Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

Zu viel Zeit mit dem Smartphone ist schlecht für Kinderaugen | BR24

© BR/Sylvia Bentele

Ein Mädchen beschäftigt sich mit einem Smartphone. Zu viel Zeit vor dem Bildschirm führt häufig zu Kurzsichtigkeit.

Per Mail sharen
Teilen

    Zu viel Zeit mit dem Smartphone ist schlecht für Kinderaugen

    Kinder, die in ihrer Freizeit lange und intensiv aufs Handy starren, haben ein höheres Risiko, kurzsichtig zu werden. Doch das ist nicht die einzige Gefahr.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Eine übermäßige Nutzung von Smartphones, Tablets und Computern im frühen Kindesalter führt nach Angaben von Augenärzten zu mehr Kurzsichtigkeit. "Studien zeigen, dass Kurzsichtigkeit zu rund 50 Prozent vom Lebensstil beeinflusst wird", bekräftigt Bettina Wabbels von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

    Besser keine Handys für die Kleinsten

    Bei Kindern unter drei Jahren führe ein häufiges Starren auf nahe Computerbildschirme zu einem Wachsen des Augapfels und damit zu einem längeren Auge. "Ist ein Auge einmal so gewachsen, schrumpft es nicht mehr", ergänzt die Leiterin der Abteilung für Orthoptik, Neuro- und pädiatrische Ophthalmologie an der Universitäts-Augenklinik Bonn. Die Kurzsichtigkeit (Myopie) bleibe dann ein Leben lang. Zwar lässt sich der Fehler durch eine Brille oder Kontaktlinsen beheben, doch die langfristige Gefahr einer Netzhautablösung bleibt bestehen.

    Später Blick auf den Screen führt zu Schlafstörungen

    Ein übermäßiger elektronischer Medienkonsum hat aber noch weitere negative Auswirkungen. So steht der abendliche Griff zu Smartphone & Co. im Verdacht, Schlafstörungen auszulösen. "Der hohe Blaulichtanteil der Bildschirme hemmt die Ausschüttung des Hormons Melatonin, das schläfrig macht", erläutert die Bonner DOG-Expertin.

    "Um Schlafstörungen zu vermeiden, sind elektronische Medien ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen tabu." Bettina Wabbels von der Universitäts-Augenklinik Bonn

    Deshalb empfiehlt die Augenheilkunde-Expertin für Kinder folgende Zeiten vor Bildschirm oder Display:

    • Kinder unter drei Jahren sollten möglichst keine Zeit vor dem Bildschirm verbringen
    • Vier- bis Sechsjährige bis maximal 30 Minuten täglich
    • Grundschüler bis zehn Jahre maximal eine Stunde täglich
    • ab einem Alter von etwa zehn Jahren bis zu zwei Stunden pro Tag

    Daddeln mit Spielen im Freien kombinieren

    Eine Studie, veröffentlicht im Fachblatt "Nature Genetics", an mehr als 160.000 Probanden hatte bereits im Mai 2018 herausgefunden, dass nicht nur das lange Lesen und Starren auf Bildschirme kurzsichtig mache, sondern besonders der Umstand, dass dies häufig drinnen bei künstlicher Beleuchtung geschehe.

    Wenig helles Tageslicht bedeutet bei Kindern und Jugendlichen ein hohes Risiko kurzsichtig zu werden. Denn im Freien herrscht an sonnigen Tagen auch im Schatten eine Lichtstärke von etwa 10.000 Lux. In einem Klassenraum oder Kinderzimmer sind dagegen meist nur 500 Lux. Deshalb seien besonders die Stubenhocker gefährdet, die stundenlang bei mangelhafter Beleuchtung Bücher lesen oder bei Onlinespielen auf den Computerbildschirm oder das Smartphone starren, sagen die Wissenschaftler.

    China will Kurzsichtigkeit vorbeugen

    So lautet der Rat von Augenärzten dann auch, Kinder mindestens zwei Stunden am Tag zum Spielen nach draußen zu schicken. Versuche in China, wo mittlerweile mehr als 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen von Myopie betroffen sind, zeigen, dass der Anteil der Kurzsichtigen spürbar sinkt, wenn mehr Unterricht im Freien stattfindet oder die Kinder ihre Pausen an der frischen Luft verbringen.

    Statt drinnen auf den Bildschirm zu starren, lieber im Freien auf den Horizont blicken, das könnte in jedem Fall den Weitblick erhalten.