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Kinder sollen raus in die Natur - sollen den Wald kennenlernen. Deshalb gibt es ein Pilotprojekt im Raum Passau: WoidKinderZeit. Grundschulkinder lernen an sechs Schultagen den Wald spielerisch kennen.

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"WoidKinderZeit" – Wie Salzweger Kinder den Wald kennenlernen

Kinder wissen immer weniger über die Natur. Der Lebensraum Wald ist vielen völlig fremd. Dabei brauchen Kinder die Natur für ihre Entwicklung, insbesondere in Zeiten von Corona und Digitalisierung. Das Projekt "WoidKinderZeit" soll helfen.

Von
Martin  GruberMartin GruberBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Unsere Kinder gehören mehr zur "Indoor-Gesellschaft", stellt Naturcoach Heidi Heigl fest. Kaum noch verbringen sie Zeit in freier Natur, Pflanzen und Tiere kennen sie - wenn überhaupt - nur noch aus Schulbüchern. "WoidKinderZeit" holt die Kinder aus der digitalen in die reale Welt. Auch Schüler und Schülerinnen aus Ostbayern sind dabei. Zum Beispiel die 4a der Grundschule Salzweg im Landkreis Passau.

Wald als Klassenzimmer

Ein Mischwald am Stadtrand von Passau ist das Klassenzimmer, Heidi Heigl übernimmt den Unterricht. An sechs aufeinander aufbauenden Vormittagen lernen die Buben und Mädchen die Natur kennen. Welche Tiere leben hier? Welche Düfte kann ich riechen? Wie unterscheidet sich die Fichte von der Tanne? Warum hat ein Specht nie Kopfweh? Spielerisch saugen die Kids viel Naturwissen auf, entdecken hautnah den Lebensraum Wald. Wichtig auch: die Bewegung. Die Schülerinnen und Schüler bauen Kugelbahnen aus Ästen, Steinen und Wurzeln oder klettern auch mal auf Bäume.

Natur-Defizit bei vielen Kindern

Viele Kinder haben ein "Natur-Defizit-Syndrom", leiden deshalb an Konzentrationsschwierigkeiten oder sind oft krank, weiß Heidi Heigl. Die "WoidKinderZeit" hilft. Heigl: "Ich hatte schon Drittklässler in der Gruppe, die waren noch nie in einem Wald. Oder Erstklässler, die ein Schaf nicht von einer Kuh unterscheiden können. Im Wald draußen sind die Kinder geborene Forscher und Entdecker. Die sind heilfroh, wenn sie mal raus dürfen in die Wildnis."

Unterstützung von Schulamt und Regierung

Werner Grabl, leitender Schulamtsdirektor in Passau, unterstützt das Projekt. Allerdings müsste auch die Lehrerschaft mitgenommen werden. In der Lehrerbildung müsse man massiv einsteigen. Das gehe schon los bei der Artenkenntnis, so Grabl. Mark Bauer-Oprée, bei der Regierung zuständig für Grund- und Mittelschulen: "Ich kann unsere Lehrer nur ermutigen, hier ihre Grenzen auszuschöpfen. Wir geben da nichts vor und wünschen uns, dass die Kinder mehr in der Natur sind."

Kinder sind begeistert

Inzwischen haben die Salzweger Kids ihre Kugelbahnen fertig gebaut. Test gelungen – der gelbe Filzball tanzt über Äste, Wurzeln und Steine. Einige Buben und Mädchen haben rote Backen und ziehen ihre Jacken aus, weil ihnen warm geworden ist. Lehrerin Michaela Bauer freut sich, dass ihre Schüler und Schülerinnen auch das soziale Miteinander lernen – und Spaß haben: "Schon nach dem ersten Wald-Tag haben sie gesagt: so schön war Schule noch nie!"

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