Windräder auf einer freien Fläche.
Bildrechte: BR/ Daniela Olivares

Windenergie soll wieder mehr Schwung bekommen.

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Mehr Windkraft in der Region Ingolstadt: Wenig Spielraum

Bayern muss bis 2027 über ein Prozent der Landesfläche für Windkraft ausweisen. Bis Ende 2032 sollen es deutlich mehr Flächen werden. Der Planungsverband Ingolstadt hat diese "Hausaufgaben" noch nicht erledigt, denn die Probleme sind vielfältig.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Anfang des Jahres trat das Wind-an-Land-Gesetz in Kraft. Daraus ergibt sich eine Quotenregelung für jedes Bundesland. Sie legt fest, wie viel Prozent der Landesfläche für Windkraft ausgewiesen werden müssen. Für Bayern heißt das: 1,1 Prozent der Landesfläche bis 2027 und 1,8 Prozent der Fläche bis Ende 2032. Die Flächen dafür müssen die regionalen Planungsverbände ausweisen. In den Planungsverbänden sitzen Vertreter der Kommunen, der Landkreise und der Bezirksregierungen. Der Planungsverband Ingolstadt tut sich schwer damit Flächen auszuweisen. Bisher hat der Verband noch gar keine Flächen ausgewiesen. Zum Verband gehören die Stadt Ingolstadt sowie die Landkreise Pfaffenhofen, Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen. Nahezu überall gibt es Schwierigkeiten.

Aktuell knapp 70 Windräder in der Region

Dass der Verband noch keine Flächen ausgewiesen hat, heißt nicht, dass bislang nichts passiert ist. Derzeit gibt es 67 Windräder in der Region. Die allermeisten, nämlich 49 davon, befinden sich im Landkreis Eichstätt, 14 im Landkreis Pfaffenhofen und vier im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. 25 Anträge für weitere Anlagen befinden sich derzeit im Genehmigungsverfahren, wie der Planungsverband mitteilt. Um die Flächen auszuweisen, müssen die Verantwortlichen rund 6000 Hektar Fläche für Windräder finden.

Bundeswehr legt Veto ein

Doch der Ausbau der Windkraft trifft in der Region Ingolstadt gleich auf mehrere Hürden. Die größten bilden die beiden hier ansässigen Flugplätze, konkret der Nato-Flugplatz in Neuburg-Zell und der Flugplatz Manching (Landkreis Pfaffenhofen), der vor allem militärisch genutzt wird, aber auch zivile Flüge durchführt. Im Umkreis dieser beiden Flugplätze sind Windkraftanlagen schwer zu realisieren. Das hat die Stadt Neuburg bereits mehrfach erfahren.

Ein klassisches Beispiel ist Hainberg, ein Waldstück auf Stadtgebiet. Geplant sind hier vier Windräder. Der Standort ist mit rund 550 Meter die höchste Erhebung im gesamten Landkreis. Die nächste Wohnsiedlung liegt zwei Kilometer entfernt. Die Distanz zum Nato-Flughafen in Neuburg-Zell beträgt etwa zehn Kilometer. Nach Meinung von Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) wäre das ein idealer Standort. Doch: Die Stadt scheitert zum wiederholten Mal. Vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr heißt es dazu: "Im Zuständigkeitsbereich militärischer Flugplätze sind verschiedene luftfahrtrechtliche Belange, wie beispielsweise An- und Abflugverfahren nach Sicht- und Instrumentenflugregeln oder die Auswirkungen auf Flugsicherungsradare, zu prüfen." Der Unterschied zum zivilen Luftverkehr liege darin, dass sich der militärisch genutzte Luftraum regelmäßig unterhalb des zivil genutzten Luftraums befinde und Sicherheitsabstände zu den geplanten Windenergieanlagen einzuhalten seien.

Oberbürgermeister kann Veto nicht ganz nachvollziehen

Die Bundeswehr unterstütze die klimapolitischen Ziele der Bundesregierung aktiv und ermögliche den Ausbau erneuerbarer Energien durch Windenergieanlagen, sofern diesen keine militärischen oder sicherheitsrelevanten Belange entgegenstehen, heißt es in der Stellungnahme. Im Jahr 2022 betrug die Zustimmungsquote der Bundeswehr bei Windkraft 95 Prozent, die Tendenz sei steigend, so ein Sprecher. OB Gmehling hat Verständnis für Sicherheitskriterien, aber ganz nachvollziehen könne er die Absage nicht: "Wir sind über zehn Kilometer von der Landebahn des Nato-Flugplatzes entfernt."

Weitere Schwierigkeiten in der Region: Ingolstadt ist dicht besiedelt und durch die Lage wenig geeignet für Windkraft. Relativ viele Möglichkeiten bietet der Landkreis Eichstätt. Dennoch: Die Quote zu erfüllen, wird knapp.

Ergebnis: Wenig Spielraum

Bei der Planungssitzung im März wird klar, dass es in der Region um Ingolstadt wenig Spielraum geben wird, was das Thema Windräder betrifft. Nach ersten Flächenanalysen würden zwischen zwei und maximal drei Prozent überhaupt als mögliche Suchgebiete für eine Ausweisung von Windenergiegebieten übrig bleiben, teilte ein Vertreter der Regierung von Oberbayern im Rahmen der Sitzung mit. Dabei fehlen allerdings noch die abschließenden Bewertungen vonseiten des Militärs und des Artenschutzes. Eine abschließende Beurteilung steht demnach noch aus. "Wir werden kein El Dorado der Windkraft werden, dafür gibt es andere", meint der Vorsitzende des Planungsausschuss, der Landrat von Neuburg Schrobenhausen, Peter von der Grün (FW).

Dennoch: Es sei möglich die Quote zu erfüllen - auch wenn es eng werde, so der Kommunalpolitiker. Man versuche, so viele Windräder wie möglich in der Region zu errichten. Ansonsten setze man vor allem auf andere erneuerbare Energien, meint der Landrat und verweist auf den größten Solarpark Süddeutschlands im Donaumoos im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Aber die Windkraft muss auch in der Region um Ingolstadt mehr Schwung aufnehmen - sollte alles klappen, will der Planungsverband im Juli die Flächen ausweisen. Und dann müssen irgendwann darauf die Windräder gebaut werden.

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