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#Faktenfuchs: Was ist dran an dem Klimawandel-Brief an Guterres? | BR24

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99 Prozent der Klima-Experten sind vom menschengemachten Klimawandel überzeugt

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    #Faktenfuchs: Was ist dran an dem Klimawandel-Brief an Guterres?

    Mehr als 500 Menschen, darunter viele Wissenschaftler, haben in der vergangenen Woche einen offenen Brief an UN-Generalsekretär Guterres verfasst. Sie meinen, es gebe keinen Klimanotstand. Der #Faktenfuchs hat sich den Brief näher angeschaut.

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    Greta Thunberg hat mit ihrer Klima-Rede vor den Vereinten Nationen viel Aufmerksamkeit erzeugt – doch auch ihre Gegner versuchen, ihrer eigenen Position Gehör zu verschaffen. In den vergangenen Tagen kursierte in diversen Artikeln im Netz der Verweis auf ein Schreiben mit mehreren Hundert Unterzeichnern und dem Titel "Es gibt keinen Klimanotstand". Es ist ein offener Brief an António Guterres, den UN-Generalsekretär. In dem Text heißt es zum Beispiel: "Die aktuelle Klimapolitik schwächt sinnlos und schmerzlich das Wirtschaftssystem und gefährdet das Leben vieler in Ländern, denen der Zugang zu einer bezahlbaren, ständigen Stromversorgung verwehrt wird."

    Dieses Schreiben nannte auch ein Nutzer auf BR24-Facebook in einem Kommentar und kritisierte, dass der BR nicht darüber berichtet habe. Der #Faktenfuchs hat sich nun das Schreiben genauer angesehen.

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    User-Kommentar auf Facebook

    Klimaexperten überzeugt vom Einfluss des CO2 auf Klimawandel

    Inzwischen sind 99 Prozent der Experten vom menschengemachten Klimawandel überzeugt, wie die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage kürzlich mitteilte. Sie stützt sich dabei auf aktuelle wissenschaftliche Studien. Die Anfrage hatte übrigens der AfD-Bundestagsabgeordnete Karsten Hilse gestellt, der auch den offenen Brief in einer Bundestagsrede erwähnte.

    Das Schreiben leugnet nicht, dass der Mensch Einfluss aufs Klima hat. Aber es behauptet unter anderem, die Klimamodelle übertrieben "höchstwahrscheinlich die Wirkung von Treibhausgasen wie CO2", außerdem würde die Tatsache ignoriert, dass CO2 für die Atmosphäre von Vorteil sei.

    Fast die gesamte Klimaforschung sieht das anders. Der #Faktenfuchs hat die Rolle des Treibhausgases an anderer Stelle schon einmal ausführlich analysiert. Hier noch einmal kurz zusammengefasst: Tatsächlich macht CO2 nur einen sehr kleinen Anteil unserer Atmosphäre aus (etwa 0,04 Prozent), über seine Wirkung sagt das aber noch nichts. Denn es hat eine besondere Eigenschaft: Schon ein geringer Anteil von CO2 genügt, um die Atmosphäre zu erwärmen. Gäbe es gar kein CO2 in der Atmosphäre, wäre es auf der Erde bitterkalt. Das Klimasystem reagiert schon auf geringe Mengen des Treibhausgases sehr sensibel, deswegen ist in Sachen Erderwärmung vor allem interessant, wie sich die CO2-Konzentration verändert.

    Klimawandelmodelle beruhen auf Wahrscheinlichkeiten

    Die These des Schreibens, dass die - nicht genauer benannten - Klimamodelle Mängel aufwiesen, wird nicht belegt. Klimamodelle beruhen auf einem breiten wissenschaftlichen Konsens. Tatsächlich können die Forscher die Grenzen ihre Modelle sehr genau beschreiben. Deswegen rechnen sie mit vielen verschiedenen Modellen, bevor sie Aussagen zu Klimaprognosen machen. Und deswegen versieht der Weltklimarat solche Aussagen auch immer mit Wahrscheinlichkeiten.

    Die Forscher sind sich 95 bis 100 Prozent sicher, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Das ist kein Ausdruck von Unsicherheit, sondern von Transparenz. Dass die Erderwärmung stattfindet, zeigen diverse voneinander unabhängige Messungen zahlreicher Forschungsteams weltweit, wie ein weiterer #Faktenfuchs erläutert. Außerdem gibt es Zusammenhänge zwischen dem Klimawandel und Extremwetterlagen.

    Klimaschutzpolitik als Verschwörungstheorie

    Mehrere der deutschen Unterzeichner des Offenen Briefes stehen in Verbindung mit dem Verein "EIKE" ("Europäisches Institut für Klima & Energie"), der sich kritisch mit der Energiewende befasst. Nach Ansicht der Organisation ist die internationale Klimawissenschaft "politisch und ideologisch instrumentalisiert". Ziel der nationalen Regierungen sei, eine "propagandistische Grundlage für einschneidende Änderungen ihrer Energie- und Fiskalpolitik zu liefern". Damit würden demokratische Freiheiten massiv eingeschränkt. Mindestens fünf der 13 deutschen Unterzeichner stehen in Verbindung mit EIKE.

    Unterzeichnende aus anderen Fachbereichen

    Einer der Unterzeichner ist zum Beispiel Fritz Vahrenholt: Der ehemalige Hamburger Umweltsenator (SPD) und promovierte Chemiker war unter anderem für Shell, Thyssenkrupp und RWE tätig. Er tritt zudem als Gastautor des rechtspopulistischen Blogs "Achse des Guten" in Erscheinung. Mit Klaus-Dieter Döhler findet sich ein promovierter Pharmawissenschaftler unter den Unterzeichnern und mit Lothar W. Meyer ein Professor für Werkstoffmechanik im Ruhestand.

    Fazit: Dass der gegenwärtige Klimawandel überwiegend vom Menschen verursacht wird, gilt weiterhin als wissenschaftlicher Konsens, ebenso wie der Einfluss von CO2 auf den Klimawandel. Die deutschen Unterzeichner des Briefes gehören teilweise einem Verein an, der sich ideologisch am Klimaschutz abarbeitet.