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OECD-Studie: Berufseinstieg klappt in Deutschland gut | BR24

© Picture alliance/Lev Dolgachov

Im internationalen Vergleich punktet das deutsche Ausbildungssystem mit betrieblicher und schulischer Ausbildung.

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    OECD-Studie: Berufseinstieg klappt in Deutschland gut

    Deutsche Jugendliche steigen vergleichsweise schnell und erfolgreich ins Berufsleben ein. Die OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2020", die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, gibt Deutschland generell gute Noten für das Bildungssystem.

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    Der diesjährige Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz OECD, legt den Schwerpunkt auf die berufliche Bildung. Der Bericht "Bildung auf einen Blick 2020" vergleicht die Bildungssysteme in 37 OECD-Staaten und zusätzlich in neun weiteren Ländern, darunter Argentinien, Brasilien, China und Russland.

    OECD lobt duales Ausbildungssystem in Deutschland

    In vielen Ländern der Welt findet die berufliche Vorbereitung in Schulen oder akademisierten Programmen statt. In Deutschland ist das anders: Es gibt das duale Ausbildungssystem, das Jugendliche in Betrieben und an Berufsschulen gleichermaßen ausbildet. Der Studie zufolge haben 77 Prozent der beruflich qualifizierten 25 bis 34-Jährigen eine duale Ausbildung absolviert. Das erleichtert einen raschen Einstieg ins Berufsleben und eine dauerhafte Beschäftigung.

    Die Perspektiven für junge Menschen mit einem beruflichen Abschluss sind in Deutschland so gut wie in fast keinem anderen OECD-Land. Die Beschäftigungsquote für die 25- bis 34-Jährigen mit mittleren Qualifikationen liegt mit 88 Prozent über dem OECD-Durchschnittswert (82 Prozent). OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2020"

    Berufliche Bildung als sichere Basis während der Coronakrise

    In der Coronakrise zeigt sich, welche Qualifikationen für eine Gesellschaft besonders wichtig sind: "Insgesamt funktioniert die Abstimmung zwischen Bildung und Arbeitsmarkt gut und der Übergang ins Erwerbsleben klappt", lobt der OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher.

    Beim Eintritt in die Erholungsphase nach der Coronapandemie gilt es, die Rolle zu überdenken, die Bildungssysteme - insbesondere die berufliche Bildung - für die Stärkung der Resilienz von Gesellschaften spielen. Die berufliche Bildung kann bei der Ausbildung von Beschäftigten im Gesundheitswesen, in der Kinderbetreuung, im verarbeitenden Gewerbe oder in der Landwirtschaft eine unterstützende Rolle spielen; sie alle haben während der Pandemie wichtige Dienste für die Gesellschaft erbracht. OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2020"

    Deutschland bekommt generell gute Noten für sein Bildungssystem

    Das duale Ausbildungssystem Deutschlands steht im internationalen Vergleich gut da. Außerdem ist der Bereich berufliche Weiterbildung überdurchschnittlich gut entwickelt. Auch die Anzahl der Studienabschlüsse in den MINT-Fächern ist in Deutschland vergleichsweise hoch.

    Laut OECD-Studie liegen die Bildungsausgaben in Deutschland im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwar unter dem OECD-Schnitt: 2017 gab die Bundesrepublik 4,2 Prozent des BIP dafür aus (OECD-Schnitt 4,9 Prozent). Allerdings waren die Pro-Kopf-Ausgaben pro Bildungsteilnehmer höher als in den meisten anderen Ländern: insgesamt jeweils 13.529 Dollar (OECD-Schnitt: 11.231 Dollar).

    Bei frühkindlicher Bildung hat Deutschland aufgeholt

    Positive Noten bekommt Deutschland auch für die frühkindliche Bildung: In Deutschland kommen demnach auf jede pädagogische Fachkraft, die in diesem Bereich arbeitet, fünf Kinder, gegenüber sieben Kindern im Durchschnitt der OECD-Länder. 2018 besuchten in Deutschland 41 Prozent der Einjährigen Einrichtungen wie Krippen oder eine Kindertagespflege. Damit liegt Deutschland deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 34 Prozent. Bei den Zweijährigen waren es sogar 67 Prozent (21 Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt).

    Die Betreuungsrelation in der frühkindlichen Bildung und Betreuung ist in Deutschland mit 5 Kindern bei den 0- bis 3-Jährigen bzw. 9 Kindern bei den 3- bis 6-Jährigen je Erzieher/in deutlich günstiger als im OECD-Durchschnitt mit 7 bzw. 14 Kindern. OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2020"

    Schulschließungen als längerfristiges Problem

    14 Wochen lang waren Schulen im OECD-Vergleich durchschnittlich geschlossen. In Deutschland war die Zeit nach dem Lockdown wegen Corona noch länger: etwa 17 Wochen gab es an den meisten Schulen keinen Präsenzunterricht. Das wird künftige Leistungen der Schüler beeinträchtigen, fürchten die Bildungsexperten: Lange Schulschließungen seien zwar notwendig gewesen, doch ihre Kosten für die Einzelnen und die Gesellschaft seien sehr hoch.

    "Die Lernverluste während der Schulschließung können für die Corona-Generation ein Minus von drei Prozent beim Lebenseinkommen bedeuten und sich bis zum Ende des Jahrhunderts auf Hunderte Milliarden Euro an Verlusten summieren.“ OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher

    Schwachpunkte: Erziehermangel und Digitalisierung

    In Deutschland besteht weiterhin ein akuter Fachkräftemangel für den Erzieherberuf. Das Ziel sei auch, so die OECD-Studie, "mehr männliches Betreuungspersonal zu gewinnen". Außerdem herrsche in Deutschland bei digitalen Lernplattformen Nachholbedarf.

    Die aktuelle Krise stellt unsere Fähigkeiten, auf grundlegende Störungen zu reagieren, auf die Probe. Jetzt ist es an uns, als Lehre daraus unsere Gesellschaften widerstandsfähiger zu machen. OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2020"

    Es gehe darum, die entsprechenden Ausbildungswege "fit für das 21. Jahrhundert" zu machen". Dazu gehöre auch, "die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, um neue Lernangebote zu schaffen - nicht nur dann, wenn uns eine Krise dazu zwingt", so der OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher.

    Insgesamt aber greifen Bildung und Arbeitsmarkt in Deutschland gut ineinander, so die OECD-Experten. Die Coronakrise könnte deshalb in Deutschland weniger Spuren hinterlassen als in anderen Ländern.

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