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Schon während der Spanischen Gruppe 1918 haben manche am Arbeitsplatz eine Maske getragen.

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Schon 1918 gab es dieselben Hygieneregeln wie heute

Die Corona-Pandemie ist für uns alle eine Außnahmesituation. Regeln und Gebräuche, die wir früher als normal erachtet haben, sind außer Kraft gesetzt. Maske, Hände waschen, Abstand halten, das sind die neuen Regeln. Aber die sind eigentlich ganz alt.

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Von
  • Yvonne Maier

Man stelle sich vor, ein Mensch aus dem Jahr 1918 hätte eine Zeitmaschine und reiste in unsere Gegenwart. Die Welt wäre natürlich eine andere, aber so manches, was für uns noch neu ist, würde unser Vorfahr wiedererkennen.

Denn die Regeln, die sich die Menschen vor knapp hundert Jahren gegeben haben, um die Spanische Grippe zu besiegen, sind unseren AHA-Regeln heute ziemlich ähnlich.

Regeln von 1918 sind fast wie die von 2020

Die Zeitung "Douglas Island News" aus Alaska druckte zum Beispiel am 15. November 1918 unter anderem folgende Hinweise auf ihrem Titelblatt:

  • Tragen Sie eine Maske.
  • Waschen Sie Ihre Hände vor und nach jedem Essen.
  • Umgeben Sie sich häufig mit frischer Luft, tagsüber und nachts.
  • Halten Sie sich warm.
  • Gurgeln Sie regelmäßig mit Salzwasser (und immer wenn Sie sich draußen aufgehalten haben).
  • Beachten Sie die Quarantäne-Regeln.
  • Halten Sie sich von Gruppen fern. Sie können die Grippe nur dann bekommen, wenn Sie sich in der Nähe einer infizierten Person befinden.
  • Vernachlässigen Sie nicht Ihre Maske.
  • Gehen Sie nicht davon aus, dass Sie selbst die Krankheit nicht bekommen könnten oder sie nicht weitergeben könnten.
  • Berühren Sie ihren Mund nicht mit den Händen.

Alles Regeln, die uns heute fast unheimlich bekannt vorkommen! Trotz moderner Medizin, Forschung und Medikamenten sind die grundsätzlichen Regeln über die Jahrzehnte gleich geblieben, die ein jeder und eine jede beachten soll, um die Pandemie einzudämmen. Und sie sind immer noch gleich effektiv.

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Über Speichel überträgt sich die Influenza, ebenso wie SARS-CoV-2. 1918 warnten die Behörden in den USA darum, auf der Straße auszuspucken.

Masken spalten die Bevölkerung

Früher wie heute waren die Masken in Teilen der Bevölkerung nicht beliebt. In den USA wurden sie als "Maulkorb", "Bakterienschild" oder "Schweineschnauze" beschimpft. Und es gibt Berichte von Banküberfällen, die mit solchen Mund-Nasen-Bedeckungen ausgeführt worden sind.

Ebenso wie heute wurden an vielen Orten Kneipen, Restaurants, Theater und Schulen geschlossen. Manche trugen am Arbeitsplatz Masken, aber auch in den Straßen oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Es gibt auch einen Bericht aus der Los Angeles Times vom 22. Oktober 1918 zu Masken in Restaurants: "Der lustigste Anblick findet sich in den großen Restaurants. Alle Kellner und Gäste mit ihren Masken, und die Gäste heben sie nur kurz an, um sich einen Bissen in den Mund zu schieben."

Warnungen von Ärzten damals erinnern an heute: Die Maske sei regelmäßig zu tauschen, beim Tragen nicht mit den Fingern anzufassen und immer vor und nach dem Auf- und Absetzen seien die Hände zu waschen.

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Bauern in den USA tragen bei der Arbeit auf dem Feld Maske.

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Straßenkehrer in den USA mit Mundschutz

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Trambahnfahren nur mit Maske

Damals wie heute wurden einigen die Masken mit der Zeit lästig. Promis in Los Angeles ärgerten sich, dass sie nicht mehr erkannt wurden, schreibt die Los Angeles Times im Oktober 1918. In San Francisco kam es zu Prügeleien zwischen Masken- und Nicht-Maskenträgern, ein Mann wurde erschossen.

Zigarrenhändler in Pasadena beklagten ihren Geschäftsrückgang, ebenso Barbiere. Die Laufkundschaft in der Innenstadt kam fast zum Erliegen, weil die meisten Menschen daheim blieben. In San Francisco gründete sich im Dezember 1918 die Anti-Masken-Liga - wie heute war aus der Maske ein politisches Symbol geworden.

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