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Auch der Apollofalter lebt in den Alpen inzwischen in höheren Regionen.

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    Klimawandel in den Alpen: Viele Arten passen sich zu langsam an

    Der Winter in den Alpen wird kürzer, die Temperaturen steigen. Tiere und Pflanzen sind durchaus in der Lage, sich neuen Gegebenheiten anzupassen - häufig aber nicht so schnell, wie der Klimawandel voranschreitet.

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    Von
    • Claudia Sarrazin

    In den europäischen Alpen kann man den Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die Umwelt besonders gut beobachten. Die Pflanzen und Tiere dort sind stark an ihren extremen Lebensraum angepasst. Schon kleine Temperaturveränderungen haben zur Folge, dass sie ihr Verhalten ändern und ihren Lebensraum neu wählen müssen. Eine Studie der Schweizer Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und des Französischen Centre national de la recherche scientifique (CNRS), erschienen im Fachjournal Biological Reviews, zeigt, dass diese Anpassungen häufig nicht schnell genug möglich sind.

    Veränderte Temperaturen und Jahreszeiten

    Seit 1970 hat sich das Klima in den Alpen um ca. 1,8 Grad Celsius erwärmt. Die Gletscher schmelzen, die Schneedecke wird immer dünner. Da es in den unteren Regionen immer wärmer wird, müssen Tiere und auch Pflanzen immer höher wandern, um die annähernd gleichen Bedingungen vorzufinden. Außerdem verändern sich die Jahreszeiten: Der Winter wird kürzer, der Frühling beginnt früher. Auch darauf reagieren viele Arten. Um diese Wanderbewegungen und Verhaltensänderungen genauer zu untersuchen, wurden in der Übersichtsstudie die Daten von mehr als 2.000 Arten (Pflanzen, Tiere und Pilze) ausgewertet, die in den Alpen leben. Ein großer Teil der Daten stammt aus Citizen-Science-Projekten. Dabei werden Wissenschaftler von Hobbyforschern zum Beispiel mit Beobachtungen und Messungen unterstützt.

    Arten wandern in höhere Alpenregionen ab

    Um die klimatischen Bedingungen ihres Lebensraums in den Alpen beizubehalten, müssten Tiere und Pflanzen pro Jahrzehnt ungefähr 60 bis 70 Höhenmeter zurücklegen. Die Forscher kamen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass fast alle Arten in höhere Gebiete abwandern. Besonders weit schaffen es Schmetterlinge, Reptilien, Bäume und Sträucher mit circa 33 Höhenmetern pro Jahrzehnt. Schon deutlich langsamer sind zum Beispiel Vögel, Farne und holzzersetzende Pilze mit weniger als 15 Höhenmetern pro Jahrzehnt.

    Früherer Frühlingsbeginn und die Auswirkungen

    An die Klimaerwärmung in den Alpen und den damit einhergehenden Änderungen bei den Jahreszeiten passen viele Arten ihr Verhalten an. Laut Studie hat sich der Beginn des Frühlings in den vergangenen Jahrzehnten nach vorne verschoben. Reptilien, Zugvögel, Pflanzen und an Land lebende Insekten wie zum Beispiel Schmetterlinge haben am stärksten auf diese Veränderung reagiert und ihre ersten Frühjahrsaktivitäten um durchschnittlich zwei bis acht Tage pro Jahrzehnt nach vorne verschoben. Bei anderen wiederum gab es keine oder nur unwesentliche zeitliche Verschiebungen: Amphibien, Wasserinsekten (zum Beispiel Libellen) und hier lebende Vögel.

    Yann Vitasse, Spezialist für Waldökologie an der WSL, hält diese zum Teil starken Auseinanderentwicklungen für problematisch, da sich die verschiedenen Arten in ihren Aktivitäten zeitlich nicht mehr aufeinander abstimmen könnten. Das sei für den langfristigen Fortbestand der Arten als Teil eines Ökosystems bedrohlich.

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