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In Deutschland gab es laut RKI 636 Corona-Ausbrüche an Schulen in den vergangenen vier Wochen.

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    RKI: Teils hohe Corona-Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen

    In einigen bayerischen Regionen liegt die 7-Tage-Inzidenz bei 10- bis 19-Jährigen laut Robert Koch-Institut bei über 500. Zudem werden immer mehr Ausbrüche in Schulen und Kitas gemeldet. Kinderärzte rechnen in Kürze mit einem Impfstoff für Kinder.

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    Das Robert Koch-Institut (RKI) registriert in einzelnen Regionen Deutschlands besonders viele Corona-Ansteckungen bei Kindern und Jugendlichen. Am Donnerstagabend berichtete das RKI von acht Landkreisen, in denen die Wocheninzidenz bei den 10- bis 19-Jährigen über 500 liegt. Darunter sind auch die bayerischen Landkreise Berchtesgadener Land, Traunstein und Straubing-Bogen.

    636 Schulausbrüche in den vergangenen vier Wochen

    Bundesweit sei die Sieben-Tage-Inzidenz vergangene Woche in den Altersgruppen unter 20 Jahren allerdings im Vergleich zur Woche zuvor leicht gesunken, hieß es zusammenfassend im RKI-Wochenbericht. Sorgen machten aber die Ausbrüche an Schulen und Kitas. 636 Schulausbrüche wurden laut RKI in den vergangenen vier Wochen übermittelt - wegen möglicher Nachmeldungen seien insbesondere die vergangenen zwei Wochen aber noch nicht zu bewerten.

    Außerdem wurden in diesem Zeitraum 188 Kita-Ausbrüche gemeldet. Der weitere Verlauf des Infektionsgeschehens in Kitas könne allerdings ebenfalls wegen noch eingehender Nachmeldungen nicht gut bewertet werden. Im September 2021 waren in Kita-Ausbrüchen mit durchschnittlich fünf Fällen pro Ausbruch etwa ähnlich viele Personen involviert wie in Schulausbrüchen. Es wurden in beiden Settings vereinzelt aber auch größere Ausbrüche mit mehr als zehn Fällen pro Ausbruch registriert.

    Corona ist längst eine Pandemie der Jüngeren

    Mit dem erneuten deutlichen Anstieg der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz etwa Ende Juli zeigte sich eine weitere Verlagerung der Infektionen in jüngere Altersgruppen. Der Altersmedian aller Fälle pro Meldewoche ist laut RKI seit Jahresbeginn von damals 49 Jahre kontinuierlich gesunken und lag in den Sommerwochen bei 27 Jahren. Seit September stieg der Altersmedian wieder leicht an und liegt derzeit bei 32 Jahren.

    Grafik: So hoch ist die Inzidenz nach Altersgruppen

    Münchner Intensivmediziner sieht Lage nicht allzu dramatisch

    Bereits seit einiger Zeit werden zahlreiche Corona-Infektionen insbesondere bei Kindern ab dem Schulalter und bei Jugendlichen festgestellt. Florian Hoffmann ist Oberarzt für Intensiv- und Notfallmedizin am Haunerschen Kinderspital in München. Ihn überrascht der Anstieg der Inzidenz bei Jugendlichen nicht: "Der Anstieg der Zahlen liegt daran, dass Kinder wieder am Sozialleben teilnehmen, sich treffen, und da die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Virus überträgt, deutlich höher ist."

    Der Intensivmediziner gibt jedoch auch eine relative Entwarnung: "Das Gute ist aber, dass wir weiterhin keinen Hinweis haben, dass Kinder im Verlauf schwerer davon betroffen sind. Die meisten Infektionen verlaufen asymptomatisch bis weniger symptomatisch."

    Wo genau die Ansteckungen der Kinder und Jugendlichen stattgefunden haben, könne man jedoch nicht genau sagen, erklärt Tobias Welck, Pressesprecher des Landratsamts Straubing. Nur weil jemand Schüler ist, heiße das nicht, dass er sich auch in der Schule angesteckt hat. Das könne auch beim Fußball, beim Handball und beim Weggehen passiert sein.

    Nur ein Prozent der Schüler betroffen

    Der Leiter vom Gesundheitsamt Traunstein Wolfang Krämer meint dazu: "Wenn wir das auf die Gesamtzahl der Schüler runterrechnen, die wir beschulen, dann ist das unter einem Prozent, das betroffen ist. Das heißt 99 Prozent der Schüler sind nicht betroffen, bei diesem engen Testregime."

