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#Faktenfuchs: Kommt eine neue "Kleine Eiszeit"? | BR24

© picture alliance/Harald Schneider

Erwärmung oder Abkühlung? Wissenschaftlich ist das längst geklärt.

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#Faktenfuchs: Kommt eine neue "Kleine Eiszeit"?

Keine Erderwärmung, dafür eine bevorstehende "Kleine Eiszeit" – das soll die Kernaussage einer chinesischen Studie sein, die auch hierzulande User heranziehen, um den vom Menschen verursachten Klimawandel anzuzweifeln. Der #Faktenfuchs klärt auf.

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Immer wieder äußern BR24-User Zweifel daran, dass eine Erderwärmung im Gange ist oder wir Menschen einen Einfluss darauf haben. BR24-User Holger schreibt unter einem Bild von der schneebedeckten Zugspitze etwa, dass man sogar vor dem Beginn einer kleinen Eiszeit stehe. Warum selbst dieses Szenario kaum Auswirkungen auf die Erderwärmung hätte, steht weiter unten im Text.

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Kommentare von BR24-Usern

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Kommentar unter einem Post von Markus Söder

User Dennis schreibt, "Hochs" und "Tiefs" beim Klima seien ganz normal und nicht bedingt durch menschlichen Einfluss. Immer wieder werden dazu unterschiedliche Studien als vermeintliche Belege herangezogen.

Chinesische Studie sagt angebliche Kleine Eiszeit voraus

Zuletzt: Ein chinesisches Forschungsteam hat offenbar jahrelang in einer nördlichen Region Chinas geforscht und einen angeblichen immer wiederkehrenden Zyklus entdeckt, nachdem dort etwa alle 500 Jahre eine sogenannte Kleine Eiszeit eintrete. Die nächste könne jederzeit beginnen. Außerdem hätte das Team bei seinen Forschungen keinen Beleg für einen menschlichen Einfluss auf das Klima gefunden. Auf diese Studie bezieht sich wohl auch BR24-User Holger. Unter einem Beitrag auf der Facebook-Seite von Markus Söder verweist User Claus-Dieter noch konkreter auf sie.

Das steht wirklich in der Studie

Die Ergebnisse der Studie werden in den Kommentaren allerdings stark verkürzt dargestellt. So gelten sie zunächst einmal nur für diese Region im Norden Chinas, nicht für das weltweite Klima. Prof. Dr. Georg Feulner, Klimaforscher des Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat sich die Studie für den Faktenfuchs angeschaut. Seine Einschätzung: "In der Studie ist eher von regionalen Phänomenen die Rede, die Aussagen über globale Veränderungen werden durch die gefundenen Ergebnisse nicht gestützt."

Und laut Martin Claußen, Klimaforscher am Max-Planck-Institut für Meteorologie, lassen sich anhand der Ergebnisse der Studie ohnehin keinerlei Aussagen für die Zukunft treffen, sie schaue nur in die Vergangenheit. Zudem untersuche sie nur einzelne Faktoren des Klimas. Den Einfluss des Menschen zum Beispiel lasse sie in der Untersuchung einfach außen vor.

Erderwärmung wird in keiner Weise in Frage gestellt

In der Studie heißt es, dass auch in der Forschungsregion insgesamt die Winter wärmer geworden seien. Die Erderwärmung stellt sie somit gar nicht in Frage. Und obwohl sie angibt, keinen Beleg für einen menschlichen Einfluss auf das Klima zu sehen, verweist der Leiter der Studie explizit darauf, dass sich die Menschen deshalb nicht zurücklehnen dürften.

Mensch als Hauptverursacher der Erderwärmung ist in der Wissenschaft Konsens

In dem Facebook-Kommentar heißt es, generell sähe nur eine Minderheit von Wissenschaftlern einen signifikanten Einfluss des Menschen auf die Erderwärmung. Das ist falsch, das hat der Faktenfuchs schon mehrfach widerlegt. Rund 97 Prozent der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit sehen nach ihren Forschungen den Menschen als Hauptverursacher für den Klimawandel. Es gibt einen wissenschaftlichen Konsens darüber. Dass die Erderwärmung stattfindet, zeigen diverse voneinander unabhängige Messungen zahlreicher Forschungsteams weltweit. In seinem neuesten Bericht schreibt der Weltklimarat (IPCC), menschliche Aktivitäten hätten bislang etwa einen Grad des globalen Temperaturanstiegs verursacht, im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter.

Kleine Eiszeit kommt gegen Erderwärmung nicht an

Trotzdem halten sich Thesen von einer neuen bevorstehenden Eiszeit seit Jahren. Klimaforscher Feulner vom PIK sieht den Grund dafür in Berichten über eine sich abschwächende Sonnenaktivität, für die es tatsächlich Anzeichen gibt. Aber: Selbst, wenn die Sonnenaktivität ein sogenanntes Minimum erreichen sollte, würde sie die globale Temperatur laut PIK nur um 0,1 bis 0,3 Grad Celsius senken, und das auch nur vorübergehend. Das zeigt eine Studie des PIK. Den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur durch die vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen würde das nur minimal verlangsamen.

Klimaforscher Claußen vom Max-Planck-Institut bestätigt: "Dagegen käme eine Kleine Eiszeit nicht an." Deshalb ist dieses theoretische Szenario aus Sicht der Klimaforscher in der Gesamtbetrachtung des Klimawandels vernachlässigbar.

Wechselnde Sonnenaktivität kein alleiniger Faktor für mögliche Eiszeit

Ein weiterer Beleg dafür ist die "Kleine Eiszeit", die es im 16. und 17. Jahrhundert gegeben haben soll. Forschungsarbeiten dazu zeigen laut Experte Feulner, dass die globale Temperatur während dieser Zeit nur einige Zehntel Grad niedriger war. Zudem sei dieses kühlere Klima regional und saisonal unterschiedlich stark ausgeprägt gewesen. Die Kleine Eiszeit damals sei auch nur teilweise durch niedrigere Sonnenaktivität ausgelöst geworden – mehrere starke Vulkanausbrüche hintereinander hätten viel stärker zu der damaligen Abkühlung beigetragen.

Fazit

Es ist nicht hundertprozentig auszuschließen, dass eine Abkühlung in manchen Regionen der Erde vorübergehend auftritt. Allerdings: Auf die globale Durchschnittstemperatur hat das keinen großen Einfluss, diese steigt, ausgelöst hauptsächlich durch von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen.