Grippe Darum ist eine IMPFUNG wichtig

Stand: 28.04.2021 11:34 Uhr

Gerade in der Corona-Pandemie empfehlen Hausärzte die Grippeschutzimpfung. Deshalb sollten Risikogruppen sich auch in der Pandemie impfen lassen. Alles Wissenswerte zur Grippe-Impfung erfahren Sie hier.

Hand mit Impfspritze neben Grippeviren | Bild: picture-alliance/dpa, colourbox.com; Montage: BR

Die Hauptsaison der echten Grippe, auch Influenza genannt, beginnt im Herbst. Denn dann zirkulieren laut Robert Koch-Institut (RKI) schon die Influenzaviren. Eine Grippewelle - also eine erhöhte Influenza-Aktivität - beginnt meist erst im Januar und dauert drei bis vier Monate.

Der ideale Zeitpunkt für eine Impfung

Das RKI rät, sich im Oktober oder November, spätestens aber bis Mitte Dezember gegen die saisonale Grippe impfen zu lassen. Das ist der ideale Zeitpunkt, um auf dem Höhepunkt einer Grippewelle geschützt zu sein. Die Wirksamkeit des Impfschutzes währt zwischen neun und zwölf Monate. Nach circa 14 Tagen hat das Immunsystem den Schutz gegen die Erreger vollständig aufgebaut.

Argumentiert Darum ist eine Grippe-Impfung sinnvoll

  • Mehrfachinfektionen vermeiden: Mit einer Grippe-Impfung kann einer mehrfachen Krankheitsbelastung vorgebeugt werden, denn eine bereits bestehende Erkrankung lässt die Lunge noch angreifbarer für das Coronavirus werden. Mehrfachinfektionen fordern das Immunsystem besonders stark und können zu (noch) schwereren Komplikationen führen.
  • Risikogruppen schützen: Um besonders gefährdete Menschen zu schützen, sollten die Impfquoten vor allem bei den Risikogruppen erheblich gesteigert werden, so die Ständige Impfkommission (STIKO).
  • Krankenhäuser entlasten: Das RKI hält eine hohe Influenza-Impfquote bei Risikogruppen zurzeit außerdem deshalb für wichtig, um während der Grippewelle schwere Krankheitsverläufe und damit auch Engpässe in Krankenhäusern zu vermeiden.
  • Grippe ausschließen: Bei einer Impfung gegen Grippe kann in den meisten Fällen diese bei einer Erkrankung im Vorhinein ausgeschlossen werden.
  • Kaum Nebenwirkungen: Die Grippeschutzimpfung gilt als gut verträglich. Sie enthält abgetötete Erreger, die selbst keine ernsthafte Erkrankung mehr verursachen können. Sie aktivieren aber das Immunsystem der geimpften Personen.
  • Grippe-Impfung schützt auch bei geschwächtem Immunsystem: Leider arbeitet das Immunsystem älterer Menschen oft nicht mehr so effektiv wie bei jungen Menschen. Trotzdem kann das Risiko, an Influenza zu erkranken, im Schnitt um 50 Prozent reduziert werden. Zudem verläuft eine Grippe bei Geimpften deutlich milder und mit weniger Komplikationen als bei Nicht-Geimpften. Grippe-Impfung jetzt besonders wichtig.

Abgeschaut So bekämpft unser Immunsystem Erreger

Impf-Empfehlung Wer sollte sich impfen lassen?

Menschen, die ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben, sind bei Grippe und COVID-19 sehr ähnlich. Dazu zählen: Menschen, die älter als 60 Jahre alt sind, Schwangere (ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel), Menschen, die beruflich viel Kontakt mit anderen haben wie Krankenhaus-Personal oder Altenpfleger, Patienten, die an einer chronischen Krankheit leiden wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma sowie Kinder mit Diabetes.

Kinderärzte empfehlen Impfung von Kindern

Kinderärzte empfehlen auch eine Impfung von Kindern, denn sie können das Virus maßgeblich übertragen. Neben dem Schutz der Gesundheit der Kinder bestehe eine gesellschaftliche Verpflichtung zum Schutz der anderen. Auch Arbeitsmediziner Dr. Tobias Benthaus hält eine Impfung in fast allen Fällen für sinnvoll, auch wenn man nicht zu den Risikogruppen zählt:

Zitat Andere schützen!