    Lauterbach wirbt eindringlich für Schutz der Kinder

    Dennoch: Kinder und Jugendliche erkranken zwar deutlich seltener schwer an Covid-19 als ältere Menschen, es gibt aber noch offene Fragen rund um Langzeitfolgen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach machte auf Twitter auf mögliche neurologische Auffälligkeiten aufmerksam: "In Israel wurden Eltern von Covid-Kindern befragt. Sechs Monate nach Infekt hatten je nach Alter noch elf Prozent Symptome." Bei Kindern treffe das Virus auf wachsende Zellen im Gehirn. "Wenn Kinder nach Covid nicht riechen oder schmecken ist das Gehirn betroffen. Will man das? Wer von den Verharmlosern kann garantieren, dass diese Kinder nicht in 5 Jahren neurologische Auffälligkeiten haben?", fragte Lauterbach.

    Lehrerverband kritisiert Wegfall der Maskenpflicht

    Auch Lehrer sind aufgrund der Entwicklung alarmiert. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, hält den Wegfall der Maskenpflicht im Unterricht an Schulen für zu früh und zu gefährlich. Meidinger sagte dem BR: "Wir stehen erst am Anfang der vierten Welle. Da jetzt auf die einzige Maßnahme zu verzichten, die wir an Schulen haben, die Maskenpflicht, ist ein großes Risiko." Bei den vermehrten Infektionsausbrüchen an Schulen sei klar: "Diese Infektionen wurden im Umfeld der Schule – im Schulbus oder im Klassenzimmer – weitergegeben und kommen nicht von Erwachsenen."

    Meidinger setzt sich weiterhin für eine Maskenpflicht an Schulen ein, damit diese offenbleiben können. Eine einheitliche Regelung oder Kriterien dazu gibt es nicht, bundesweit herrscht ein Flickenteppich: So gilt in Bayern keine Maskenpflicht mehr im Unterricht, Nordrhein-Westfalen will die Maskenpflicht nach den Herbstferien abschaffen und Mecklenburg-Vorpommern hat die Maskenpflicht vor kurzem wieder eingeführt. "Es wird der Zeitpunkt kommen, wo Jugendliche und Kinder geimpft sind. Bis dahin ist es zu gefährlich", so Meidinger.

    Kinderärzte rechnen bald mit Impfstoff für unter Zwölfjährige

    Experten zufolge ist dieser Zeitpunkt nicht mehr allzu fern. Derzeit sind die Covid-19-Impfstoffe ab zwölf Jahren zugelassen. Die Impfquote bei 12- bis 17-Jährigen ist noch wesentlich niedriger als bei Erwachsenen. Doch Kinder- und Jugendmediziner rechnen zeitnah mit einem Corona-Impfstoff auch für unter Zwölfjährige. Eine Zulassung werde noch für dieses Jahr erwartet, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Jörg Dötsch, der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Wahrscheinlich werde die Ständige Impfkommission (Stiko) den Impfstoff aber nicht gleich uneingeschränkt empfehlen, sondern zunächst nur für Risikopatienten.

    Als Beispiel nannte Dötsch Kinder mit schweren chronischen Erkrankungen. Eine solche eingeschränkte Zulassung wäre "eine sehr gute und wichtige Verbesserung für die betroffenen Kinder und deren Familien", sagte der Direktor der Kinderklinik an der Uni-Klinik Köln.

    "Für jede Familie ist der schwere Verlauf eine Katastrophe"

    Der Kinder-Intensivmediziner Florian Hoffmann hat selbst schon einige Kinder auf seiner Station behandelt. Er schaut fast täglich auf das DIVI-Intensivregister, das die aktuellen Intensivbetten-Belegungen zusammenfasst: "Zum heutigen Tag sind es deutschlandweit sechs Kinder, von welchen drei beatmet sind und weitere drei werden intensivmedizinisch beobachtet.“

    In Bayern ist es laut Register derzeit eine unter-18-jährige Person, die mit einer Corona-Erkrankung auf der Intensivstation ist. "Für jedes Kind und jede Familie die dahinter steht, ist das, wenn das eigene Kind trifft, eine Katastrophe. Deswegen muss es natürlich weiterhin das Ziel sein, die Zahlen so gering wie möglich zu halten." Dies könne nur weiterhin mit vermehrtem Testen und einer fortschreitenden Impfkampagne funktionieren.

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