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Corona-Impfstoffe: Das sind die nächsten Kandidaten | BR24

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Der russische Corona-Impfstoff "Sputnik V" ist laut einer Studie hochwirksam. Die Ergebnisse stimmen somit mit den Wirksamkeitsdaten überein, die Russland bereits in einer früheren Studienphase im November gemeldet hatte.

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Corona-Impfstoffe: Das sind die nächsten Kandidaten

Bisher sind drei Corona-Impfstoffe in der EU zugelassen. Deren Hersteller liefern allerdings weniger als erwartet. Diesen Mangel könnten andere Impfstoffe beheben. Einige - wie der von Johnson & Johnson - haben es nicht mehr weit bis zur Zulassung.

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Von
  • Jan-Claudius Hanika

Die Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca sind in der EU bereits im Einsatz, doch an vielen anderen wird weiterhin geforscht. Manche stecken noch in der Entwicklungsphase, andere könnten jedoch bald einen Zulassungsantrag bei der Europäische Arzneimittel-Agentur EMA stellen oder sind schon in anderen Ländern im Einsatz.

Impfstoff aus USA/Belgien: Janssen / Johnson & Johnson

Der Impfstoff Ad26.Cov2.S von Janssen Pharmaceuticals, einem Tochterunternehmen des US-Konzerns Johnson & Johnson, ist ein Vektorimpfstoff. Die Aussichten auf eine Zulassung sind gut, gerade wurde sie beantragt. Die EU hat bereits 200 Millionen Dosen vorbestellt plus eine Option auf weitere 200 Millionen Dosen. Im Gegensatz zu Sputnik V und dem AstraZeneca-Impfstoff ist beim Janssen-Impfstoff jedoch nur eine einzige Impfdosis notwendig, um die gewünschte Wirkung zu erreichen.

Weniger wirksam gegen Südafrika-Variante

Am 29. Januar 2021 veröffentliche Janssen ein Zwischenergebnis einer Phase-III-Studie mit rund 44.000 Probanden. Demnach bietet der Impfstoff vier Wochen nach Verabreichung einen 66-prozentigen Schutz vor mittleren oder schweren Covid-19-Krankheitsverläufen. Das heißt, in der Placebo-Gruppe zeigten dreimal mehr Probanden einen mittleren oder schweren Krankheitsverlauf als bei den geimpften Probanden. Die Studie läuft in den USA, Lateinamerika und Südafrika. Dabei zeigte der Impfstoff in Südafrika eine geringere Wirksamkeit. Vermutlich liegt dies daran, dass dort die südafrikanische Variante B.1.351 des Coronavirus SARS-CoV-2 stärker verbreitet ist und der Impfstoff gegen diese weniger wirksam ist.

Die Entwicklung von Impfstoffen ist für das Unternehmen Janssen vergleichsweise neu. Erst im vergangenen Sommer brachte die Firma ihr erstes Vakzin auf dem Markt. Der Impfstoff gegen das Ebola-Fieber war der erste Vektorimpfstoff weltweit, der eine Zulassung erhielt.

Impfstoff aus Russland: Sputnik V

Sputnik V war der erste Corona-Impfstoff, der eine Zulassung erhielt. Schon im August 2020 erhielt das vom russischen Gamaleja-Forschungszentrum entwickelte Vakzin in Russland als erster SARS-CoV-2-Impfstoff weltweit eine offizielle Zulassung. Das war viele Monate vor der ersten Zulassung eines Impfstoffs in der EU. Allerdings hatten die russischen Zulassungsbehörden auf den Abschluss von Phase-III-Studien verzichtet, in denen ein Impfstoff an mehreren tausend Probanden getestet wird. Dieses Vorgehen stieß international auf scharfe Kritik und Skepsis. Russland begann im Dezember damit, Risikogruppen mit Sputnik V zu impfen. Im Januar startete eine großangelegte Impfkampagne.

Studie bestätigt hohe Wirksamkeit

Die russischen Entwickler gaben für Sputnik V eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent an. Eine unabhängige Prüfung dieser Angaben gab es jedoch lange nicht. Eine am 2. Februar 2021 in der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Untersuchung bestätigte aber diese Angaben: Das Vakzin schützte in der dritten und letzten Phase der klinischen Studien bei fast 20.000 Teilnehmern 91,6 Prozent der Probanden vor einer symptomatischen Covid-19-Erkrankung. Nach Angaben der Autoren der Studie wurde der Impfstoff von den Studienteilnehmern zudem gut vertragen. Diese Studie könnte ein erster Schritt zu einer Zulassung von Sputnik V in der EU sein.

