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Der April weiß inzwischen, was er will | BR24

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Die Trockenheit im Frühlingsmonat April hat den Landwirten in den letzten Jahren viele Sorgen bereitet.

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    Der April weiß inzwischen, was er will

    In den Jahren von 2007 bis 2020 war der April ungewöhnlich warm und ungewöhnlich trocken. Ist das der Abschied vom launischen April? Und wie bestimmt dieser Frühlingsmonat das Wetter im darauffolgenden Sommer?

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    Von
    • Franziska Konitzer

    Wie wird das Wetter im April? Wie es in diesem April, der just begonnen hat, wohl werden wird, kann derzeit noch niemand sagen. Der März hat allerdings schon einmal ordentlich vorgelegt: So warm wie am letzten Märztag war es in Bayern noch nie im März gewesen. Während wir also nur abwarten können, ob uns auch in dieser Hinsicht ein Rekordmonat April bevorsteht oder nicht, kann man sich mit den Aprilmonaten der vergangenen Jahre beschäftigen und sich einen Fachartikel genauer ansehen, den Wissenschaftler um Monica Ionita-Scholz vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven Ende 2020 im Fachmagazin "npj Climate and Atmospheric Science" veröffentlicht haben.

    In diesem Fachartikel zeigten die Forscher nicht nur, dass der April in den letzten Jahren alles andere als launisch war, sondern dass er ganz klare Tendenzen hat erkennen lassen. Inzwischen weiß er also, was er will, sozusagen. Die Wissenschaftler haben die möglichen Zusammenhänge erforscht, warum das so ist. Und schließlich konnten die Forscher somit einen Zusammenhang zwischen dem gar nicht mehr so launischen April und den Sommern voller Dürre herstellen, unter denen vor allem Deutschland in den letzten Jahren immer wieder gelitten hat.

    Rein klimatisch betrachtet ist der April ein besonderer Monat

    Für ihre Studie benutzten die Forscher Klimamodellierungen, statistische Verfahren und Klimadaten der vergangenen 140 Jahre. So fanden sie heraus, dass gerade der Monat April sich in den letzten Jahren deutlich verändert hat, was seine Temperaturen und seine Niederschläge angeht. Er war in den Jahren 2007 bis 2020 durchschnittlich um drei Grad Celsius wärmer als der Vergleichszeitraum von 1961 bis 1999. Darüber hinaus halbierte sich in diesem Zeitraum in den meisten Regionen Mitteleuropas die Niederschlagsmenge gegenüber dem Vergleichszeitraum.

    Das Kuriose dabei ist, dass die Forscher für die Monate März und Mai keine vergleichbaren deutlichen Tendenzen herausfinden konnten. Der April scheint also irgendwie besonders zu sein. Nur warum?

    Ein ungewöhnlich warmer und trockener April - jahrelang

    Die Analyse der Forscher zeigte, dass ein blockierendes Hochdrucksystem in diesen Zeiträumen bis zu zwei Wochen lang für sonniges und trockenes Wetter sorgte. Hochdruckgebiet, Sonne, kein Regen – das klingt zwar erst einmal gut, zumindest für im April frühsommerlich gelaunte Menschen. Aber zu wenig Regen ist gerade für die Böden im April nicht gut. Und ist der April sehr warm, so wie diese in den letzten Jahren der Fall war, verdunstet der im Winter gefallene Schnee quasi direkt vom Boden weg, statt in ihn zu versickern und für einen Nachschub an Feuchtigkeit zu sorgen. Als Ergebnis wiesen die Böden in Deutschland daher bereits im April ein deutliches Feuchtedefizit auf.

    Frühlingsmonat April: Das Hochdrucksystem und der Jetstream

    Das blockierende Hochdrucksystem über der Nordsee und in Teilen Norddeutschlands ist das eine. Es lenkt den Jetstream Richtung Norden ab. Ein weiterer Faktor ist der Jetstream selbst, beziehungsweise seine Verlangsamung. Beim Jetstream handelt es sich um das Starkwindband, das die Erde zwischen dem 40. und 60. Breitengrad umströmt, mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 500 Kilometern pro Stunde. Der Jetstream sorgt in unseren Breitengraden somit für einen Wechsel zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten. Wird der Jetstream verlangsamt, können Hoch- oder Tiefdruckgebiete über längere Zeiträume, sogar über Wochen, unbewegt über Deutschland verharren – wie eben das blockierende Hochdrucksystem.

    Aber warum wird der Jetstream eigentlich langsamer? Das liegt daran, dass er zunehmend ins Stocken gerät. Aufgrund des Klimawandels erwärmen sich die Polkappen stärker als die Tropen am Äquator. Deshalb muss der Jetstream kein so großes Temperaturgefälle wie ehemals ausgleichen. Dies könnte dafür sorgen, dass er langsamer wird.

    Extremwetter: Dürre im April – und auch im Sommer?

    Die Ergebnisse der Forscher deuten auch darauf hin, dass die Dürresommer, unter denen Deutschland in den letzten Jahren gelitten hat, im Monat April quasi programmiert wurden. Einerseits fiel im April selbst sehr wenig Regen. Andererseits war es so warm, dass das verfügbare Wasser verdunstet, bevor es in den Böden versickern kann. Demnach wäre der Wassermangel in den Böden bereits im Frühling so hoch, dass er bis zum Sommer nicht mehr ausgeglichen werden kann. Zwar gab es bereits Ende des 19. Jahrhunderts einen Zeitraum von mehreren Jahren, in denen der April außergewöhnlich niederschlagsarm war. Allerdings war es damals im Durchschnitt noch nicht so warm, deshalb ist nicht so viel Wasser verdunstet.

    Nun hat dieser April gerade erst begonnen und vorbei ist er noch lange nicht. Allerdings stellten die Forscher fest, dass die Entstehung des Hochdruckgebiets im April umso wahrscheinlicher ist, je höher die globale Durchschnittstemperatur ist. Je weiter sich die Erde erwärmt, mit desto höherer Wahrscheinlichkeit würde der April demnach künftig noch wärmer und trockener ausfallen als vor zwanzig Jahren – als er noch nicht so recht wusste, was er wollte.

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