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Die Schlammlawine, die am Wochenende durch Schönau im Berchtesgadener Land gewälzt ist, war riesieg. Aus der Luft zeigt sich die Dimension der Verwüstung.

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Das Hochwasser fließt ab, der Schrecken bleibt noch

Der Schock sitzt noch tief: Im Berchtesgadener Land wird nach den zerstörerischen Fluten des Wochenendes aufgeräumt. Das an Hochwasser gewöhnte Niederbayern kam diesmal glimpflich davon.

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Von
  • BR24 Redaktion

Nach dem massiven Hochwasser am Wochenende im Berchtesgadener Land räumen Einheimische und Hilfskräfte die von den Fluten hinterlassenen Trümmer beiseite. Auch die Bundeswehr half mit rund 100 Kräften, Häuser und Straßen von Schlamm, Erde und Geröll zu befreien. Einsatzkräfte aus Nordbayern, etwa vom Technischen Hilfswerk und vom Roten Kreuz, wurden dagegen in die Katastrophengebiete in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen entsandt.

Nach heftigen Unwettern mit Starkregen waren manche Orte in der beliebten Urlaubsregion rund um Watzmann und Königssee von Wasserfluten und Erdrutschen regelrecht verwüstet worden. Allerdings war es gelungen, die Schäden etwa an der öffentlichen Infrastruktur vergleichsweise gut im Griff zu behalten. Nur vereinzelt waren Haushalte ohne Strom, teilte die Bayernwerk AG mit. Für 350 Betroffene konnte bereits am Sonntag die Energieversorgung wieder sichergestellt werden.

"Wucht der Wassermassen hat uns sehr überrascht"

Der Starkregen sei angekündigt gewesen. "Trotzdem hat uns die Wucht der Wassermassen sehr überrascht, auch wie schnell die Keller letztlich vollgelaufen sind", sagte Gertraud Rieger aus Schönau am Königssee. Trotz des Schrecks sieht Rieger aber auch etwas Gutes. "Diese Solidarität in unserer Gesellschaft ist unfassbar", sagte sie. "Jeder hat geholfen, und das ist das Schöne an solchen Ereignissen, dass man unglaublich zusammenhält."

In der Dreiflüsse-Stadt Passau hatte man sich auf Schlimmeres eingestellt. Donau und Inn stiegen jedoch nicht so stark an wie befürchtet. Am Montag sank dort der Wasserstand der Donau von Stunde zu Stunde und lag um 11.45 Uhr bei 8,03 Metern, weit unterhalb der höchsten Hochwasserwarnstufe von 8,50 Metern. Gegen 16.45 Uhr wurden 7,74 Meter gemessen - damit liegt der Wert nur noch leicht über der Grenze zur Meldestufe 3. Am Abend wird der Wasserstand Passau/Donau und Passau/Ilzstadt laut DWD unter die Meldestufe 3 sinken.

"Passau eine Hochwasser-erfahrene Stadt"

Auch der Inn bereitete keine Sorgen. Einzelne Bereiche der Stadt wurden zwar überschwemmt. Von katastrophalen Zuständen sei man aber zum Glück noch entfernt, sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Ähnlich sah es ein Anwohner. "Das ist an und für sich nichts Tragisches mehr." Schließlich sei Passau eine Hochwasser-erfahrene Stadt.

An der Donau befindet sich der Hochwasserscheitel derzeit in Neustadt/Donau. Oberhalb zeigt der Pegel Neuburg fallende Wasserstände in Meldestufe 2 und Ingolstadt in Meldestufe 1. Flussabwärts ist in Kelheim die Meldestufe 3 leicht überschritten, das Erreichen der Meldestufe 2 wird in Straubing, Pfelling und Vilshofen erwartet. Leichte Anstiege in der Meldestufe 1 gibt es in Oberndorf, Regensburg und Schwabelweis.

DWD gibt Entwarnung

Anlass zur Hoffnung geben die Wetteraussichten. Bis auf einzelne kurze Schauer soll es in den kommenden Tagen trocken bleiben. Der Deutschen Wetterdienstes (DWD) prognostiziert für heute Nachmittag bis in die Nacht zum Dienstag zwar insbesondere an den östlichen Mittelgebirgen und in Alpennähe einzelne Schauer oder Gewitter mit Starkregen um oder etwas über 20 l pro Quadratmeter in kurzer Zeit. Unwetter seien derzeit aber nicht in Sicht, sagte ein Meteorologe des DWD. Die Hochwasserlage werde sich deswegen entspannen.

