Sport - Fußball


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Uli Hoeneß Fußballer, Manager, Querdenker

Kein Mensch hat den FC Bayern München so geprägt wie Ulrich "Uli" Hoeneß. Am 5. Januar 1952 hört man den jungen Uli im schwäbischen Ulm erstmals schreien. Was da so frisch auf der Welt war, sollte zu einer der herausragendsten Persönlichkeiten im deutschen Fußball heranreifen. Ein Streifzug durch das turbulente Leben des streitbaren Schwaben.

Von: Bernd Eberwein

Stand: 25.05.2014 | Archiv

Karikatur Uli Hoeneß | Bild: BR/Thomas Zipfel

Schon zu Schulzeiten war Hoeneß geprägt von Ehrgeiz und Leistungsbereitschaft. Klassenbester, Musterschüler - und der Wille, ganz nach oben zu kommen. "Ich war bereit, hart zu arbeiten, aber ich wollte die Sonntage sorgenfrei verbringen können", sagte Hoeneß einmal in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung". Diese Philosophie sollte sich wie ein roter Faden durch seine Laufbahn ziehen.

Der Sport zehrte seinen Körper früh aus, doch der Geschäftssinn des Metzgersohns, der sich ebenfalls schon in der Kindheit herauskristallisierte ("Als Schüler bin ich samstagvormittags in der Metzgerei immer an der Kasse gestanden. Das war meine Leidenschaft, und das scheint mich bis heute geprägt zu haben") sollte ihn zu einem der außergewöhnlichsten Personen in der deutschen Managerwelt werden lassen.

Die Karriere im Zeitstrahl

Das Herz von Hoeneß

Gemeinsam für Afrika

Außergewöhnlich angesichts der sportlichen und wirtschaftlichen Erfolge, die er mit dem FC Bayern feiern konnte. Außergewöhnlich aber auch, weil "der Macher" Hoeneß nie den Blick auf sozial Schwächere verloren hat. Gescheiterte ehemalige Mitspieler, Fußballvereine in Not - der vermeintliche Materialist Uli Hoeneß hat trotz seiner steilen Karriere nie den Blick auf das Wesentliche verloren. Auf die Einschätzung des Tagesspiegels "Sie wirken zerrissen. Sie sind ein nüchtern kalkulierender Geschäftsmann, ein harter Realist, andererseits sind Sie ein unglaublich sentimentaler Kerl", antworte Hoeneß einmal: "Ja. Damit fühle ich mich sehr genau beschrieben." Das Porträt eines Mannes, der die deutsche Fußballwelt polarisiert und beeinflusst hat wie kaum ein anderer.

Uli Hoeneß - seine besten Sprüche

1

"Die Spieler waren total begeistert von der Aktion. Das ist eines der wenigen Dinge, wo sie einmal nicht ihre Berater fragen müssen." (Hoeneß über das Engagement der Spieler des FC Bayern gegen Gewalt)

2

"Wenn man gegen Liechtenstein spielt, kann man auch gegen den FC Tegernsee spielen!" (Hoeneß über WM-Qualifikationsspiele gegen Exoten)

3

"Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?" (Bratwurstfabrik-Besitzer Hoeneß über die Spekulationsgeschäfte von Banken)

4

"Die müssen sich doch mal den Frust von der Seele saufen. Wir haben doch früher auch auf dem Oktoberfest die Maßen reingelassen." (Hoeneß über die Feier von Franck Ribéry und Luca Toni in einer Pizzeria)

5

"Ein Uli Hoeneß lässt den FC Bayern nie im Stich. Und wenn irgendein Problem entsteht, würde ich zur Not hier sogar ein halbes Jahr den Platzwart machen." (Hoeneß über sein Verhältnis zum FC Bayern)

6

"Für die Scheißstimmung seid ihr doch selbst verantwortlich." (Hoeneß auf einer Mitgliederversammlung zu den Fans)

7

"Der FC Bayern ist natürlich total modern. Karl-Heinz Rummenigge hockt den ganzen Tag vorm Computer und hat eckige Augen." (Hoeneß über sein Leben ohne Computer)

8

"Eine Biografie? Von mir? Nein. Never ever! Wenn ich die Wahrheit über das, was ich alles erlebt habe, schreiben würde, müsste man etwa zehn Bände machen - und ich müsste nach der Veröffentlichung nach Australien auswandern." (Hoeneß vor seinem Abschied als Manager)

9

"Hoffentlich hat die Frau Merkel demnächst nicht zuviel Arbeit, die diplomatischen Beziehungen zu verbessern" (Hoeneß über den Wechsel von Lothar Matthäus zu Maccabi Netanya)

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"Wir haben etwa soviel Festgeld wie der FC Schalke Schulden. Deswegen werden sie uns vielleicht irgendwann sportlich nahekommen, aber in den Finanzen brauchen sie noch 20 Jahre." (Hoeneß über Schalke 04 im November 2004)

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"Früher habe ich 80 Prozent meiner Arbeitszeit mit den Spielern verbracht. Heute verwende ich 80 Prozent darauf, das Geld einzutreiben, um sie finanzieren zu können" (Hoeneß im November 2004)

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"Ich bin mir sicher, in den kommenden zehn Jahren werden wir in Europa erfolgreicher sein als in den vergangenen zehn Jahren." (Hoeneß über die Perspektiven des FC Bayern)

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"Ich habe mich um jeden Scheiß gekümmert, Abfahrtszeiten, Busunternehmen, Trikots, zur Not habe ich den Spielern die Stollen reingeschraubt." (Hoeneß über seine Anfangszeit als Manager)

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"Wenn Klinsmann Obama ist, dann bin ich Mutter Teresa." (Hoeneß über den ehemaligen Bundes- und Bayern-Trainer)


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