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Was tun, wenn der Impfpass weg ist?

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    Fragen zum Impfausweis: Impfpass verloren, was tun?

    Seit Corona ist das Thema Impfen auch bei denjenigen wieder ein Thema, die nicht nur ihren Impfstatus, sondern womöglich auch ihren Impfpass aus den Augen verloren haben. Was tun, wenn der Impfpass weg ist? Wo bekommt man einen neuen Impfausweis her?

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    Von
    • Marlene Riederer

    Das Thema Impfen ist zu jeder Zeit ein heißdiskutiertes Thema. Besonders relevant ist es jetzt, wo zur Eindämmung der Corona-Pandemie mit den Impfungen begonnen wurde. Zeit für viele, sich mit der Impfthematik womöglich seit längerer Zeit wieder einmal auseinanderzusetzen. Denn gerade im Erwachsenenalter werden Impfungen häufig vernachlässigt in dem Glauben, alles in der Kindheit schon "erledigt" zu haben. Manche Impfungen halten lange, viele aber müssen regelmäßig aufgefrischt werden.

    Impfungen, die zur Grundimmunisierung gehören

    Neben den Standardimpfungen gibt es sogenannte Indikationsimpfungen, die aufgrund einer besonderen Gefährdung – sei es im Beruf oder auf Fernreisen – empfohlen werden. Zu der Grundimmunisierung gehören laut STIKO Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung (Polio) und Keuchhusten. Die Masern-, Mumps- und Röteln-Impfung erhalten diejenigen, die nach 1970 geboren wurden.

    Impfungen, die unter bestimmten Umständen sinnvoll sind

    Zu den Indikationsimpfungen gehören zum Beispiel Reiseimpfungen, aber auch Standardimpfungen gegen Grippe und Pneumokokken, die ab dem 60. Lebensjahr empfohlen werden. Ob Impfungen zum Beispiel gegen Grippe oder FSME - übertragen durch Zecken - notwendig sind, ist von der gesundheitlichen Situation oder dem Umfeld des Einzelnen abhängig. Wer sich häufig in Risikogebieten für FSME aufhält oder dort lebt, sollte sich auch gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis immunisieren lassen, um bei einem Zeckenstich geschützt zu sein. Eine Impfung gegen Gelbfieber oder Tollwut ist nur dann sinnvoll, wenn man in die entsprechenden Risikogebiete reist. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt deshalb, den eigenen Impfschutz von Zeit zu Zeit zu überprüfen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) erneuert stets ihre empfohlenen Schutzimpfungen.

    Wozu ist ein Impfpass gut?

    Um alle Impfungen im Blick zu behalten, gibt es den Impfpass, in dem jede Impfung eingetragen wird. Anhand des Impfpasses kann man sehen, wann welche Impfungen vorgenommen wurden. Das heißt aber nicht, dass man auch weiß, wann die nächste Impfung fällig ist. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Hausarzt. Denn deren Vorgehen ist unterschiedlich: Manche tragen den nächsten Impftermin schon mit Bleistift in den Impfpass vor, andere geben einen Zettel mit den anstehenden Impfterminen mit und weisen auf fehlende Standardimpfungen hin, andere erinnern telefonisch, wann eine nächste Impfung fällig ist. Eventuell verwendet Ihr Arzt oder Ihre Ärztin auch ein spezielles Impfprogramm in der Praxissoftware, das darüber aufklärt, welche Standardimpfungen fehlen, welche Impfungen wann aufgefrischt werden müssen, oder ob man ein Kandidat für eine Indikationsimpfung ist. Über dieses Programm verfügt aber nicht jeder Arzt.

    Was tun, wenn der Impfpass weg ist?

