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Das Eschentriebsterben wird durch einen Pilz verursacht

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Massenhaftes Eschensterben: Hat die Esche noch eine Chance?

Seit Jahren sterben in Deutschland die Eschen an einem Pilz, ihre Zukunft ist ernsthaft gefährdet. Es gibt jedoch Bäume, die die Krankheit überleben. Wie schaffen sie das? In einem Forschungsprojekt sind Wissenschaftler dem Geheimnis auf der Spur.

Kahle Triebe, sterbende Kronen - im Wald bei Kaisheim im Landkreis Donau-Ries sterben massenweise Eschen. Dabei war der Bestand der Bayerischen Staatsforsten früher bekannt für seine besonders hochwertigen, schönen Eschen, hier wurde Eschensaatgut gewonnen. Aber noch gibt es einige vitale Exemplare - und denen ist Georgia Kahlenberg auf der Spur. Die Doktorandin an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt arbeitet für den deutschlandweiten Forschungsverbund Frax for Future. In fünf Teilprojekten forschen Biologen, Mykologen, Genetiker, Bodenkundler und viele andere daran, die Esche als Wirtschaftsbaumart zu retten.

Deutschlandweites Forschungsprojekt

Der Wald bei Kaisheim ist eine von 14 Beobachtungsflächen in Deutschland, jede ist 1 Hektar groß, verteilt über alle Regionen und Bodentypen. Im Sommer ist Georgia Kahlenberg alle zwei Wochen vor Ort und begutachtet den Gesundheitszustand ihrer Forschungsbäume; sie nimmt regelmäßig Proben von Blättern und Rinde und misst den Sporendruck auf der Fläche. Jeder Hinweis könnte helfen, das Eschentriebsterben besser zu verstehen.

Verursacher ist Pilz aus Asien

Ein aus Asien eingeschleppter Pilz – das Falsche Weiße Stängelbecherchen - befällt zuerst die Blätter, dann sterben die Triebe ab, die Baumkrone wird nicht mehr versorgt und am Ende wird der Stamm faul und der Baum stürzt um. Aber Förster und Waldbesitzer berichten immer wieder von Eschen, die sich erholen. Georgia Kahlenberg geht bei ihrer Bewertung nach wissenschaftlichen Kriterien vor, aber auch sie beobachtet Eschen, die jahrelang stabil bleiben oder sich sogar leicht erholen.

Einige Eschen sind resistent

Man schätzt, dass 5 Prozent der Eschen resistent sind, also die Krankheit überleben. Auf diesen toleranten Eschen ruhen große Hoffnungen: Was haben sie, was die anderen, kranken, nicht haben, welche Eigenschaften und Abwehrmechanismen besitzen sie? Das will das Bayerische Amt für Waldgenetik (AWG) – ebenfalls Forschungspartner von Frax for Future - auf genetischer Basis herausfinden: Hannes Seidel ist auf 30 Flächen in ganz Bayern auf der Suche nach möglicherweise resistenten Eschen: Diese Bäume werden einer genetischen Analyse unterzogen, in der Hoffnung, genetische Spuren, so genannte Genmarker, zu finden, die einen Schlüssel zur Resistenz bieten könnten.

Klonplantage für vitale Eschen

Neben der genetischen Analyse haben Baumkletterer im Auftrag des Amtes für Waldgenetik im Winter Reiser von besonders vitalen Eschen gewonnen: Diese sollen geklont werden und die Grundlage für eine Samenplantage resistenter Eschen bieten. Wie im Obstbau üblich, werden die Reiser dabei auf eine Unterlage gepfropft. Schon als Jungpflanzen werden sie intensiv pilzverseuchtem Eschenlaub ausgesetzt – und erst, wenn sie diesen Stresstest überstanden haben, kommen sie in die Plantage in Südbayern.

Kampf gegen die Zeit

Es ist ein Kampf gegen die Zeit: Je mehr Eschen sterben, umso schwieriger ist es für die wenigen verbliebenen Bäume, ihre Pollen weiterzugeben. Das Alptraumszenario: Es findet kein genetischer Austausch mehr zwischen den isolierten Eschen statt, der Genpool und damit das Anpassungsvermögen verarmen. Momentan kommen noch mehr junge Eschen nach als kranke absterben. Und auch hier ruht eine Hoffnung: Vielleicht schaffen es die nächsten Eschengenerationen, die von allein im Wald aufgehen, sich an den Pilz anzupassen – und so die Krankheit zu überstehen. Das Forschungsprojekt Frax for Future ist bis 2024 ausgelegt.

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