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Die Stiko empfiehlt, einmalig mit Astrazeneca Geimpften bei der Zweitimpfung einen mRNA-Impfstoff zu verabreichen. Auch eine neue Studie aus Oxford zeigt, dass durch diese Kreuzimpfung die Immunanwort verstärkt wird.

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Kreuzimpfung: Kombi von Astrazeneca und mRNA-Impfstoff empfohlen

Wer das erste Mal mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft wurde, soll als zweite Dosis einen mRNA-Impfstoff (Biontech, Moderna) erhalten. Das empfiehlt die Stiko nun auch Über-60-Jährigen. Studien zeigen die hohe Wirksamkeit der Kreuzimpfung.

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Von
  • Tanja Fieber

Am 8. Juli 2021 hat die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Empfehlungen zur Corona-Impfung angepasst und empfiehlt nun einmalig mit dem Vektorimpfstoff Vaxzevria (Astrazeneca) Geimpften, bei der zweiten Impf-Dosis einen mRNA-Impfstoff (Biontech, Moderna) zu nutzen. Das gilt auch für Menschen, die älter als 60 Jahre sind. Die Immunantwort sei nach dieser sogenannten Kreuzimpfung deutlich besser als bei der Impfung mit zwei Astrazeneca-Dosen. Außerdem kann der Impf-Abstand so von zwölf auf vier Wochen gesenkt und Menschen können schneller vollständig geimpft werden, begründet die Stiko ihre Entscheidung. Ärzte, die die Impfungen durchführen sollen, stellt die kurzfristig herausgegebene Empfehlung der Stiko vor massive organisatorische und logistische Probleme.

"Momentan sorgt die (...) von der Stiko bekannt gegebene Empfehlung, nach Astrazeneca-Erstimpfung eine Kreuzimpfung, also Zweitimpfung mit einem anderen Impfstoff, durchzuführen, für erheblichen Unmut und Zusatzaufwand in den Praxen." Martin Eulitz, Pressesprecher Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KBV)

Bis sich das Impf-Schema eingespielt hat, sollten Impfwillige Toleranz walten lassen. Kreuzimpfungen werden auch heterologe Impfungen oder Mix and Match-Impfungen genannt.

Astrazeneca nicht mehr für Menschen unter 60

Menschen unter 60 Jahren bekommen den Wirkstoff von Astrazeneca nach Angaben des Robert Koch-Instituts nur noch "nach ärztlicher Aufklärung und bei individueller Risikoakzeptanz durch den Patienten".

Empfohlen wird Vaxzevria nur für Menschen ab 60 Jahren, da bei Jüngeren das Risiko besteht, an einer sehr seltenen Nebenwirkung zu erkranken (Thrombosen in Kombination mit Thrombopenien). Aber auch die Altersgruppe ab 60 soll nun Impfstoffe kombinieren.

Kreuzimpfungen - Erkenntnisse zu Impf-Reihenfolge und -Abstand

Die Wirksamkeit von Kreuzimpfungen zeigen verschiedene Studien. Die Universität von Oxford beispielsweise veröffentlichte im Juni 2021 einen Vorabdruck zu einer Studie, in der die Forscher die Wirksamkeit verschiedener Impfstoff-Kombinationen testeten. Bei einer Kreuzimmunisierung mit dem Impfstoff von Astrazeneca (Vaxzevria) als Erstimpfung und Biontech (Comirnaty) als Zweitimpfung im Abstand von vier Wochen, gab es deutlich bessere Ergebnisse als bei zwei Impfdosen des Astrazeneca-Impfstoffs: Die Geimpften entwickelten bei der Kreuzimpfung zehnmal so viele Antikörper. Die Stiko empfiehlt ausdrücklich die Reihenfolge erst Astrazeneca-Impfstoff, dann - ab vier Wochen später - einen mRNA-Impfstoff wie Biontech. Die Immunantwort ist dann laut Stiko günstiger als bei der umgekehrten Reihenfolge (Epidemiologisches Bulletin 27, 8. Juli 2021):

"Von einer inversen heterologen Impfserie (erst mRNA, dann Vax) ist unbedingt abzusehen, da diese weniger immunogen als eine homologe Com/Com-Serie ist."

Kreuzimpfungen - Sind Impfreaktionen zu erwarten?