    Der erste Schritt ist zu versuchen, Infos zu vergangenen Impfungen anhand von Patientenakten zu ermitteln. Ideal ist es, wenn Sie die Praxis schon länger nicht gewechselt haben, denn dann sind in Ihrer Patientenakte die Therapien und Behandlungen - und damit auch Impfungen - vermerkt. Diese Daten müssen zehn Jahre lang aufbewahrt werden. Aber auch bei einem Praxiswechsel ist es kein Problem, an die Infos der vergangenen zehn Jahre zu gelangen. Entweder bitten Sie Ihre vorherige Ärztin um Auskunft und ggf. um eine Kopie der Unterlagen - gegen Erstattung der Kosten - oder Sie bevollmächtigen Ihren Arzt dazu, dies zu tun.

    Vielleicht haben Sie das Problem mit dem fehlenden Impfpass aber schon länger auf die lange Bank geschoben und haben sich bei Impfungen nur Impfbescheinigungen ausstellen lassen? Durchforsten Sie einfach Ihre Unterlagen und Ihr Gedächtnis, ob Sie noch Bescheinigungen oder Rechnungen finden oder sich an einem Urlaub im fernen Afrika erinnern, für den einige Reiseimpfungen fällig wurden. Oder erinnern Sie sich an eine Verletzung im Garten mit der Heckenschere? Da wird der behandelnde Arzt sicher nach einer Tetanusimpfung gefragt und im Zweifel aufgefrischt haben.

    Bei fehlender Info - Status "ungeimpft"

    Ist Ihr Impfstatus unklar, muss ein Arzt Sie als ungeimpft einstufen. Ärzte dürfen sich nicht allein auf die Aussagen eines Patienten verlassen.

    "Bei unbekanntem Impfstatus, das heißt bei fehlender oder unvollständiger Dokumentation von Impfungen, ist im Interesse der zu schützenden Person von fehlenden Impfungen auszugehen." STIKO Epidemiologischen Bulletin 34/2019 auf Seite 348

    Auffrischungsimpfungen oft nach zehn Jahren

    Viele Impfungen bedürfen nach zehn Jahren meist einer Auffrischung – wie auch die Tetanusspritze. Wenn also keine Tetanusimpfung in der Krankenakte vermerkt ist, können Sie sicher sein, dass eine Impfung gegen den gefährlichen Wundstarrkrampf fällig ist.

    Ist eine doppelte Impfung gefährlich?

    Wenn alles nichts hilft, Unterlagen fehlen oder nur lückenhaft sind, kann man sich trotzdem impfen lassen - im Zweifelsfall damit auch doppelt. Die STIKO hat die "Empfehlungen zu Nachholimpfungen bei unvollständigem oder unbekanntem Impfstatus" überarbeitet. Die Empfehlungen sind altersspezifisch und sollen Ärzten im Praxisalltag helfen (Epidemiologischen Bulletin 34/2019 ab Seite 348). Ihr zufolge geht von zusätzlich verabreichten Impfdosen in der Regel kein erhöhtes Risiko aus. Das betrifft auch Kombinationsimpfstoffe. "In Ausnahmefällen kann es nach wiederholter Gabe von Totimpfstoffen zu Nebenwirkungen wie einer ausgeprägten lokalen Unverträglichkeitsreaktion mit schmerzhafter Schwellung und Rötung der betroffenen Extremität kommen," so die STIKO. Zu beachten sind darüber hinaus die generell möglichen Nebenwirkungen, die mit der jeweiligen Impfung als solches einhergehen.

    Der Bluttest: nicht immer überzeugend

    Wenn kein Arzt Auskunft über Ihre Impfungen geben kann und ein Durchstöbern von Unterlagen und Gedächtnis erfolglos bleiben, dann können Sie theoretisch Ihr Blut auf entsprechende Antikörper untersuchen lassen. Der Nachteil: Man weiß dann zwar, dass ein Grundschutz besteht, aber nicht, wie lange er noch anhält. Ein weiteres Problem: Bei manchen Impfungen findet man generell keine Antikörper, obwohl der Impfschutz gegeben ist. Empfohlen wird das Verfahren nur in Ausnahmefällen - zum Beispiel bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem - und bei Frauen mit Kinderwunsch im Hinblick auf Windpocken und Röteln. Falls sich die Frau unsicher ist, sollte das Blut auf entsprechende Antikörper hin untersucht werden, zumal während einer Schwangerschaft die Impfung gegen Röteln nicht möglich ist.

