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Zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl liegt eines der größten Amphibienwanderungs-Gebiete Bayerns - doch der Verkehr auf der Alpenstraße gefährdet die rund 40.000 Kröten und Frösche. Dabei sollte schon vor Jahren ein Amphibientunnel gebaut werden...

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Todeszone B305: Mehr Schutz für Amphibien am Weitsee gefordert

Im Drei-Seen-Gebiet zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl liegt eines der bedeutendsten Amphibienwanderungsgebiete Bayerns. Eine Straßensperre nachts soll rund 40.000 Kröten und Frösche schützen. Doch Biologen sehen trotzdem die Population gefährdet.

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Von
  • Theresa Krinninger

Ab acht Uhr abends geht nichts mehr auf der Straße entlang der drei Seen zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl. Es sei denn, man nimmt einen weiten Umweg in Kauf. Für ein paar Wochen im Frühjahr dient die nächtliche Sperrung zum Schutz der Amphibienwanderung.

10.000 Amphibien auf zwei Kilometer

Doch laut der Amphibien-Expertin Ilse Englmaier ist das nicht genug Schutz. "Dass dieser bedeutende Amphibienübergang immer noch so ungeschützt ist, das ist ein Skandal", sagt sie. Sie hat bereits vor knapp zwanzig Jahren die Frösche, Kröten und Molche in einer aufwändigen Studie gezählt und kam dabei auf der zweikilometerlangen Hauptstrecke am Weitsee auf mehr als 10.000 Tiere. Insgesamt sei von 40.000 bis 50.000 Tieren in einem Abschnitt von rund zehn Kilometern auszugehen. Ein nächtliches Fahrverbot über wenige Wochen im Frühjahr reiche nicht aus, um die Population zu erhalten.

Pläne für Amphibientunnel vor Jahren verworfen

Das "konsequente Sperrmanagement" sei eine wirksame Lösung, heißt es dagegen aus dem Straßenbauamt in Traunstein. Doch was ist aus den geplanten Amphibiendurchlässen geworden? Vor elf Jahren war ein vier Kilometer langer Abschnitt mit Amphibiendurchlässen für rund sieben Millionen Euro geplant. Denn die Strecke entlang der drei Seen Lödensee, Mittersee und Weitsee sowie die entlang des Froschsees bei Inzell wurden in das Amphibienschutzprogramm des Bayerischen Innenministeriums aufgenommen, und es wurde eine Machbarkeitsstudie angefertigt, die den Schutz der Amphibien anhand der Durchlässe positiv bewertete. Ein zwei Kilometer langer untertunnelter Abschnitt am Weitsee würde nach Ansicht von Amphibien-Experten ausreichen, um den Großteil der Tiere zu retten.

Amphibientunnel ist zu teuer, zu aufwendig

Doch es gab damals wie heute Bedenken und nicht miteinander zu vereinbarende Interessen. "Die Baumaßnahme hätte einen erheblichen planerischen, baulichen und finanziellen Aufwand mit sich gebracht und würde einem Straßenneubau gleichkommen", sagt der Abteilungsleiter für Straßenbau Peter Maltan.

Angrenzende Gemeinden eher skeptisch

Die angrenzenden Gemeinden Ruhpolding und Reit im Winkl hatten damals gegen die Amphibientunnel gestimmt und auch heute ist der Bürgermeister von Reit im Winkl Matthias Schlechter skeptisch. "In der Abwägung zwischen einer temporären Straßensperrung und einer Baumaßnahme, die Reit im Winkl über Jahre abschneiden würde, spricht das meiste für die aktuelle Lösung." Seiner Ansicht nach sollte die Strecke noch konsequenter und über einen längeren Zeitraum gesperrt werden. Denn inzwischen hätten sich auch die Bewohner und Betriebe an die Sperrung gewöhnt.

Amphibien wandern nicht nur im Frühjahr

Nach Angaben des Straßenbauamts wurde die Strecke zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl 2019 an 23 Tagen gesperrt, 2020 an 26 Tagen. Die Frösche, Molche und Kröten sowie die geschlüpften Hüpferlinge wandern allerdings bis in den Sommer teils hin und her. Dagegen ist die Straße im Schnitt nur drei bis vier Wochen gesperrt.

Population schon bei geringen Verlusten gefährdet

Werden nur etwas mehr als zehn Prozent überfahren, ist Studien zufolge die ganze Population gefährdet. "Wenn diese Amphibien verschwinden, haben wir in dem Nahrungsnetz ein ganz großes Loch, und das gibt ein großes Problem, für viele Tierarten, die sich von Amphibien ernähren", sagt Beate Rutkowski vom Bund Naturschutz in Traunstein. Umweltorganisationen warnen schon lange davor: In Deutschland verlieren Amphibienarten immer mehr Lebensraum. Landwirtschaft, Siedlungs- und Straßenbau sind einige Faktoren. Nur fünf von den 19 in Bayern heimischen Amphibienarten gelten aktuell als ungefährdet.

Amphibientunnel: Bewährte Lösung in Oberbayern

In vielen wichtigen Laichgebieten in Oberbayern haben sich die Amphibientunnel bewährt. Zum Beispiel am Kochelsee oder am Stallauer Weiher im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Friedl Krönauer vom örtlichen Bund Naturschutz hat den Prozess begleitet. "Wir sehen, dass die Laichgewässer besetzt sind und dass dort, wo die Tunnellösung etwa am Kochelsee gebaut wurde, so gut wie keine Tiere mehr überfahren werden."

Die Amphibienschützerinnen wollen auch im Drei-Seen-Gebiet und besonders am Weitsee nicht aufgeben. Und so ist das Thema Amphibienschutz zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl noch lange nicht vom Tisch.

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