"Selbst, wenn Sie nur schwache Symptome haben, stecken Sie andere an - und bei denen kommt es dann unter Umständen zu Komplikationen."

Dr. Tobias Benthaus, Arbeitsmediziner

Symptome Grippe vs Corona

  • Schlagartig krank: Influenza ist eine akute Infektion der Atemwege. Die Symptome kommen schlagartig von einer Stunde zur anderen. Man fühlt sich plötzlich wie erschlagen und sehr krank.
  • Hohes Fieber: Temperaturen über 40 °C sind keine Seltenheit. Dazu kann Schüttelfrost kommen.
  • Husten, Heiserkeit, Halsschmerzen: Bei der Grippe hat man oft einen starken, trockenen Husten, sowie Heiserkeit und Halsschmerzen.
  • Häufig Gliederschmerzen: Bei einer Grippe - und auch einer Erkältung - hat man häufig Gliederschmerzen und Kopfschmerzen.
  • Weitere Symptome können sein: Appetitlosigkeit, Schwindel, Muskel-, Gelenk- und Augenschmerzen.
  • Langsame Steigerung der Beschwerden: Die Krankheitsbeschwerden nehmen bei Corona - und auch bei einer Erkältung - tendenziell eher langsam steigend an Intensität zu.
  • Coronasymptome: Husten (41 %), Fieber (31 %), Schnupfen (24 %), Störung des Geruchs- und/oder Geschmackssinns (21 %), Pneumonie (2 %) (RKI: Erfasste Symptome für COVID-19 Fälle in Deutschland - Meldedaten 07.12.2020)
  • Weitere mögliche Symptome: Halsschmerzen, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Apathie, Somnolenz (krankhafte Schläfrigkeit).
  • Kaum Gliederschmerzen: Sie sind bei Corona eher untypisch.

Auf einen Blick Unspezifische Symptome

Infografik: Symptomverteilung bei Covid-19, Erkältung und Grippe | Bild: BR

Erkältung und Grippe von einer Infektion mit dem Coronavirus zu unterscheiden, ist nicht wirklich einfach und eindeutig. Die Symptome einer Covid-19 Erkrankung können von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich sein. Viele Symptome sind unspezifisch und treffen für alle drei Erkrankungen - Corona, Grippe und Erkältung - zu. Niesen spricht für eine harmlose Erkältung, denn dieses Symptom kommt weder bei einer Grippe noch bei Covid-19 vor. Deswegen sollte man seine Beschwerden immer vom Arzt abklären lassen. Sicherheit bringt letztendlich nur ein Test.

Risiken Warum ist das Grippe-Virus gefährlich?

Für die Risikogruppen bedeutet eine Grippe-Erkrankung eine echte Gefahr und kann lebensgefährliche Komplikationen nach sich ziehen. Die Grippeviren schwächen den Körper, sodass Bakterien angreifen können. So kann es zu Entzündungen von Lunge, Ohren, Nebenhöhlen, Gehirn und Herzmuskel kommen. Im schlimmsten Fall endet eine Grippe mit dem Tod - nicht wegen der Grippe als solcher, sondern wegen der Folgekrankheiten, die aufgrund der Immunschwächung auftreten.

Prognose Wie verläuft die nächste Grippe-Welle?

Die Stärke der Grippewellen schwankt von Jahr zu Jahr erheblich. Das zeigt etwa ein Blick auf die influenzabedingten Arztbesuche: In der eher moderaten Influenzasaison 2018/2019 gab es 3,8 Millionen Besuche, in der Saison 2017/2018 dagegen rund neun Millionen. Während dieser besonders starken Grippewelle starben laut Robert Koch-Institut 25.100 Menschen.

Die Grippewelle der Saison 2020/2021 ist unter anderem wegen der Corona-Hygieneregeln harmlos verlaufen. Mit bis Ende April 2021 nur 519 im Labor bestätigten Fällen hat es nach der Definition des RKI in dieser Saison überhaupt keine Grippewelle gegeben. Klaus Reinhardt, Bundesärztepräsident, hatte dies schon Monate zuvor prognostiziert.

Zitat Moderate Grippewelle 2020/21?

"Durch die Corona-Routine, also durch häufiges Händewaschen, Maskentragen und Abstandhalten, werden Infektionen insgesamt reduziert."

Klaus Reinhardt, Ärztepräsident zum Verlauf der Grippewelle 2021 im Herbst 2020

Statistik Grippefälle in Bayern in den vergangenen Jahren

Infografik: Grippefälle in Bayern in den vergangenen Jahren | Bild: BR

Behandlung Was tun bei einer Grippe?