Unabhängig von der Impfstoff-Reihenfolge zeigten sich bei einem Impf-Abstand von 28 Tagen mehr milde bis moderate Impfreaktionen wie Fiebrigkeit, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl. Diese verschwanden ohne Komplikationen nach kurzer Zeit. Bislang wurden nur die Studienergebnisse zum Vier-Wochen-Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung veröffentlicht. Weitere Studienergebnisse sollen folgen.

Kreuzimpfung kombiniert die Vorteile von zwei Impfstoff-Typen

Kombiniert werden bei der Kreuzimpfung gewöhnlich der Vektorimpfstoff von Astrazeneca mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech. Beide Impfstoffe regen die Immunreaktion gegen das Spike-Protein von SARS-CoV-2 im Körper an, jedoch auf unterschiedliche Weise. Der Immunologe Carsten Watzl von der Technischen Universität Dortmund erklärt, was im Körper passiert:

"Der Impfstoff von Astrazeneca macht mehr T-Zellen, der von Biontech mehr Antikörper und gerade in der Kombination ist das sehr wichtig. T-Zellen sind auch Helferzellen, das heißt, sie unterstützen eine Antikörperproduktion. Und wenn ich mir durch die Astrazeneca-Impfung zuerst einmal diese Zellen induziere, dann kann das der zweiten Impfung deutlich helfen, sodass dann noch besser und noch mehr Antikörper produziert werden." Carsten Watzl, Immunologe

Mix and Match - auch mit anderen Corona-Impfstoffen

Für Wissenschaftler ist die verbesserte Impfwirkung durch eine Kreuzimmunisierung nichts Überraschendes. Immunologisch sei das keine Seltenheit, so Watzl. Watzl ist überzeugt, dass man diese Erkenntnisse auf weitere Kombinationen übertragen kann und zum Beispiel den Astrazeneca- mit dem Moderna-Impfstoff kombiniert, der auch ein mRNA-Impfstoff ist. Bislang spielt das Präparat in Deutschland jedoch kaum eine Rolle: Nur neun Prozent der in Deutschland verimpften Dosen stammen von dem amerikanischen Hersteller. Das dürfte sich aber voraussichtlich bald ändern.

Auch Dr. Christoph Spinner vom Münchner Klinikum Rechts der Isar ist sicher, dass mehr Impfstoff-Kombinationen möglich sind:

"Wir können zumindest theoretisch, nach allem, was wir heute wissen, davon ausgehen, dass es keine große Rolle spielen dürfte, ob die zweite Impfung mit Biontech oder Moderna durchgeführt wird. Und tatsächlich wird es in Deutschland in den Impfzentren ja bereits so gelebt." Dr. Christoph Spinner, Pandemiebeauftragter des Klinikums rechts der Isar
© Bayerischer Rundfunk / IQ - Wissenschaft und Forschung
Bildrechte: argum, Klinikum rechts der Isar

Eine Podcast-Reihe des Bayerischen Rundfunks mit Dr. Christoph Spinner vom Münchner Klinikum Rechts der Isar: Am 18.05.2021 geht es u.a. um Impfreaktionen bei der Kombination von Vektor- und mRNA-Impfstoff.

Wird die Impfstoff-Kombination im Ausland akzeptiert?

In der EU gelten Menschen mit einer Kreuzimpfung seit Mitte Juni 2021 als vollständig geimpft. Aber: Das gilt nur für die Kombination von in der EU zugelassenen Impfstoffen, also Impfstoffen von Astrazeneca, Biontech, Johnson & Johnson sowie Moderna. Außerdem muss die zweite Impf-Dosis mindestens zwei Wochen zurückliegen und man muss sich mit einem digtialen Impfpass ausweisen können.

Malta schert als bisher einziges EU-Land aus und akzeptiert die Kreuzimpfung seit 5. Juli 2021 nicht mehr! Menschen mit Mix and Match-Impfung müssen bei Einreise einen negativen PCR-Test vorweisen, der nicht älter als 72 Stunden ist. Das gilt nur für Reisende, die aus Ländern kommen, die auf Maltas sogenannter Amber list stehen. Deutschland beispielsweise steht auf dieser Liste.

Für Länder außerhalb der EU ist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zuständig. Von der WHO gibt es, mit Verweis auf die dünne Datenlage, noch keine offizielle Empfehlung für Kreuzimpfungen. Tipp: Vor der Reise rechtzeitig über die Corona-Regelungen im Urlaubsland informieren. Hilfreiche Links zu Tourismusverbänden und Ländergesundheitsministerien finden Sie auf den Länderseiten des Auswärtigen Amtes.

Hinweis: Der Artikel wird laufend aktualisiert.

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