Sport - Fußball


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Champions League 2012 Der zerbochene Traum

Als erster Verein schaffte der FC Bayern 2012 den Einzug ins Champions-League-Finale im eigenen Stadion. Zu mehr reichte es allerdings nicht, denn dort behielt der FC Chelsea die Oberhand - und die Bayern waren am Boden zerstört.

Stand: 12.08.2015 | Archiv

Es sollte ein Fußballfest für die ganze Stadt werden. Ein denkwürdiges Spiel, ein historischer Sieg, eine rot-weiße Party. Als Didier Drogba am 19. Mai 2012 um 23:29 Uhr nach einem fast dreistündigen Nervenkrimi seinen Elfmeter versenkte, verwandelte sich der Traum des FC Bayern allerdings in einen Albtraum. Chelsea hatte das Elfmeterschießen mit 4:3 gewonnen und sich den Champions-League-Titel gesichert. Im "wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte" (Uli Hoeneß) hatten den Bayern die Nerven versagt. Und so blieb dem deutschen Rekordmeister nur der zweite Platz - genau wie in der Meisterschaft und im DFB-Pokal.

Bayern dominiert - Chelsea eiskalt

Dabei hatten die Münchner in den 90 Minuten der regulären Spielzeit fast alles richtig gemacht. Sie dominierten die Partie gegen die Gäste aus der englischen Hauptstadt fast nach Belieben, erarbeiteten sich mehrere gute Torchancen und kamen durch Thomas Müller zum späten aber verdienten 1:0 (83.). Das zuvor weitgehend harmlose und passive Chelsea schlug jedoch eiskalt zurück und kam durch Drogba kurz vor dem Schlusspfiff zum 1:1-Ausgleich (89.).

Nervenflattern am Elfmeterpunkt

Von hier an nahm das Drama seinen Lauf: Erst vergab Arjen Robben in der Verlängerung einen Foulelfmeter (95.) und damit die Riesenchance auf das erlösende Tor. Im Elfmeterschießen versagten dann auch noch Bastian Schweinsteiger und Ivica Olic die Nerven. Und dann lief Drogba an ...

Stimmen zum Finale

Chelsea-Trainer Roberto di Matteo

"Die Bayern haben ein sehr gutes Spiel gespielt und mehr Chancen gehabt. Aber wenn es zum Elfmeterschießen kommt, braucht man auch ein bisschen Glück, und das hatten wir heute auf unserer Seite. Wir werden jetzt richtig feiern heute Abend."

Bayern-Trainer Jupp Heynckes

"Wir haben einfach zu viele Chancen liegengelassen. Wir haben es nicht verstanden, unsere Chancen zu nutzen. Normalerweise kriegt man gegen eine Mannschaft wie den FC Chelsea nicht so viele Möglichkeiten. Wenn man in der 83. Minute in Führung geht, muss man das auch nach Hause bringen."

Bayern-Präsident Uli Hoeneß

"Es ist unglaublich. Wenn man in einem Spiel so viele Chancen hat, den Sack zuzumachen, dann muss man das auch tun. Deshalb haben wir dieses Spiel verloren."

Bayern-Torschütze Thomas Müller

"So ist Fußball. Das hat man in der Vergangenheit schon öfters gesehen, dass am Ende nicht immer der verdiente Sieger mit dem Pokal dasteht. Wir hätten das Spiel mehrfach für uns entscheiden können. Und im Elfmeterschießen, im Roulette, haben wir dann verloren. Das ist schwer in Worte zu fassen. Aber Fußball ist auch nicht alles."

Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger

"Es ist wie ein Alptraum. Wenn man sieht, wie wir gespielt haben. Schlimmer kann man sich so einen Verlauf nicht vorstellen. Wenn du so spät in Führung gehst, muss das eigentlich die Entscheidung sein. Das war es nicht. Das ist sehr frustrierend und schwer zu verkraften."

Bayern-Torwart Manuel Neuer

"Wir haben in dieser Saison dreimal Matchball gehabt und keinen genutzt. Die Enttäuschung ist sehr groß. Wenn man das Spiel gesehen hat, konnte man nicht damit rechnen, dass Chelsea als Sieger vom Platz geht."

Franz Beckenbauer

"Chelsea ist ein verdienter Sieger, weil die Bayern es selbst aus der Hand gegeben haben. Sie haben ihre Chancen nicht genutzt, ja auch im Spiel noch einen Elfmeter verschossen. Es sollte nicht sein heute, obwohl sie die bessere Mannschaft waren."

Bundestrainer Joachim Löw

"Ich gratuliere dem FC Bayern trotz der Niederlage zu einer klasse Champions-League-Saison. Die Münchner haben uns tolle Spiele beschert, besonders gegen Madrid. Gegen Chelsea waren sie die bessere Mannschaft in 120 Minuten und hatten die besseren Chancen. Fußball ist manchmal brutal. Natürlich sind wir jetzt alle erstmal enttäuscht und traurig."

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach

"Fußball ist einfach nicht gerecht. Unfassbar, was passiert ist. Da kriegt Chelsea in der 88. Minute die erste Ecke, und dann fällt das Tor. So ein Spiel wie heute - da fehlen mir die Worte. Unfassbar. Es wäre so schön für den deutschen Fußball gewesen."

Oliver Bierhoff

"Das war eine bittere Niederlage für die Bayern. Vom Spielverlauf her hätten sie klar gewinnen müssen. Beim Elfmeterschießen kann immer alles passieren. Wir werden die Jungs wieder aufbauen. Mit uns können sie noch einen Titel gewinnen."

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer

"Die Art und Weise, dass das einen Titel bringt, ist ungerecht."

Stefan Effenberg (Kapitän beim letzten CL-Triumph 2001)

"Das ist eine ganz, ganz bittere Niederlage, die richtig weh tut. Aber sie haben es sich auch selbst ein bisschen zuzuschreiben. Sie haben in den 90 Minuten viel zu viel liegen lassen."

Ministerpräsident Horst Seehofer

"Ich bin fix und foxi. Fußball ist grausam."

Bundeskanzlerin Angela Merkel

"Bayern hat über weite Strecken ein tolles Spiel geliefert. Wie viele andere war ich wirklich traurig, dass es am Ende so knapp nicht gereicht hat."

The Sun, englisches Boulevardblatt

"Didi did it! Endlich hat ein englisches Team ein deutsches im Elfmeterschießen besiegt"

Lange Gesichter im Postpalast


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