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Kurzsichtigkeit Was das Handy mit unseren Augen macht

Immer mehr Menschen leiden an Kurzsichtigkeit, vor allem immer mehr Kinder. Eine Ursache ist unser Umgang mit dem Handy. Was das Smartphone mit unseren Augen anstellt. Und was Augenärzte empfehlen.

Stand: 04.02.2019

Frau liest auf dem Display ihres Handys.  | Bild: mauritius-images

Die Zahlen sind sehr deutlich: Der Anteil der jungen Erwachsenen, die kurzsichtig sind, ist extrem gestiegen. Mittlerweile leiden in Deutschland 46 Prozent der 25-Jährigen an Kurzsichtigkeit, so die Gutenberg-Gesundheitsstudie von 2012. Insgesamt sind 35 Prozent der Deutschen kurzsichtig. Die Sehschwäche verbreitet sich rasant. Über die Ursachen sind sich Augenärzte und Wissenschaftler weitgehend einig: Mangelndes Tageslicht und zu viel Nahsehen, besonders in der Kindheit. Und dabei spielt unser Handy eine ganz entscheidende Rolle.

So entsteht Kurzsichtigkeit

Augenärzte machen für den Anstieg der Kurzsichtigkeit ganz eindeutig zu langes Lesen und zu intensive Smartphone-Nutzung verantwortlich. Durch das viele 'Nahsehen' muss das Auge ständig nah fokussieren, dadurch wächst der Augapfel in die Länge. Die Konsequenz: In der Nähe sehen Kurzsichtige scharf, weiter entfernte Objekte können sie nur unscharf erkennen.

Heute sind bereits viele Grundschulkinder kurzsichtig. Und das mit steigender Tendenz. Dieser Trend hat Auswirkungen auf Intensität der zunehmenden Sehschwäche, so die Experten.

"Eine Myopie beginnt meist im Grundschulalter und nimmt bis ins Erwachsenenalter zu. Es gilt: Je früher sie einsetzt, desto stärker ist ihr Ausmaß."

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)

Das ist ein wichtiger Grund, auf Kinderaugen ganz besonders zu achten. Der Augapfel des Menschen kann aber bis ins Erwachsenenalter hinein wachsen und so auch später eine Kurzsichtigkeit verschlechtern. Auch bei Erwachsenen, die jeden Tag 8 bis 12 Stunden am PC arbeiten, kann sich eine Myopie entwickeln.

Heilbar ist eine Kurzsichtigkeit nicht, aber Kurzsichtige sollten auf alle Fälle eine Sehhilfe tragen, Kontaklinsen oder Brille, deren Stärke sie regelmäßig überprüfen lassen. Tun sie das nicht, kann sich dadurch die Kurzsichtigkeit weiter verstärken.

Tageslicht schützt vor Kurzsichtigkeit

Was können wir für unsere Sehkraft tun? Verblüffend einfach. Oft bei Tageslicht draußen sein, denn das hilft auf zweierlei Art: Wir gönnen unseren Augen den Blick in die Weite und sind dem Tageslicht ausgesetzt.

Und das gilt für Erwachsene und für Kinder. Professor Frank Schaeffel vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde an der Uni Tübingen, sieht vor allem das Licht als Gegenmittel für Kurzsichtigkeit. "Normalerweise hemmt helles Tageslicht das Längenwachstum des Augapfels im Kindesalter", sagt er. Dazu müssen die Augen Beleuchtungsstärken von rund 10.000 Lux ausgesetzt werden, so Schaeffel. Das entspräche ungefähr den Werten eines leicht bewölkten Sommertags, ein Klassenzimmer bringe es auf etwa 500 Lux.

Dass Tageslicht dem Entstehen einer Myopie vorbeugt, bestätigt auch eine Studie aus den USA, die die Haupt-Aufenthaltsorte von Kindern untersucht hat. So sind Kinder, die ihre Freizeit hauptsächlich im Haus verbringen, öfter von Kurzsichtigkeit betroffen, als diejenigen, die viel draußen sind. Eine chinesische Studie hat belegt, dass Grundschüler, die drei Jahre lang mindestens 40 Minuten pro Tag draußen spielten, nachweisbar seltener eine Kurzsichtigkeit entwickelten als die Kinder der Kontrollgruppe, die das nicht taten.

Wie können wir unsere Augen schonen

Alle, die beruflich lange Zeit konzentriert am Bildschirm arbeiten, sollten ihren Augen mindestens einmal jede Stunde eine Auszeit gönnen:

  • Stellen Sie sich einen Timer und lassen Sie einmal pro Stunde den Blick aus dem Fenster in die Ferne schweifen. Oder schließen Sie die Augen für 30 bis 60 Sekunden.
  • Lüften Sie einmal in der Stunde das Büro und schauen dabei kurz aus dem Fenster. Besonders im Winter sorgt die Kombination von Heizungsluft und stundenlanger Bildschirmarbeit für trockene und müde Augen.
  • Gewöhnen Sie sich bewusstes Blinzeln an - wer hochkonzentriert am Bildschirm arbeitet, bei dem sinkt automatisch die Lidschlagfrequenz. Folge: Der Tränenfilm wird nicht mehr auf dem Auge verteilt und die Hornhaut trocknet aus.
  • Achten Sie beim Arbeiten auf eine gute Beleuchtung.
  • Gehen Sie regelmäßig zum Augenarzt und lassen Ihre Sehstärke kontrollieren. Und das ganz unabhängig davon, ob Sie bereits eine Brille tragen oder nicht.