Robuster Vektorimpfstoff

Sputnik V ist ein Vektorimpfstoff, so wie auch der Impfstoff von AstraZeneca, der bereits in der EU zugelassen ist. Das bedeutet, er kann bei Kühlschranktemperatur transportiert und gelagert werden. Die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna hingegen benötigen deutlich niedrigere Temperaturen.

Wie bei den Präparaten von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca sind auch bei Sputnik V zwei Impfdosen notwendig, um die Schutzwirkung zu erreichen. Allerdings kommen bei den beiden Impfdosen zwei verschiedene Erkältungsviren (Adenoviren) als Transportmittel (Vektor) zum Einsatz. Dies soll verhindern, dass Immunreaktionen auf das Vektor-Virus der ersten Impfdosis die Wirkung der zweiten Dosis abschwächen.

Impfstoff aus USA: Novavax

Die Vektor- und mRNA-Impfstoffe sind das Ergebnis neuartiger Methoden der Impfstoffentwicklung. Auf bereits bewährtem Prinzip basiert der Impfstoff auf Protein-Basis des US-Unternehmen Novavax. Protein-Impfstoffe enthalten einzelne Bestandteile (Proteine) des Erregers, gegen die die Impfung schützen soll. Bei SARS-CoV-2 ist dies meist das Spike-Protein, mit dem sich das Virus an Körperzellen bindet. Das Immunsystem reagiert auf die Proteine im Impfstoff, behält sie im Gedächtnis und ist vorbereitet, wenn es tatsächlich mit dem Virus konfrontiert ist. Impfstoffe auf Protein-Basis sind bereits bewährt. Auch andere Impfstoffe funktionieren auf diese Weise, beispielsweise Grippeimpfstoffe. In einer Phase-III-Studie zeigte der Impfstoff von Novavax mit der Bezeichnung NVX-CoV2373 eine Wirksamkeit von fast 90 Prozent. Eine kleinere Studie in Südafrika mit rund 4.400 Probanden zeigte eine Effektivität des Mittels von nur 49,4 Prozent. Allerdings stieg sie laut der Studie auf 60 Prozent bei den 94 Prozent der Teilnehmer, die HIV-negativ waren. Anscheinend schützt der Impfstoffkandidat von Novavax bei der bisherigen Variante sehr gut, bei den als Mutanten bezeichneten Varianten hingegen schlechter. Nach Einschätzung des Experten Amesh Adalja von der Johns-Hopkins-Universität in den USA sind aber selbst 60 Prozent Wirksamkeit noch "ziemlich gut" für ein Vakzin.

Impfstoffe aus China: Sinovac und Sinopharm

Während der russische Impfstoff Sputnik V immer wieder Aufmerksamkeit erregte, war von den Impfstoffen aus China kaum etwas zu erfahren. Dabei waren bis Ende 2020 mehr als eine Million Menschen mit diesen geimpft. Die Vakzine der Unternehmen Sinovac und Sinopharm sind sogenannte Totimpfstoffe. Dabei handelt es ich um eine schon lange bewährte Methode, mit der sich Impfstoff schnell herstellen lassen. Ein Beispiel ist der derzeit in Europa verwendete Impfstoff gegen Polio. Allerdings ist bei Totimpfstoffen ein Verstärker notwendig, um eine Immunreaktion hervorzurufen. Dieser kann auch grippeähnlichen Symptomen auslösen. Zudem sind bei Totimpfstoffen regelmäßig Auffrischungsimpfungen notwendig.

Wirksamkeit ungewiss

Zur Wirksamkeit der chinesischen Impfstoffe sind keine genauen Daten bekannt. Beim Vakzin von Sinovac schwankte die Wirksamkeit je nach Untersuchung zwischen 50 bis über 90 Prozent. Allerdings stammen diese Daten nur aus kleineren Studien. Daten aus Phase-III-Studien sind bisher nicht veröffentlicht. Beim Impfstoff von Sinopharm begann Mitte Juli eine Phase-III-Studie in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit rund 30.000 Probanden, die eine Wirksamkeit von 86 Prozent ergab. Ende Januar 2021 hat Ungarn den Impfstoff zugelassen, wie kurz zuvor schon den russischen Impfstoff Sputnik V.

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© Bayerischer Rundfunk

Eine neue Podcast-Reihe des Bayerischen Rundfunks mit Dr. Christoph Spinner vom Münchner Klinikum Rechts der Isar rund um das Thema Corona. In dieser Folge über Corona-Impfstoffe und Virus-Mutanten.