-Lake-Bäche auf dem "roten Planeten". Das würde die bisherigen Erkenntnisse auf eine neue Basis stellen.

Stand: 28.09.2015

Wasser auf dem Mars | Bild: picture-alliance/dpa

Die Erkenntnis mutet spektakulär an: NASA-Wissenschaftler überraschten mit der Meldung, dass es auf dem Mars Wasservorkommen gäbe. Von flüssigen Wasservorkommen sind die Forscher bislang nicht ausgegangen. Umso größer ist die Bedeutung dieser neuen Erkenntnis.

"Der Mars ist nicht der trockene, ausgedörrte Planet, für den wir ihn in der Vergangenheit gehalten haben."

Jim Green, Leiter des Nasa-Planetenprogramms

Bereits vor vier Jahren hatten die Wissenschaftler Schlieren auf Hängen des Planeten festgestellt. Ihre damalige Vermutung, an diesen Stellen Wasser zu finden, hat sich durch ihre Arbeit seitdem nun bestätigt. Die Vermutung war, dass diese Schlieren schlichtweg Wasserbäche seien. Dies wurde untersucht. Inzwischen gehen die Wissenschaftler fest davon aus, dass es sich um sehr salzhaltige Rinnsäle handelt. Hilfreich war dabei vor allem die NASA-Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter (MRO). Diese kreist seit 2006 um den Roten Planeten und kartografiert seine Oberfläche und liefert regelmäßig Messdaten.

Verschiedenste Hinweise auf Wasser auf dem Mars

Auf dem Mars wurden bereits verschiedene Wassereisvorkommen und zahlreiche Hinweise auf ausgetrocknete Gewässer gefunden. Flüssiges Wasser selbst hingegen wurde bislang noch nicht direkt beobachtet. Forscher gehen jedoch davon aus, dass es größere Mengen flüssigen Wassers auf dem Mars gibt, bis sich durch einen Klimawandel vor rund drei Milliarden Jahren die Situation änderte. Auch der Mars-Rover Curiosity hat schon einige Spuren, die Wasser hinterlassen hat, auf dem Mars entdeckt. Seit 2012 rollt das kleine Fahrzeug mit seinen High-Tech-Geräten an Bord über den Roten Planeten. Der Forschungsroboter hat zahlreiche Bodenproben entnommen, hunderte Gigabytes an Daten und Zehntausende Fotos zur Erde geschickt, die von Wissenschaftlern analysiert werden. Auch seine Messungen hatten bisher flüssiges Wasser auf der Planetenoberfläche hingewiesen.

Verdunstender Reif auf dem Mars

Belege für Eis auf dem Mars gibt es schon länger. Auch aufgrund von Curiositys Meldungen gehen Forscher davon aus, dass es auf dem Mars noch heute flüssiges Wasser geben könnte. "Wir haben die Substanz Kalziumperchlorat im Boden entdeckt. Unter den richtigen Bedingungen absorbiert sie Wasserdampf aus der Atmosphäre", erläutert Morten Bo Madsen von der Universität Kopenhagen. "Wenn es Nacht wird, kondensiert ein Teil des Wasserdampfs aus der Atmosphäre auf der Planetenoberfläche als Reif, aber das Kalziumperchlorat ist sehr stark absorbierend und bildet mit dem Wasser eine Salzlauge, wobei der Gefrierpunkt sinkt und der Reif so zu einer Flüssigkeit werden kann." Der Boden sei so porös, dass diese einige Zentimeter tief einsickere. Tagsüber verdampfe das Wasser dann wieder. Aber für Leben gebe es vermutlich zu wenig Wasser und es sei zu kalt.

Weitere Curiosity-Erkenntnisse über den Mars

Strahlenbelastung

Forscher der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) messen die Strahlung auf dem Roten Planeten, um herauszufinden, ob bemannte Marsmissionen möglich sind. Der von ihnen entwickelte Strahlenmonitor RAD (Radiation Assessment Detector) befindet sich an Bord des Rovers Curiosity. 2013 veröffentlichten sie ein vorläufiges Ergebnis: Bei einem Aufenthalt von 500 Tagen auf der Marsoberfläche und einer An- und Abreise, die jeweils ein halbes Jahr dauert, wären Astronauten einer Strahlung von rund 1,0 Sievert ausgesetzt. Damit liegt die Gesamtbelastung über der Grenze von etwa 0,8 Sievert, der Astronautinnen und Astronauten in ihrer gesamten Laufbahn ausgesetzt sein dürfen. Insgesamt führt die Strahlenbelastung zu einem um drei Prozent erhöhten Krebsrisiko. Günther Reitz, vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Co-Autor der Studie, erklärt: "Die Astronauten müssten ihre Behausung eingraben, ab drei bis vier Metern im Marsboden wäre die Strahlung größtenteils abgeschirmt."

Farbspiele

Eine kleine Überraschung gab es 2013 bei Curiositys erster Bohrung: Der Rover bohrte einen roten Stein an. Doch der Staub, den er aus dessen Inneren dann analysierte, war grau. NASA-Wissenschaftler vermuten, chemische Reaktionen mit Sauerstoff könnten den Mars rot gefärbt haben, aber eben nur oberflächlich.
In der Gesteinsprobe entdeckten die NASA-Wissenschaftler Spuren von Schwefel, Stickstoff, Phosphor und Kohlenstoff. Diese Elemente spielen bei der Entstehung von Leben eine wichtige Rolle. Bei Bodenproben fand er im Marssand neben Sauerstoff und Chlorgas auch einfache Kohlenstoff-Verbindungen. Diese sind die molekulare Basis allen irdischen Lebens. Die NASA warnte allerdings eindringlich vor vorschnellen Schlüssen und übertriebenen Erwartungen. "Curiositys zweiter Name ist Geduld", sagte der Leiter der Mars-Mission, John Grotzinger.

Hämatit

Curiositys erstes Bohrloch am Fuße des Mount Sharp lieferte im November 2014 Hinweise auf Hämatit. Der Staub enthält viel mehr davon als alle anderen Gesteins- und Bodenproben, die Curiosity bisher genommen hat. Für die Mars-Forscher ist das eine gute Nachricht, denn die Sonde Mars Reconnaisance Orbiter MRO hatte dieses Mineral bereits mit einer Analyse aus dem Orbit vorhergesagt. Das bedeutet, die Messungen von MRO stimmen und lassen sich für die Steuerung des Rovers benutzen. Außerdem lässt sich mithilfe des Hämatits darauf schließen, welche Umweltbedingungen einst herrschten, als der Mars entstand.

Nächste Mission bereits in Planung

Die US-Raumfahrtbehörde plant schon ihren nächsten Mars-Roboter. "InSight" soll er heißen und 2016 auf den Roten Planeten geschickt werden. Er soll Tiefenbohrungen vornehmen und so das Innere des Mars genauer untersuchen. So soll herausgefunden werden, ob das Innere des Planeten flüssig oder fest ist, und warum die Oberfläche des Mars nicht wie die der Erde aus tektonischen Platten besteht. Dabei werden auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau beteiligt sein.


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