Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Ursprung Knochenmark Die Stammzelle als Mutter der Blutzellen

Im Knochenmark fängt alles an. Dort, also im Innenraum der Knochen, sitzen die sogenannten Stammzellen. Von ihnen gibt es nur sehr wenige. Sie sind der Ursprung verschiedenster anderer Zellen – zum Beispiel Blutzellen.

Stand: 02.01.2017

Knochenmark | Bild: picture-alliance/dpa

Je nach Bedarf können sich die Stammzellen teilen. Dann ergeben sich die sogenannten Vorläuferzellen. Ebenso wie die Stammzellen sind auch diese noch undifferenziert. Das bedeutet, dass sie noch nicht so spezialisiert, also auf eine bestimmte Aufgabe ausgerichtet sind. Wie viele solche Zwischenstufen es gibt, weiß man nicht genau, weil sie sich je nach Bedarf häufiger oder seltener teilen, um zu Blutzellen zu reifen.

Röhrenknochen voran

Die Blutbildung findet beim Menschen im Jugendalter hauptsächlich im Knochenmark der großen Röhrenknochen statt, also in Ober- und Unterarmknochen sowie in Elle, Speiche, Schien- und Wadenbein. Im späteren Erwachsenenalter findet sie teilweise auch in flacheren Knochen statt wie zum Beispiel im Brustmark an der Vorderseite des Brustkorbs oder bei den Schädelknochen in der Schädeldecke. Knochenmark besteht neben den blutbildenden Arealen auch aus Fettmark. Sobald aber der Bedarf nach mehr Blut besteht, kann sich das Fettmark relativ schnell in blutbildendes Mark umwandeln.

"Das Faszinierende ist, was man in den letzten zwei Jahrzehnten gelernt hat, dass die Stammzellen, die sich im Knochenmark befinden – wenn auch nur zu einem kleinen Teil –, stetig wandern. Sie durchwandern unseren Organismus über die Blutbahn, und das ist vermutlich die Grundlage dafür, dass sie sich im Bedarfsfall an anderen Stellen des Körpers ansiedeln können und sogenannte Nester der Blutbildung bilden können."

Prof. Reinhard Henschler, ehem. Leiter der Abteilung Transfusionsmedizin des Klinikums der LMU

Blutbildende Organe

Etwa 6.000 Deutsche spenden jedes Jahr Knochenmark

Beim heranwachsenden Embryo und Fetus im Mutterleib werden die Blutzellen noch nicht über das Knochenmark gebildet. Stattdessen übernimmt diese Aufgabe größtenteils die Leber. Erst etwa um die Zeit der Geburt verlagert sich die Blutbildung in die Knochen. Besonders erstaunlich: Wenn aufgrund von Erkrankungen wie zum Beispiel der Knochenmarkfibrose, bei der die Knocheninnenräume zerfasern, die Blutbildung im Knochenmark gestört ist, können auch noch im Erwachsenenalter wieder Organe wie Leber oder Milz zur Blutbildung einspringen.

"Unser blutbildendes System reagiert auf Wechsel der Lebensgewohnheiten oder auch der Umgebung; wenn wir uns zum Beispiel im Gebirge nach oben bewegen, wird die Bildung der roten Blutkörperchen angeregt, um den niedrigeren Sauerstoffgehalt der Luft auszugleichen. Deshalb kann man nach sieben bis zehn Tagen beim Menschen eine vermehrte Bildung von roten Blutzellen feststellen. Und man fühlt sich nach einem Urlaub im Gebirge erfrischt und gestärkt."

Prof. Reinhard Henschler, ehem. Leiter der Abteilung Transfusionsmedizin des Klinikums der LMU


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