Gesundheitstag


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Body Mass Index Welches Fett muss weg?

Ein kleiner Bierbauch, ein paar Pölsterchen um Po und Hüften - ist das schon Fettleibigkeit? Krankhaftes Übergewicht kann schwere Folgeerkrankungen nach sich ziehen: Bluthochdruck, Herzleiden und Diabetes, aber auch Formen von Krebs treten auf. Oft kommen Probleme mit dem Rücken und den Gelenken dazu. Doch ab wann werden überschüssige Kilos gefährlich?

Von: Veronika Keller

Stand: 12.05.2019

BR Gesundheitstag 2019: Tu was für deine Figur! | Bild: BR/ Sylvia Bentele

Mediziner haben verschiedene Möglichkeiten, die Figur eines Menschen aus gesundheitlicher Sicht zu beurteilen. Ein populäres, aber nicht ganz unproblematisches Instrument dafür ist der Body Mass Index, kurz BMI.

Einfach, aber umstritten: der Body Mass Index

Die Formel ist recht simpel: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch (Körpergröße in Metern) zum Quadrat.

Aber wie aussagekräftig ist der Wert, den man so berechnet? Grundsätzlich gelten laut WHO-Empfehlungen Menschen mit einem BMI ab 25 als übergewichtig. Von Adipositas, also Fettleibigkeit, spricht man ab einem BMI von 30. Welchen Wert man anstreben sollte, hängt aber zusätzlich vom Alter und vom Geschlecht ab. Für Kinder gibt es zum Beispiel spezielle BMI-Tabellen, aber auch bei älteren Menschen gelten eigene Werte.

Das Problem am BMI: Er ist sehr pauschal und nimmt keine Rücksicht darauf, woher das Gewicht eines Menschen kommt – ob von der Fett- oder Muskelmasse.

Menschen, die, wie zum Beispiel Bodybuilder, über sehr viel Muskelmasse verfügen, haben einen hohen BMI – sind aber nicht von Fettleibigkeit betroffen. Um eine verlässliche Aussage über den Gesundheitszustand einer Person zu treffen, muss man also über den BMI hinaus den individuellen Fall und den Lebensstil der Person berücksichtigen, aber auch die Fettverteilung am Körper.

Welches Fett muss weg?

Bei der Gefahr, die von Übergewicht ausgehen kann, ist eines wichtig zu wissen: Fett ist nicht gleich Fett. Entscheidend ist die Fettverteilung, also der Bereich, in dem es sich am Körper befindet.

Man unterscheidet Apfel- und Birnentypen. Der Apfel steht für eine Fettverteilung, die sich auf die Körpermitte, also auf den Bauch konzentriert. Das ist eher bei Männern der Fall. Frauen neigen stärker zur Fettanlagerung um Hüften und Po. Bei solchen Birnentypen herrscht eher das subkutane Fett vor, das direkt unter der Haut über den Muskeln liegt.

Bei Apfeltypen überwiegt dagegen das viszerale Fett. Es liegt unter den Muskeln, zwischen den Organen und um die Organe herum. Dieses Fett gilt als deutlich gefährlicher als das Unterhautfett, denn es beeinflusst den Hormonhaushalt des Körpers und kann Entzündungsreaktionen hervorrufen.

Gefährliche Zentimeter: der Bauchumfang

Wo genau das Fett eines Menschen liegt, lässt sich nur mit aufwändigen bildgebenden Verfahren feststellen. Einen guten Anhaltspunkt liefert aber auch schon der Bauchumfang. Liegt der Body Mass Index über dem Normalbereich, empfiehlt es sich, diesen zusätzlich zu messen.

Wie geht das? Man stellt sich mit freiem Oberkörper aufrecht hin und legt ein Maßband um die Taille, genauer an die Stelle zwischen der untersten Rippe und der Oberkante des Hüftknochens. Das ist in etwa auf Höhe des Bauchnabels. Die Zahl, die man beim entspannten Ausatmen abliest, gilt. Ist sie höher als 80 cm (bei Frauen) bzw. 94 cm (bei Männern), besteht ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Ab 88 cm (bei Frauen) bzw. 102 cm (bei Männern), ist das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen sogar stark erhöht.

Wer sich davor schützen möchte, sollte aktiv werden: Ausdauersport und eine Ernährungsumstellung steigern nicht nur die Lebensqualität, sondern halten auch gesund. Wer seinen Lebensstil nicht im Alleingang ändern kann, bekommt Unterstützung bei Ernährungsmedizinern und –beratern.


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