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Symbolbild: Kind presst die Hände gegen eine Glasscheibe

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    Ehemalige Heimkinder - vergewaltigt und weitergereicht?

    In der Kontrovers-Story erzählen einstige Heimkinder offen von sexuellem Missbrauch, Vergewaltigung und Misshandlung. Unvorstellbares Leid, das ihnen vor Jahrzehnten angetan worden sei - vor allem durch Priester und Nonnen.

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    Von
    • Sebastian Kemnitzer
    • Gabriele Knetsch

    Als Kind ist Robert Waldheim durch die Hölle gegangen, sagt er. Der Mann heißt eigentlich anders, sein Name wurde zu seinem Schutz geändert. Einst führte er erfolgreich eine Autowerkstatt mit über 60 Mitarbeitern. Bis vor ein paar Jahren seine Erinnerungen zurückkamen. Die Erinnerungen an seine Zeit in der Villa Maffei in Feldafing, einem Kinderheim in Trägerschaft des Paritätischen Wohlfahrtverbandes.

    Mehrere Wochen im Keller

    Er äußert schwere Vorwürfe gegen Heimpersonal und Geistliche.

    "Also die beiden Heimleiterinnen waren die schlimmsten. Die haben uns manchmal wöchentlich in den Keller gesperrt. Damit wir auch verfügbar sind für andere Leute, die uns sexuell an die Wäsche gegangen sind. Dazu hat auch der Dorfpfarrer gehört." Robert Waldheim, ehemaliges Heimkind

    Er sei an verschiedene Orte und an verschiedene Personen verteilt worden. Immer wieder sei er missbraucht und vergewaltigt worden.

    So zum Beispiel nach der Einweihung der Heilig-Kreuz-Kirche in Feldafing 1965, als er und weitere Kinder Pfarrern rund um den Starnberger See mitgegeben worden seien.

    Im Video: Missbrauch durch Nonnen und Priester? Ehemalige Heimkinder erzählen - die Kontrovers-Story

    Rückkehr nach Feldafing

    Gemeinsam mit zwei Leidensgenossen und seinem Therapeuten Jörg Jaegers ist Robert Waldheim nun nach Feldafing zurückgekehrt, um noch einmal die alte Kirche im Ortskern zu betreten. Es sei "die Hölle" gewesen, ruft er, als er die Kirche betritt. Vor allem an die Sakristei hat Robert Waldheim schlimme Erinnerungen. Vielfach sei er dort missbraucht worden, mehrere Personen seien beteiligt gewesen. Als Haupttäter benennt er den Gemeindepfarrer.

    Entschädigung für die Opfer

    Das Bistum Augsburg hat den Fall von Robert Waldheim geprüft und ihm Geldzahlungen in "Anerkennung des Leids" zukommen lassen. Der zuständige Träger des damaligen Heims, der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern, will im Herbst eine wissenschaftliche Aufarbeitungskommission einsetzen.

    "Wir halten die Berichte für glaubwürdig, und haben uns sofort entschieden, einen Aufarbeitungsprozess auf den Weg zu bringen." Margit Berndl, Paritätischer Wohlfahrtsverband Bayern

    Mehrere ehemalige Heimkinder berichten über Leid

    Reporter des BR-Politikmagazins Kontrovers haben mit mehreren ehemaligen Heimkindern gesprochen, denen Ähnliches widerfahren ist. Sie erzählen, sie wurden in ihren Heimen oft schwer misshandelt und sexuell missbraucht. Die mutmaßlichen Täter, oft Nonnen und Priester, sind in den meisten Fällen verstorben, die Taten sind fast immer verjährt.

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