Wenn man Grippe hat, sollte man viel ruhen und sich körperlich schonen. Etwas anderes ist für Betroffene auch kaum möglich, denn bei einer Grippe fühlt man sich sehr krank. Wird das Fieber zu hoch, sollte man fiebersenkende Mittel verabreichen. Ansonsten kann man die Symptome lindern: Inhalieren gegen den Husten und Schnupfen, Schmerzmittel gegen die Kopf- und Gliederschmerzen, viel Trinken, um den Flüssigkeitsverlust beim Schwitzen auszugleichen. Meist bekommt man die Infektion bei unkompliziertem Verlauf so nach wenigen Tagen in den Griff, auch wenn man danach noch einige Tage länger erschöpft und ausgelaugt sein kann. Übrigens: Da eine Grippe von Viren ausgelöst wird, nützen Antibiotika nichts - außer man zieht sich in Folge der Erkrankung noch eine bakterielle Infektion zu.

Medikamente Nur in schweren Fällen

Symbolbild: Hilfe bei Erkältung und Grippe | Bild: Digital Vision

Spätestens bei schweren Verläufen und Risikopatienten sollte ein Arzt hinzugezogen werden, der ggf. eine Überweisung in ein Krankenhaus veranlassen kann. Er kann zudem zur gezielten Behandlung der Grippe antivirale Medikamente verabreichen, die die Vermehrung der Viren eindämmen. Das ist nur sinnvoll, wenn sie innerhalb von 48 Stunden nach Krankheitsbeginn eingenommen werden. Denn dann ist die Ausbreitung im Körper noch nicht weit fortgeschritten. Diese Medikamente können helfen, Dauer und Schwere der Grippe zu reduzieren und die Gefahr einer bakteriellen Folgeinfektion zu verringern.

Grippe-Impfstoff Alle Jahre wieder

Eine Grippe wird durch Viren ausgelöst. Die Grippeviren sind listig und wandlungsfähig: Sie verändern sich ständig. Jedes Jahr muss daher ein neuer Impfstoff entwickelt werden, der gegen die Influenzaviren, die in der folgenden Saison im Umlauf sind, wirksam sein soll. Jedes Frühjahr wagt die Weltgesundheitsorganisation eine neue Prognose. Wie effektiv ein entwickelter Grippe-Impfstoff ist, variiert und hängt auch davon ab, ob die in dem Impfstoff enthaltenen Virusstämme mit den Influenzaviren der folgenden Grippesaison bestmöglich übereinstimmen. Tun sie das nicht, weil sich zwischenzeitlich andere Virusstämme durchgesetzt haben, kann die Schutzwirkung des Impfstoffs leiden, so das Robert Koch-Institut (RKI).

Ein weiterer Grund, warum die Wirksamkeit des Grippeimpfstoff beeinträchtigt sein kann, liegt darin, dass es zu genetischen Veränderungen beim Impfstamm kommen kann, während der Impfstoff hergestellt wird.

Ansteckung Wie man sich mit Viren infizieren kann

Influenzaviren sind hochansteckend und übertragen sich über Tröpfcheninfektion durch den Atem infizierter Menschen oder Kontaktinfektion über Flächen und Gegenstände. Die Erreger werden vom Infizierten bereits 24 Stunden vor dem Auftreten der ersten Symptome übertragen.

  • Hände waschen: Das hilft, die Zahl der Viren und Bakterien klein zu halten. Benutzen Sie zum Händewaschen heißes Wasser und Seife. Vermeiden Sie feuchte, von vielen benutzte Handtücher zum Abtrocknen - dann besser ein Taschentuch nehmen. 
  • Oberflächen desinfizieren: Influenzaviren können sich auf Oberflächen wie Türklinken, Lichtschaltern oder Telefonhörern halten, auch auf Computer-Tastaturen tummeln sich viele Erreger. Wer kann, sollte diese im Büro regelmäßig desinfizieren.
  • Nicht ins Gesicht fassen: Vermeiden Sie es, sich selbst an Nase, Mund oder in die Augen zu fassen - nur da können die Erreger in den Körper eindringen.
  • Regelmäßig lüften: Büros und Wohnräume sollten regelmäßig gut gelüftet werden, denn in überheizten Räumen halten sich die Viren besonders gut.

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