    Wo bekomme ich einen neuen Impfpass?

    Grundsätzlich kann Ihr Arzt einen neuen Impfpass ausstellen. Wenn Sie die Impfungen rekonstruiert haben, kann er diese auf einem Ersatzdokument eintragen.

    Was kostet ein neuer Impfausweis?

    Ein neuer Impfpass ist kostenlos.

    Kann man geimpft werden, wenn man keinen Impfpass hat?

    Wenn kein Impfpass vorhanden ist, kann man sich eine Impfbescheinigung aushändigen lassen.

    Wo bewahre ich meinen Impfpass auf?

    Suchen Sie sich am besten einen festen Ort aus. In den Aktenordner mit Arztunterlagen? Im Medikamentenschrank? Hauptsache, Sie müssen nicht lange suchen. Eine gute Idee ist auch, den Impfpass einzuscannen oder Kopien anzufertigen, falls man den Impfpass tatsächlich einmal verlieren sollte. Gerade bei Kindern, die auf Schulreisen oder auf Freizeiten den Impfpass mitnehmen müssen, sollte man lieber Kopien mitgeben.

    Schluss mit Papier-Impfpass? Der elektronische Impfausweis kommt

    Am 1. Januar 2021 ist das "Patientendaten-Schutz-Gesetz" wirksam geworden. Damit werden digitale Angebote wie das E-Rezept oder die elektronische Patientenakte nutzbar. Patienten haben außerdem ein Recht darauf, dass ihre Ärztin ihre elektronische Patientenakte (ePA) befüllt. In dieser Akte lassen sich dann voraussichtlich ab 2022 unter anderem auch der Impfausweis speichern. Der elektronische Impfpass (eImpfpass) kann die Impfungen digital erfassen. Arzt und Patient können sie gemeinsam verwalten. Und mithilfe eines Ampelsystems kann man auf einen Blick erfassen, ob der Impfschutz im grünen Bereich liegt oder Impfungen empfohlen werden. Zudem erinnert er an fällige Impfungen.

    Digitaler Impfpass: Wie kann eine Corona-Impfung belegt werden?

    Die 27 EU-Staaten haben sich darauf geeinigt, dass es einen gemeinsamen digitalen Corona-Impfnachweis geben soll. Die EU-Kommission spricht von einem "grünen Zertifikat". Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte: "Mit diesem digitalen Zertifikat wollen wir unseren Mitgliedstaaten helfen, verantwortungsvoll und sicher die Freizügigkeit wiederherzustellen." Welche Vorteile genau das Zertifikat den Geimpften verschafft, ist noch nicht ganz klar und könnte von Land zu Land unterschiedlich sein.

    Der digitale Impfpass in Deutschland

    Wer sich gegen Corona impfen lässt, kann sich die Impfung bald in einen digitalen Impfpass eintragen lassen. Künftig soll man sich den digitalen Nachweis direkt in Praxen oder Impfzentren erstellen lassen und dann per Smartphone nutzen können. Auch nachträgliche Ausstellungen sind möglich - etwa bei Ärzten und in Apotheken. Laut Bundesgesundheitsministerium soll die zugehörige App namens CovPass – vom Robert Koch-Institut und IBM entwickelt – schon zuvor in den App-Stores verfügbar sein. Auch in die Corona-Warn-App soll das digitale Impfzertifikat eingebunden werden können (ab Version 2.3.).

    Um die Arbeit der Impfzentren zu erleichtern, einen digitalen Nachweis zu liefern, empfiehlt die Stadt Nürnberg, den Account im Impfportal BayIMCO nicht zu löschen. Vollständig Geimpfte, die das bereits getan haben, haben die Möglichkeit, sich den digitalen Nachweis zum Beispiel in Apotheken aufs Handy spielen zu lassen.

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