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Ist ein Vollbart unhygienisch? | BR24

© colourbox.com, Montage: BR

Was in Hipster-Vollbärten so kreucht und fleucht

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Ist ein Vollbart unhygienisch?

Vollbärte sind schon länger wieder in - doch nicht jede(r) kann sich mit der Vollbehaarung im Gesicht anfreunden. Lauern in dem Dickicht womöglich Bakterien, die beim Küssen den Aufenthaltsort wechseln und krank machen können?

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Sie sind wieder in, die buschigen – mal mehr, mal weniger – gepflegten Vollbärte. Nicht jedermann oder jede Frau kann sich mit der Gesichtsbehaarung anfreunden, vor allem nicht, wenn mittags noch zu erkennen ist, was "Mann" zum Frühstück verspeist hat. Dabei sind Brötchenkrümel oder Marmeladenklekse womöglich noch das Appetitlichste, was in dem Dickicht zu finden ist.

Was ist dran an Bakterien im Vollbart?

Liegt die Gefahr nicht vielmehr in fiesen Kleinstlebewesen – zum Beispiel Fäkal-Bakterien oder Grippeviren? Und die beim Küssen übertragen werden? Zu diesem Schluss kam vor Jahren zumindest eine amerikanische Ministudie, die dann hartnäckig und oft aufgegriffen und mit ihr das Ekelgefühl verbreitet wurde. Wie sich in anderen Studien und Tests herausgestellt hat, tut man den verunglimpften Vollbartträgern unrecht – zumindest den gepflegten.

Vollbärtiges Versuchskaninchen

Leon, ein Vollbartträger, der seinen Bart selber als gepflegt einschätzt, hat sich dem Bayerischen Rundfunk als Versuchskaninchen zur Verfügung gestellt. Am Mikrobiologischen Institut der Uniklinik Erlangen wurden bei ihm einige Abstriche gemacht – aus dem Backenbart, am Kinn und aus dem Oberlippenbart.

Das Ganze wurde auf unterschiedliche Nährböden in Petrischalen aufgetragen, sodass unterschiedliche Keimarten abgegriffen werden konnten. Die Bakterienkulturen wurden so unter Laborbedingungen vermehrt.

Jede Menge Bakterien auf der Haut

Nach einer Woche das Resultat: Schon mit bloßem Auge lassen sich die Bakterienkulturen in den Petrischalen erkennen. Tatsächlich tummeln sich jede Menge Erreger im Bart und auf der Haut. Aber wie setzt sich die Bakterien-Flora zusammen? Finden sich Fäkalkeime oder andere krankmachende Erreger?

Das Ergebnis: Auf der Haut wimmelt es von Staphylococcus Epidermidis. Aber das sind ganz normale Keime, die auf jeder – auch babyzarter – Haut sind und die da auch hingehören.

Daneben findet sich aber auch der Erreger Staphylococcus Aureus, der nicht zur normalen Hautflora gehört. Er kommt normalerweise in der Mundhöhle auf der Schleimhaut vor. Da verwundert es nicht, dass er auf dem Oberlippenbärtchen zu finden ist. Staphylococcus Aureus gehört zwar zur normalen Besiedlungsflora der Schleimhaut, kann aber auch krank machen und zum Beispiel Haut- und Weichgewebsinfektionen hervorrufen.

Das Ergebnis trifft auf gepflegte Bärte zu

Auf jedem Quadratzentimeter Haut leben tausende Mikroorganismen. Die meisten sind harmlos. Manche jedoch - etwa bestimmte Streptokokken und Staphylokokken - können auch Krankheiten und Entzündungen auslösen. Und die gelangen häufig durch ungewaschene Hände ins Gesicht. Die Pflege bei Vollbärten ist schwieriger, als sich nur schnell das Gesicht zu waschen. Beim Einschäumen muss darauf geachtet werden, dass die reinigende Seife oder das Shampoo auch bis auf die Haut gelangt.

Der Vollbart ist rehabilitiert

Wer also gerne seinen Bart zwirbelt oder darüber streicht: Regelmäßiges Händewaschen nicht vergessen, sonst landen nach dem Toilettengang oder nach der U-Bahnfahrt tatsächlich Fäkalkeime oder Grippeviren im Bart und Gesicht. Das gilt allerdings genauso für glattrasierte Männer. Denn auch sie fassen sich häufig ins Gesicht. Kein Wunder also, dass die Zahl der Keime bei allen Männern fast identisch ist.

Händewaschen nicht vergessen

Die Angewohnheit, sich häufig ins Gesicht zu fassen, haben natürlich auch Frauen. In einer kalifornischen Studie aus dem Jahr 2008 berührten die Probanden durchschnittlich 15,7 Mal pro Stunde ihr Gesicht. Dabei können eine Menge Bakterien übertragen werden, die man zuvor auf Flächen wie Türklinken, Tastaturen, U-Bahnhaltegriffen oder auf der Toilette aufgesammelt hat. Deswegen ist das Händewaschen der beste Schutz vor Infektionen - egal ob für Mann oder Frau.

© BR

Welche Keime tummeln sich im Bart?