Eltern und Großeltern: Bildschirmzeiten der Kinder begrenzen

Kinderaugen müssen besonders vor zu viel "Bildschirm" geschützt werden.

Jedes Kind sollte mindestens zwei Stunden täglich draußen spielen und damit die Augen entlasten, das ist der Tipp der Augenärzte für alle Kinder. Myopie ist erblich: Kinder, deren Eltern kurzsichtig sind, haben ein größeres Risiko, selbst kurzsichtig zu werden. Eltern, die kurzsichtig sind, sollten daher ihre Kinder so früh wie möglich beim Augenarzt untersuchen lassen. Dieser kann eine Myopie schon im ersten Lebensjahr diagnostizieren.

Kleinkinder unter drei Jahren sollten überhaupt nicht auf Bildschirme schauen oder mit Tablets spielen: "Aus augenärztlicher Sicht sind PC, Smartphone oder Tablet für Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren gänzlich ungeeignet", so Prof. Dr. Bettina Wabbels von Uni-Augenklinik Bonn. Sie empfiehlt Eltern, die Bildschirmzeiten der Kinder konsequent zu limitieren.

Diese Zeitgrenzen für Bildschirmzeit empfehlen Mediziner für Kinder:

Grundschulalter: Maximal eine Stunde
Ab zehn Jahren: Maximal zwei Stunden

Die Bildschirmzeit sollte spätestens zwei Stunden vor dem Zubettgehen enden - das gilt für Kinder und auch Erwachsene. Grund: Der Blauanteil des Lichts, das Bildschirme ausstrahlen, kann dafür sorgen, dass wir nicht in den Schlaf finden.

Augenmuskeltraining bei Kurzsichtigkeit

Die Augenmuskeln zu trainieren, das helfe gegen Kurzsichtigkeit. Wird im Internet immer wieder behauptet, doch das ist medizinisch gesehen zweifelhaft.

"Die Augenmuskeln sind auch ohne Übungen dauernd in Aktion - selbst unwillkürlich, sogar während wir schlafen - und befinden sich ohne jede zusätzliche Übung in bestem Trainingszustand. Sie können auch sehr gut entspannen, sonst wären Blickbewegungen unmöglich. Die Behauptung, durch Training der äußeren Augenmuskeln könnte ein Einfluss auf die Myopie erfolgen, ist also eine reine Irrlehre."

Berufsverband der Augenärzte/Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, Patientenbroschüre Myopie

Das blaue Display-Licht hält wach

Ob Handy, Tablet oder Laptop - Displays nutzen LEDs für die Beleuchtung. Und dieses Licht weist einen hohen Blauanteil auf. Licht und besonders blaues Licht hemmt die Melatonin-Ausschüttung im menschlichen Körper, unterdrückt also das Hormon, das uns schläfrig macht.

"Resultierend kann gesagt werden, dass Licht mit einem hohen Blaulichtanteil (...) tagsüber eine sehr positive Wirkung auf die menschliche Leistungsfähigkeit hat, in den Abendstunden jedoch vermieden werden sollte, um einen gesunden Schlafrhythmus zu wahren (alternativ warmweiße Lichtquellen oder Filtergläser für die Bildschirmtätigkeit)."

Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Wer nicht aufs Handy im Bett verzichten kann, sollte es nicht im Dunkeln benutzen.

Am besten wäre es, auf das Handy schon zwei Stunden vor dem Schlafengehen zu verzichten, wie es die Augenärzte raten. Auch Schlafmediziner empfehlen, Bildschirmarbeit im Bett unbedingt zu vermeiden.

Wer den Blauanteil des Lichts reduzieren will, der kann den Nachtmodus oder "Nightshift" bei seinem Smartphone, PC oder Tablet einstellen. Die Stärke des Blaulichtfilters ist selbst regulierbar, die Hersteller geben aber keinerlei Hinweise darauf, welche Einstellung denn empfehlenswert ist.

Blauanteil kann Makuladegeneration fördern

Der Blauanteil in LEDs kann auch eine altersbedingte Makuladegeneration fördern, eine Studie des französischen Instituts für Gesundheit und Medizinforschung aus dem Jahr 2016 belegt das. Das blaue Licht dringt direkt zur Stelle des schärfsten Sehens, eben der Makula, und löst dort Entzündungsprozesse aus, die die Sinneszellen an dieser Stelle zerstören können.

Handy im Bett nicht bei völliger Dunkelheit

Besonders gefährlich scheint es zu sein, in einer dunklen Umgebung auf den hellen Handy-Bildschirm zu sehen. Durch das geringe Umgebungslicht sind unsere Pupillen stark geweitet, das blaue Licht kann also ungehindert in unser Auge vordringen. Wer sein Handy unbedingt im Bett benutzen möchte, sollte ein zusätzliches Licht anschalten.