München hat wegen des angestiegenen Wasserstandes indes das Baden in der Isar verboten. Stege und Radwege am Fluss blieben zum Teil gesperrt. Die gestiegenen Pegelstände sind die Folge eines kontrollierten Ablassens aus dem Sylvensteinspeicher. Dort soll Platz geschaffen werden, um einen Hochwasserpuffer zu haben, teilte die Stadt München mit. Im Isar- und Loisachgebiet sinken die Wasserstände verbreitet oder verharren auf einem Niveau im Bereich der Meldestufe 1. Der Pegelstand Schlehdorf und München liegt jeweils knapp oberhalb der Meldestufe 2.

Noch keine Normalität im Berchtesgadener Land

In den Orten um Berchtesgaden, etwa Schönau am Königssee, Ramsau, Bischofswiesen und Markt Schellenberg, gab es auch am Montag noch keine vollständige Normalität. Der Katastrophenfall gilt noch, wird aber heute um Mitternacht wieder aufgehoben. Das Hauptaugenmerk lag neben dem Aufräumen auf geologischen Untersuchungen. Damit sollen Hänge überprüft werden, ob sie möglicherweise abrutschen könnten. Von bislang 537 Einsätzen sei der größte Teil beendet.

Schreyer und Kaniber versprechen baldige Sanierungen

Bayerns Bau- und Verkehrsministerin Kerstin Schreyer hat sich am Montag im Landkreis Berchtesgadener Land ein Bild von den Hochwasserschäden gemacht. Dabei waren auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, der Landrat des Berchtesgadener Landes, Bernhard Kern, und der Bürgermeister von Bischofswiesen, Thomas Weber. "Was hier passiert ist, ist nicht in Worte zu fassen", sagte Schreyer. "Wir als Verkehrsministerium werden tun, was wir können, um die Infrastruktur wieder in Gang zu bringen."

Der größte Schaden entstand an der B 305 westlich von Berchtesgaden. Hier wurden die Stützmauer zur Ache, der Gehweg und ein Teil der Fahrbahn auf einer Länge von rund 30 Metern von den Fluten weggerissen. Wenige Meter weiter klaffte ein riesiges Loch in der Fahrbahn. Die Sanierung werde aber wohl Monate dauern.

Bei den Bahnlinien ist die Strecke zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden am schlimmsten betroffen. Die Gleise seien an mehreren Stellen unterspült und hingen teilweise in der Luft, heißt es. Die Deutsche Bahn hat bis Bayerisch Gmain einen Schienenersatzverkehr eingerichtet, der bis nach Berchtesgaden verlängert wird, sobald die Straße wieder freigegeben ist.

Hochwasser ließ Häuser voll laufen und Hänge abrutschen

Flüsse wie die Berchtesgadener Ache hatten sich am Samstagabend nach heftigen Regenfällen in reißende Ströme verwandelt. Auch von den Bergen schoss Wasser ins Tal. Häuser liefen voll mit Wasser und Schlamm. Manche drohten gar, einzustürzen. Hänge rutschten ab, Teile von Straßen brachen weg, Bahngleise wurden verschüttet oder überflutet. Mehr als 160 Menschen mussten aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht werden. Manche der Gebäude seien noch nicht wieder freigegeben, meldete das Landratsamt am Montag. Einige Schulen und Kitas waren noch zu. Schulen und Kindertages-Einrichtungen sollen ab Dienstag wieder regulär öffnen.

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In den Überschwemmungsgebieten entspannt sich die Lage, die meisten Flusspegel sinken. Allerdings musste die Feuerwehr im Berchtesgadener Land und im Landkreis Traunstein noch viele Keller leer pumpen und Straßen frei räumen.

💡 Was bedeuten die Hochwasser-Meldestufen in Bayern?

Meldestufe 1: Stellenweise kleinere Ausuferungen.

Meldestufe 2: Land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet oder leichte Verkehrsbehinderungen auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen.

Meldestufe 3: Einzelne bebaute Grundstücke oder Keller überflutet oder Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen oder vereinzelter Einsatz der Wasser- oder Dammwehr erforderlich.

Meldestufe 4: Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet oder Einsatz der Wasser- oder Dammwehr in großem Umfang erforderlich.

Quelle: Hochwassernachrichtendienst Bayern

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