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Nein, Mais ist nicht besser fürs Klima als Bäume | BR24

© dpa picture alliance

Ein abgeerntetes Feld vor einem Wald

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    Nein, Mais ist nicht besser fürs Klima als Bäume

    Die These sorgt für Debatten in den sozialen Netzwerken: der Anbau von Kulturpflanzen wie Mais könne CO2 wirkungsvoller reduzieren als Wald. Der #Faktenfuchs hat nachgerechnet - und erklärt, warum gerade junger Wald deutlich besser für das Klima ist.

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    Schafft es die Welt mit mehr Bäumen, den Klimawandel abzuschwächen? Eine aktuelle Studie der ETH Zürich zeigte kürzlich, wie viel Potenzial es für Aufforstung auf der Erde gibt, um CO2 zu binden. Kritiker halten zwar die Schlussfolgerung der Studienautoren für übertrieben, dass etwa zwei Drittel des seit der Industrialisierung abgegeben Kohlenstoffs aus der Atmosphäre genommen werden könnte, wie die Süddeutsche Zeitung schrieb. Aber die Untersuchung gilt trotzdem als gut gemacht - und als ein weiterer Baustein im Kampf gegen den Klimawandel.

    Wer Bäume pflanzt, tut Gutes, da sie über die Photosynthese Kohlenstoffdioxid binden und Sauerstoff produzieren - deshalb pflanzen auch einige Kommunen sogenannte Klimabaum-Alleen, zum Beispiel Würzburg. Dennoch, manche zweifeln daran, dass mehr Bäume wirklich das richtige Mittel sind, um den Klimawandel zu verlangsamen.

    Braucht die Welt mehr Bäume?

    Die Skepsis mancher zeigte eine Debatte unter BR24-Nutzern in den Facebook-Kommentaren unter einem Artikel zum neuen Artenschutzgesetz , das infolge des "Volksbegehrens Artenvielfalt" im Landtag Thema war. Mehrere bayerische Bauern hatten deshalb ihre Obstbäume gefällt. Sie wollten verhindern, dass diese mit dem Gesetz unter Artenschutz gestellt würden. Eine Leserin schreibt, gerade Landbesitzer trügen Verantwortung angesichts des Klimawandels - und es brauche mehr Bäume statt weniger. Ein anderer Leser hält dagegen: Landwirtschaftliche Kulturpflanzen leisteten mehr Photosynthese und produzierten daher mehr Sauerstoff als Bäume. Wieso also statt Bäumen nicht lieber Kulturpflanzen anbauen, fragt er?

    © BR Grafik / Facebook

    Kommentar auf BR24-Facebook

    Die Behauptung, mehr Kulturpflanzen seien besser fürs Klima als mehr Bäume, ist richtig und falsch zugleich. Wenn es um die Frage geht, möglichst wirksam den Klimawandel zu bremsen, spielt die Leistung der jeweiligen Pflanzen eine wichtige Rolle, Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre zu ziehen und dieses langfristig zu speichern.

    Mais kann kurzfristig mehr CO2 binden als ein Baum

    Es gibt Pflanzen, deren Photosynthese – also die Nutzung von Kohlenstoffdioxid zum eigenen Wachstum und zur Sauerstoff-Produktion – effizienter abläuft als bei Bäumen. Das sind sogenannte C4-Pflanzen, vor allem tropische Gräser. Dazu zählen Zuckerrohr oder Mais. Bäume hingegen zählen zu den C3-Pflanzen.

    💡 Was ist Photosynthese?

    Vereinfacht gesagt verwandeln bei der Photosynthese grüne Pflanzen mit Hilfe von Licht CO2 und Wasser in Glucose oder Stärke. Sie binden dabei CO2, das sonst in der Atmosphäre verbliebe, und geben zugleich Sauerstoff ab.

    Es gibt dabei unterschiedliche Mechanismen. Wir betrachten hier die C3- und die C4-Photosynthese. Die meisten grünen Pflanzen arbeiten mit dem C3-Mechanismus, wie Bäume. Im Laufe der Evolution entwickelten sich aber auch C4-Pflanzen, die den Kohlenstoff auf effizientere Art fixieren. Sie können - anders als C3-Pflanzen - auch bei heißem und trockenem Wetter gut Photosynthese betreiben.

    "Viele C4-Pflanzen können - als einzelne Pflanze an einem einzelnen Tag und bezogen auf die bedeckte Bodenfläche - eine höhere CO2-Fixierung leisten als ein Baum", sagte der Biologe und Präsident der Deutschen Botanischen Gesellschaft Karl-Josef Dietz gegenüber BR24. Um die Leistung zum Beispiel einer einzelnen Maispflanze mit der eines viel größeren einzelnen Baums zu vergleichen, muss man sie in Bezug setzen zu der Bodenfläche, die sie jeweils bedecken.

    "Vor dem Hintergrund des Klimawandels ist aber nicht die Tagesbilanz entscheidend, sondern wie viel CO2 ein Bestand längerfristig festlegt. Und da schafft Mais mit seiner Bilanz nichts" Karl-Josef Dietz.

    Entscheidend ist die langfristige Perspektive

    Der Ertrag eines Maisfelds, das nur einen Sommer lang steht, wird in der Regel verfüttert oder in Biogasanlagen verwertet wird. Dabei entsteht allerdings wieder CO2, erklärt der Biologe. Es leiste daher langfristig keinen Beitrag zur dauerhaften CO2-Reduzierung der Atmosphäre. "Der Wald hingegen schon."

    Auch Jürgen Augustin, Agraringenieur am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), bestätigt, dass Wald langfristig mehr fürs Klima bringt: Auf einer Ackerfläche sorgten Pflanzen zwar ebenfalls für eine Aufnahme von CO2 aus der Luft, aber längerfristig könne das CO2 nur im Boden gespeichert werden - weil eine Maispflanze nur kurz lebt, zersetzt oder verwertet wird. "Ziehen wir nach einem Jahr Bilanz, dann ist der Nettoeffekt ungefähr plus minus Null." Das heißt: Selbst wenn der Ertrag eines Feldes nicht verfüttert oder anders verwertet wird, zersetzen Bodenorganismen die Pflanzenreste. Sie produzieren dabei ungefähr so viel CO2, wie die Pflanzen vorher aus der Atmosphäre entzogen haben.

    "Die CO2-Aufnahme im Zuge der Photosynthese kann zwar bei Mais viel höher sein als bei einem Baum", sagte Augustin. Aber die Bilanz eines Waldes sei über Jahrzehnte hinweg gesehen günstiger, vor allem bei einem jungen, wachsenden Wald – solange das Holz nicht verbrannt wird.

    Fazit: Langfristig ist Wald besser fürs Klima als Mais

    Manche Kulturpflanzen können durch ihre höhere Photosynthese-Leistung mehr Sauerstoff produzieren und auch mehr CO2 binden als ein Baum. Dies gilt zum Beispiel bei Mais - bezogen auf einen Tag und auf die von den Pflanzen bedeckte Bodenfläche. Doch die Lebensdauer von Mais ist kurz, und durch die Verwertung wird wieder CO2 produziert. Bezogen auf seine langfristige Bilanz ist Wald daher besser geeignet, um der Atmosphäre CO2 zu entziehen - und somit den Klimawandel zu verlangsamen.