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Bayernoil will am Standort Neustadt an der Donau erstmals grünen Wasserstoff in industriellem Maßstab herstellen.

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Bayerns Wasserstoffprojekte: Kein Nutzen für Putin

Das wichtige bayerische Wasserstoff-Projekt BayH2 sorgt für Wirbel. Daran beteiligt ist die Raffinerie-Gesellschaft Bayernoil, die zum Teil dem russischen Mineralölunternehmen Rosneft gehört. Subventionen für das Projekt sollen aber im Land bleiben.

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Susanne PfallerSusanne PfallerSusanne HagenmaierSusanne HagenmaierBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Grüner Wasserstoff – also Wasserstoff, bei dem der Strom für die Gewinnung aus erneuerbaren Energiequellen stammt – soll uns in Zukunft helfen, unabhängiger von Erdgas und Erdöl zu werden. Auf Bundesebene gibt es für die Entwicklung die "Nationale Wasserstoffstrategie", und auch Bayern will vorn dabei sein. Am Montag wurde im Beisein von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) im Zukunftszentrum Nürnberg die "Wasserstoff-Roadmap Bayern" vorgestellt, die einen Überblick über die wichtigsten Wasserstoff-Projekte im Freistaat gibt. Ein besonders großes Projekt namens "BayH2" sorgt schon von Beginn an für Wirbel.

In Nürnberg wurde die "Wasserstoff-Roadmap Bayern" vorgestellt

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Bayernoil gehört zum Teil einem russischen Konzern

"BayH2" ist ein Elektrolyse-Großprojekt des Energieversorgers Vattenfall und Bayerns größter Raffineriegesellschaft Bayernoil. Konkret will Vattenfall im Bayerischen Wald 80 Windräder aufstellen. Deren Strom soll auf dem Bayernoil-Gelände in Neustadt in einer 128-Megawatt-Anlage per Elektrolyse grünen Wasserstoff erzeugen – zum ersten Mal in Deutschland im industriellen Maßstab. Die dafür geplante Elektrolyse-Anlage auf dem Raffineriegelände der Bayernoil in Neustadt an der Donau ist zehnmal größer als alle bestehenden Anlagen in Deutschland.

Noch stehen weder die Windräder noch die Elektrolyse-Anlage, aber die Pläne dafür sind schon weit gediehen. Und der erste Ärger ist schon da: Denn die zweitgrößte Anteilseignerin der Bayernoil-Raffinerie ist Rosneft Deutschland, eine hundertprozentige Tochter des gleichnamigen russischen Staatskonzerns. Sie hält 28,57 Prozent der Anteile an Bayernoil.

ÖDP sieht "bayerische Wasserstoff-Subventionen für Putin"

Für die ÖDP steht deshalb fest: "Fließen Wasserstoff-Subventionen in das BayH2-Projekt, freut sich auch Putin." Während die westliche Welt darüber diskutiere, ein Energie-Embargo gegenüber Russland zu verhängen, lasse die bayerische Staatsregierung zu, "dass Putin auch beim Wasserstoff den Fuß in der Tür hat", kritisierte die bayerische ÖDP in einer Presseerklärung vom 8. April. Das, so die ÖDP-Vize-Landesvorsitzende Agnes Becker, "kann nach dem brutalen Überfall auf die Ukraine niemand befürworten. Wie wollen Ministerpräsident Söder und Minister Aiwanger das den Bürgern und Steuerzahlerinnen erklären?"

Bayernoil: Rosneft bleibt bei "BayH2" außen vor

Das Dilemma hat auch die Bayernoil-Mehrheitseignerin Varo Energy GmbH gleich nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine erkannt. Um Rosneft von den Fördertöpfen fernzuhalten, gründet Varo Energy extra für "BayH2" eine eigene Gesellschaft in Bayern. Diese gehört Varo alleine. Die anderen beiden Bayernoil-Eigner, also Rosneft und Eni Deutschland, bleiben außen vor. Rosneft habe somit auch keinen Zugriff auf Wasserstoff-Subventionen aus Bayern, vom Bund oder der EU. Das betont Bayernoil-Geschäftsführer Alexander Struck: "Die bayerischen Fördergelder bleiben in Bayern."

Aiwanger: "Das ist eine wasserdichte Sache"

Das sagte auch Wirtschaftsminister Aiwanger bei der Vorstellung der Roadmap in Nürnberg. An Bayernoil ist der russische Staatskonzern Rosneft mit mehr als 25 Prozent beteiligt. An der Tochter gebe es hingegen keine russische Beteiligung, erläuterte Aiwanger. "Das ist eine wasserdichte Sache, hier ist Rosneft nicht dabei."

"BayH2": Ein erster, aber noch sehr kleiner Schritt

Auch wenn mit "BayH2" erstmals grüner Wasserstoff in einer industriellen Dimension herstellt werden soll, ist das Projekt nur ein erster kleiner Schritt in Richtung Wasserstoffversorgung. Denn der so gewonnene grüne Wasserstoff reicht bei Weitem nicht für die Bedürfnisse im Freistaat, nicht einmal für die Raffinerie selbst. Er deckt nur einen Teil – etwa ein Drittel – des Wasserstoffbedarfs am Standort Neustadt an der Donau, rechnet Bayernoil-Chef Alexander Struck vor. Die Raffinerie braucht pro Stunde rund acht Tonnen Wasserstoff, vor allem für die Entschwefelung von Diesel.

Ab 2025 soll grüner Wasserstoff gewonnen werden

Geplant ist, 2025 mit der Gewinnung von grünem Wasserstoff zu beginnen. Dann soll die Elektrolyse-Anlage schrittweise in Betrieb gehen. Weil die 80 Windräder für das BayH2-Projekt auf die wechselnden Windverhältnisse angewiesen und deshalb nicht grundlastfähig sind, rechnet Bayernoil-Geschäftsführer Alexander Struck damit, dass die 128-MW-Anlage "mit weniger als 50 Prozent Auslastung" fahren wird. Er hält das Projekt aber dennoch für wichtig, weil es einen Einstieg bedeutet in die industrielle Herstellung von grünem Wasserstoff in Bayern.

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