Sport - Fußball


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Langsam nach oben Liga-Stotterstart und erste große Titel

Bayern-Hasser lästern gerne über die "Bayernliga", zu der die Bundesliga verkommen sei. Wen wundert's: Die Roten sind Titelsammler Nummer eins. Dabei war das Fußball-Oberhaus 1963 ganz ohne den FC Bayern gestartet. Der Deutsche Meister von 1932 wurde einfach ausgesperrt.

Stand: 12.08.2015 | Archiv

Franz Beckenbauer 1969 mit der deutschen Meisterschale | Bild: picture-alliance/dpa

Es sei "nicht ratsam, zwei Vereinen am gleichen Ort eine Lizenz für die Bundesliga zu erteilen", hatte der Bundesligaausschuss seine Bedenken geäußert. Der Zuschlag ging an den Rivalen TSV 1860 München. Ganze 13 Seiten lang war das Protestschreiben, das die Münchner aufsetzten - ohne Erfolg. Die Saison darauf verlief für den FC Bayern nicht minder unerfreulich: Sportlich verpassten die Roten den Aufstieg in die Bundesliga, erst 1965/66 zogen Beckenbauer und Co. in die höchste Spielklasse ein.

Die Talentschmiede Cajkovski

Zlatko "Tschik" Cajkovski

Der verpasste Aufstieg - vielleicht sogar eine glückliche Fügung für die Bayern. Denn schon zu Oberliga-Zeiten formte der jugoslawische Trainer Zlatko "Tschik" Cajkovski eine Mannschaft, die in den Folgejahren in der Bundesliga aufhorchen ließ. Cajkovski war wider Willen der Ur-Vater der Bayern-Talentschmiede: "Der Präsident hat mir keine fertigen Stars gekauft", hatte sich "Tschik" vor dem ersten Jahr in der Bundesliga einmal beklagt.

Die Achse Maier - Beckenbauer - Müller

Doch das Schlitzohr auf dem Trainerstuhl machte aus der Not eine Tugend und baute junge Talente ein. Cajkovski hatte Beckenbauer in der Aufstiegsrunde eingesetzt. Hinter ihm stand Sepp Maier im Tor, vor ihm schoss zuverlässig ein stämmiger junger Mann namens Gerd Müller den Ball ins gegnerische Tor. Cajkovski nannte ihn kurz darauf "Kleines dickes Müller". Diese Achse war es, die das Gesicht der Bayern-Mannschaft über Jahre hinaus prägen und dem Klub zu Weltruhm verhelfen sollte.

Löwen verhindern erste Bundesliga-Meisterschaft

Die Mannschaft des FC Bayern im Jahr 1965

Im ersten Bundesligajahr 1965/66 schaffte man auf Anhieb Platz drei. Ausgerechnet eine Niederlage gegen die Löwen verhinderte die erste Meisterschaft eines Aufsteigers. Zum Lohn durften Beckenbauer und Maier mit dem Nationalteam zur Weltmeisterschaft, wo Deutschland erst im WM-Finale an Gastgeber England und dem Wembley-Tor scheiterte.

Cup der Pokalsieger nur der Anfang

Ehrenrunde nach dem Sieg

Ganz ohne Titel verging das Fußball-Jahr nicht: Dem WM-Turnier war der zweite Pokalsieg der Bayern durch ein 4:2 gegen den Meidericher SV aus Duisburg vorausgegangen. Ein Jahr später, 1967, wiederholten die Bayern ihren Pokalerfolg und gewannen durch einen Treffer von Franz "Bulle" Roth im Endspiel gegen die Glasgow Rangers erstmals den Europapokal der Pokalsieger.

Erste Bundesliga-Meisterschaft unter Zebec

In der Bundesliga lief es 1967 dagegen noch nicht rund. Nach Platz drei im ersten Bundesligajahr (hinter Meister TSV 1860 und Borussia Dortmund) beendete der FCB die nachfolgenden Spielzeiten als Tabellensechster (1966/67) und Tabellenfünfter (1967/68). Am 7. Juni 1969 standen sie dann erstmals auch in der Bundesliga ganz oben: Durch einen 2:1-Erfolg am letzten Spieltag gegen Hannover 96 sicherten sich die Bayern unter Trainer Branko Zebec ihre zweite Deutsche Meisterschaft vor Alemannia Aachen und dem späteren großen Dauerrivalen Borussia Mönchengladbach. Zur Meisterelf gehörten unter anderen Sepp Maier, Werner Olk, Franz Beckenbauer, Georg Schwarzenbeck, Franz Roth und Gerd Müller.

Bayerns Titelsammlung

Meisterschaft

25 Titel in den Jahren 1932, 1969, 1972, 1973, 1974, 1980, 1981, 1985, 1986, 1987, 1989, 1990, 1994, 1997, 1999, 2000, 2001, 2003, 2005, 2006, 2008, 2010, 2013, 2014, 2015

DFB-Pokal

17 Triumphe in den Jahren 1957, 1966, 1967, 1969, 1971, 1982, 1984, 1986, 1998, 2000, 2003, 2005, 2006, 2008, 2010, 2013, 2014

Europapokal

Europapokal der Landesmeister/Champions League (5): 1974, 1975, 1976, 2001, 2013
Europapokal der Pokalsieger (1): 1967
UEFA-Pokal (1): 1996

Weltpokal

Zweifacher Sieger 1976 und 2001

Ligapokal/Supercup

Ligapokal (6): 1997, 1998, 1999, 2000, 2004, 2007
Super-Cup (3): 1983, 1987 und 1990


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