BR24 Logo
BR24 Logo
Wissen

Fettleibigkeit: Warum wir dick werden | BR24

© picture alliance/Geisler-Fotopress

Unsere Ernährung ist nur ein Faktor, der uns dick werden lässt.

Per Mail sharen

    Fettleibigkeit: Warum wir dick werden

    Wer gerne schlemmt und faul auf der Couch sitzt, wird dick. Doch so einfach ist es nicht. Jeder kennt Menschen, die auf ihre Ernährung achten, sich bewegen und trotzdem dick werden. Denn für die Fettpölsterchen gibt es noch andere Ursachen.

    Per Mail sharen

    In Deutschland gilt mittlerweile über die Hälfte aller Menschen als übergewichtig, das heißt, ihr Body-Mass-Index ist über 25. Laut Statistik wiegen wir heute im Schnitt sechs Kilo mehr als noch 1985. Und das hat Folgen, denn Übergewicht kann Ursache sein für Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauferkrankungen oder sogar Krebs. Einfach eine Diät machen hilft aber den meisten Betroffenen nicht – denn die Ursachen für Übergewicht sind vielfältig.

    Dicke Schwangere – dickes Kind?

    Übergewicht in der Schwangerschaft hat Auswirkungen auf das ungeborene Kind, vor allem, wenn die Mutter zugleich auch noch Schwangerschaftsdiabetes hat. Denn so ist ihr Blutzucker erhöht und der überschüssige Zucker wird vom Kind aufgenommen. Der Zucker wird so in Fett umgewandelt und lagert sich ein.

    Oft haben diese Babys auch ein erhöhtes Gewicht bei der Geburt, vier bis viereinhalb Kilo. Das Problem: Rund 30 Prozent dieser Kinder behalten das Übergewicht auch dauerhaft und einige entwickeln sogar später selbst Diabetes.

    Dünne Schwangere – dickes Kind?

    Lieber zu dünn als zu dick in der Schwangerschaft? Kommt darauf an, wie dünn. Es konnte nämlich mittlerweile auch bewiesen werden, dass Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft zum Beispiel gehungert haben, als Erwachsene ebenfalls dick werden. In Südostasien konnte man das zeigen, oder auch in den Niederlanden oder England, als zu Kriegszeiten zu wenig Essen da war. Der Grund hier: Epigenetik. Dabei werden bestimmte Gene an- oder abgeschaltet - gesteuert durch die Umwelt. In diesem Fall will sich der Körper der Kinder so auf zukünftige Hungersnöte einstellen, die dann aber nicht mehr auftreten.

    Die Gene bestimmen das Gewicht

    Unsere Erbanlagen bestimmen zur Hälfte, wie viel wir wiegen. Sie steuern zum Beispiel, wie gut oder schlecht wir Fett einlagern können, wann wir Hunger bekommen und wie viel Energie wir verbrauchen. Das konnten auch Studien mit Zwillingen zeigen, die in verschiedenen Familien aufgewachsen sind. Sie waren sich im Gewicht dennoch sehr ähnlich.

    Umwelthormone machen dick

    In der Umwelt gibt es Stoffe, die wie Hormone wirken können, sie heißen auch "endokrine Disruptoren". Weichmacher in Plastik, Bisphenol A oder Bestandteile von Pestiziden ähneln dem Östrogen und können dick machen. Auch Schimmelpilze, die in Brot oder Müsli vorkommen, können ähnlich wie Östrogene wirken. Die Folge: Stammzellen entwickeln sich häufiger in Vorstufen von Fettzellen. So legt man den Grundstein für Übergewicht, vor allem bei Mädchen.

    Im Alter wird man dicker

    Es betrifft Frauen und Männer gleichermaßen: Im Alter wird man lästige Fettpölsterchen schlechter los als bei jungen Menschen. Das konnte auch eine Studie aus Schweden zeigen. Dabei wurde den Teilnehmern zweimal im Laufe von 13 Jahren eine Probe des Fettgewebes entnommen. Am Ende waren alle Testpersonen rund 20 Prozent schwerer als am Anfang.

    Besonders gefährlich dabei: Bauchfett. Hier bilden sich kleine Entzündungen, die wiederum dazu führen können, dass Diabetes Typ 2 entsteht.

    Hormonveränderungen führen zu Übergewicht

    Zwei Hormone beeinflussen unser Körpergewicht maßgeblich: das Schilddrüsenhormon und Cortisol. Ist zu wenig vom Hormon der Schilddrüse vorhanden, kann das zu Übergewicht führen. Denselben Effekt hat zu wenig Cortisol im Körper.

    Sag‘ mir, wo du wohnst

    Je nachdem, wo man wohnt, sind die Menschen dicker oder dünner. Das konnte auch eine Studie im Jahr 2019 zeigen, bei der Daten von 112 Millionen Menschen weltweit ausgewertet wurden: Bei Landbewohnern ist der Body-Mass-Index demnach höher als bei Städtern. Darüber hinaus sind Menschen in ärmeren Vierteln häufig dicker als in wohlhabenden Siedlungen. Das liegt daran, dass zum Beispiel Stress, Schlafmangel, Schichtarbeit oder Unsicherheit im Job indirekt zu Fettleibigkeit führen. In Gegenden, in denen Fastfood billiger ist als frisches Gemüse, sind die Menschen auch dicker.

    Fazit: Es ist komplex

    Klar ist: Nur, weil jemand mehr Energie zu sich nimmt, als er verbraucht, wird er nicht dick. Gerade die sozialen Faktoren wie Armut müssen im Kampf gegen Übergewicht mit bedacht werden. Nur wenn man das Problem Übergewicht ganzheitlich angeht, wird man es in Zukunft auch in den Griff bekommen.

    Podcast-Tipp: Sie wollen mehr über das Thema "Fettleibigkeit - Warum wir dick werden" hören? Hier ist die Podcast-Folge dazu.