Symbolbild: Infusionspumpen sind aus einem isolierten Intensivbett-Zimmer zu sehen. Auf der Station werden Covid-19-Patienten behandelt.
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Symbolbild: Infusionspumpen sind aus einem isolierten Intensivbett-Zimmer zu sehen. Auf der Station werden Covid-19-Patienten behandelt.

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    Fast nur Ungeimpfte auf Münchens Intensivstationen

    Fast nur Ungeimpfte auf Münchens Intensivstationen

    Aktuelle Corona-Zahlen aus München zeigen, dass fast alle Patienten, die wegen einer Covid-19-Infektion intensivmedizinisch behandelt werden, ungeimpft sind. Ähnlich sieht die Situation auf den Normalstationen aus.

    "Nach wie vor sind 100 Prozent aller Intensivpatient:innen ungeimpft", twitterte Anfang der Woche die "München Klinik".

    Die städtische Klinik betreut in den Standorten Schwabing, Neuperlach und Harlaching derzeit 38 Menschen mit bestätigter Covid-19-Infektion. 15 Patientinnen und Patienten befinden sich dort aktuell auf Intensivstationen.

    Oberarzt: "Impfung hätte die allermeisten vor intensivmedizinischen Verlauf bewahrt"

    "Wir sehen zurzeit schwerkranke Menschen mit hohem Sauerstoffbedarf und schwersten Covid-Pneumonien. Die Patienten sind teilweise sehr jung und haben keine Vorerkrankungen. Sie alle sind ungeimpft. Eine Impfung hätte sehr sicher die allermeisten von ihnen vor einem intensivpflichtigen Verlauf bewahrt", so Oberarzt Niklas Schneider, der gemeinsam mit seinem Kollegen Jürgen Lärmer die Intensivstation der München Klinik Schwabing leitet.

    Es sei nicht zu spät und die Impfung mittlerweile fast schon vor der Haustür verfügbar. "Vor den meisten anderen Krankheiten, die wir hier auf der Intensivstation versorgen, schützt kein Piks." Auch auf den Normalstationen seien in der München Klinik fast alle Covid-Patienten ungeimpft.

    Doch wie sieht es in den anderen Münchner Krankenhäusern aus? Liegen auch dort auf den Intensivstationen ausschließlich ungeimpfte Corona-Patienten?

    Bildrechte: BR / Screenshot Twitter.

    Tweet der München Klinik.

    Patienten mit Impfung hatten alle Vorerkrankungen

    Am Klinikum rechts der Isar werden derzeit sechs Covid-19-Patienten auf der Intensivstation behandelt, teilte das Krankenhaus auf BR-Anfrage mit. Fünf davon seien ungeimpft, eine Person sei zwar geimpft, habe aber aufgrund einer Vorerkrankung keinen ausreichenden Impfschutz aufbauen können.

    Am "LMU Klinikum" mit den beiden Standorten in Großhadern und in der Innenstadt sieht die Situation ähnlich aus: Laut Prof. Dr. Bernhard Zwißler, Direktor in der Klinik für Anästhesiologie, befinden sich derzeit von insgesamt 21 Corona-Patienten zwölf auf der Intensivstation. Zehn Intensivpatienten davon sind ungeimpft, die zwei anderen hatten aufgrund einer Vorerkrankung ebenfalls keinen ausreichenden Impfschutz.

    "Das Durchschnittsalter der Covid-19-Patienten liegt derzeit bei 59 Jahren. Der jüngste Patient ist 38 Jahre, der älteste 81 Jahre. Sieben der zwölf Covid-19-Patienten sind unter 60 - und diese sind alle ungeimpft. Fünf sind über 70, hierunter sind die zwei Geimpften mit der Vorerkrankung." Prof. Bernhard Zwißler, Direktor in der Klinik für Anästhesiologie, LMU Klinikum

    Mehr Männer wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus

    In den Krankenhäusern der "München Klinik" steigt nicht nur der Anteil der Corona-Intensivfälle, auffällig ist auch, dass deutlich mehr Männer als Frauen mit bestätigter Covid-19-Infektion behandelt werden. Der Männer-Anteil beträgt aktuell 66 Prozent (alle Corona-Patienten). Das Durchschnittsalter der Covid-Patienten, die in der "München Klinik" betreut werden müssen, liegt aktuell bei rund 62 Jahren.

    Das Klinikum hat auch festgestellt, dass die Verweildauer auf der Intensivstation mit derzeit durchschnittlich 14,3 Tagen deutlich länger ist als letztes Jahr. 2020 betrugt dort die durchschnittliche Aufenthaltsdauer 11,3 Tage - also drei Tage weniger.

    Auch im "LMU Klinikum" werden derzeit mehr Männer als Frauen behandelt. Aktuell werden fünf Frauen intensivmedizinisch betreut und sieben Männer. Das Klinikum hat aber - im Gegensatz zur "München Klinik" - keine längere Verweildauer als im vergangenen Jahr verzeichnet.

    Ein Tag auf der Intensivstation kostet rund 1.000 Euro

    Die Patientenzahlen aufgrund einer Corona-Infektion steigen jedoch in allen Münchner Kliniken seit mehreren Wochen wieder an. Zudem ist der Anteil der Intensivpatienten unter denjenigen, die wegen einer Infektion ins Krankenhaus kommen, höher als noch vor einem Jahr.

    Und wie viel kostet ein Tag (pro Person) auf der Intensivstation? "Eine intensivmedizinische Behandlung kostet – sehr grob geschätzt – durchschnittlich etwa 1.000 Euro am Tag", so Prof. Bernhard Zwißler vom LMU Klinikum auf BR-Anfrage.

    Gleiche Situation auch auf dem Land

    Dass vor allem ungeimpfte Patienten auf den Intensivstationen liegen, zeigt sich auch in den Kliniken außerhalb Münchens. In der Kreisklinik Ebersberg werden aktuell sechs Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung behandelt, drei davon befinden sich auf der Intensivstation. Alle sechs Patienten haben keine Impfung.

    Im Inn-Klinikum Altötting und Mühldorf werden aktuell 19 positiv getestete Covid-Patienten behandelt. Sechs befinden sich auf Intensivstationen, fünf davon müssen beatmet werden, so Mike Schmitzer vom Inn-Klinikum auf BR-Anfrage. Auch dort hat sich in den vergangenen Monaten gezeigt: Ein ganz großer Anteil derjenigen, die auf den Intensivstationen wegen Covid-19 behandelt werden mussten, war ungeimpft - und die anderen Patienten hatten aufgrund von Vorerkrankungen keinen ausreichenden Impfschutz. "Die sehr geringe Anzahl an Patienten, die trotz vollständiger Impfung im Inn-Klinikum intensivmedizinisch behandelt werden mussten, litten an mehrfachen Vorerkrankungen", so Schmitzer.

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