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Kindesmissbrauch (Symbolbild)

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    Studie bestätigt sexuellen Missbrauch in Feldafinger Kinderheim

    Schweren sexuellen Missbrauch und Kinderprostitution durch Nonnen und Erzieher - diese schweren Vorwürfe hatten ehemalige Heimkinder auch eines Heims in Feldafing erhoben. Eine Studie hat diese Anschuldigungen nun bestätigt.

    Von
    Gabriele KnetschGabriele KnetschBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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    Ehemalige Heimkinder aus zwei früheren oberbayerischen Heimen hatten dem Bayerischen Rundfunk von sexuellem Missbrauch durch Erzieher und Nonnen berichtet. Sogar von Zuhälterei ist die Rede. Die Kinder sollen Geistlichen und Externen gegen Geld überlassen worden sein. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern will nun klären, was an diesen Vorwürfen speziell an ihrem Heim in Feldafing dran ist.

    Sexueller Missbrauch in "schwerer Form"

    "Die Vorstudie bestätigt die bisherigen Erkenntnisse aus Berichten von Betroffenen und Medienberichten zu Missbrauchsfällen im ehemaligen Kinderheim 'Haus Maffei' in Feldafing“, heißt es in dem Bericht. Bestätigt werden "sexueller Missbrauch seitens des Heimpersonals, wie auch, in schwerer Form, seitens des benachbarten Gemeindepfarrers". Auch nennt die Studie Missbrauch der Kinder während Ferienaufenthalten im Hänsel-und-Gretel-Heim Oberammergau und im Kloster Ettal.

    Heime waren laut Studie "grundrechtsfreie Räume"

    Mehrfach hatte der BR hat über die Aussagen ehemaliger Heimkinder aus Feldafing berichtet, sie seien weitergereicht worden an Geistliche rund um den Starnberger See, aber auch an Angehörige des Klosters Ettal. Im Fokus der Vorwürfe steht neben der "Villa Maffei" in Feldafing in Trägerschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbands auch das Hänsel-und-Gretel-Heim in Oberammergau - das Personal stellte damals der Orden der Niederbronner Schwestern. Beide Heime unterstanden damals der Kontrolle des Münchner Stadtjugendamtes. In der jetzigen Vorstudie geht es nur um die Vorwürfe gegen das Feldafinger Heim.

    Gab es ein "Missbrauchs-Netzwerk"?

    Die Autorin der Vorstudie, Annette Eberle, folgt der These eines Täter-Netzwerks nicht. Sie sagt, "dass die These des Netzwerks bislang auf keinen faktischen Belegen" beruhe. Dabei kritisiert sie, dass sich diese These lediglich auf Aussagen der Betroffenen stütze und verweist auf den "missbräuchlichen Umgang von Zeugenschaft". Eberle ist Professorin für Pädagogik und Soziale Arbeit an der Katholischen Stiftungshochschule in Benediktbeuern. Die Erfahrungsberichte der Feldafinger Heimkinder stellt die Studie jedoch nicht in Frage. Die Privatforscher Vladimir Kadavy und Jörg Jaegers halten hingegen an der Netzwerk-These fest, die Aussagen der Geschädigten seien zuverlässig. Von einem "Missbrauch von Zeugenschaft" könne keine Rede sein.

    Weitere Aufarbeitung nötig

    "Wir ziehen daraus den Schluss, dass wir dem Netzwerk-Vorwurf in der Hauptstudie nachgehen wollen und müssen", sagt die Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Bayern, Margit Berndl. Der Träger des früheren Heims will der Frage, ob und wie sich Heimpersonal, geistliche Missbrauchstäter und die zuständigen Institutionen vernetzt haben, "im Verbund mit anderen Institutionen" aufklären.

    Weitere Fragen zur Verantwortung der Stadt München

    Forscherin Annette Eberle macht beispielsweise auch das Münchner Stadtjugendamt verantwortlich, weil sie Belege gefunden habe, die zeigten, dass das Amt die Aufsichtspflicht für die Kinder verletzt und Beschwerden konsequent ignoriert habe. Die Stadt München hat vor Kurzem ebenfalls eine Aufarbeitungskommission ins Leben gerufen, die unter anderem auch den Auftrag hat, der Netzwerk-These nachzugehen.

    Zeitnahe Entschädigung der Betroffenen

    Verbandschefin Margit Berndl äußert sich schockiert, dass es in einer Einrichtung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zu solch schwerem Missbrauch und zu massiver Gewalt gegen Kinder gekommen sei, ohne dass die Vorfälle nach draußen dringen konnten. Es gehe auch darum, die Strukturen zu untersuchen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern will Feldafinger Betroffene nach Aussage von Margit Berndl möglichst zeitnah entschädigen.

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