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#faktenfuchs: Warum stechen Mücken manche Menschen lieber? | BR24

© pa/dpa/Lehtikuva Jaakko Avikainen

Mit Blut vollgesaugte Stechmücke

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    #faktenfuchs: Warum stechen Mücken manche Menschen lieber?

    Über die Mückenplage am Ammersee beschweren sich viele. Da leben auch Mythen wieder auf: Männer treffen Stiche eher als Frauen und Ernährung macht den Unterschied. Ein #faktenfuchs zum Forschungsstand.

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    Die vielen Mücken rund um den Ammersee rauben derzeit vielen die Ruhe. Gerade musste ein Fußballer sogar ins Krankenhaus, nachdem er nach eigener Zählung mindestens 460 Stiche abbekam. Der Mann sagte der Augsburger Allgemeinen, es erwische in einem Raum mit fünf Menschen und einer Stechmücke immer ihn.

    It's the Körpergeruch, stupid!

    Tatsächlich sind manche Menschen für Mücken attraktiver als andere. Und zwar, darin sind sich die meisten Forscher einig, durch den individuellen Körpergeruch eines jeden Menschen. Die Frage ist: Was bestimmt diesen persönlichen Duft?

    Die Antwort: verschiedene Faktoren. Der grundlegendste Faktor, von dem Wissenschaftler vermuten, dass er den Körpergeruch mitbestimmt, sind die Gene.

    Gene bestimmen Körperduft

    Das fanden 2015 die Forscher um James Logan von der London School of Hygiene and Tropical Medicine heraus. Nach ihrer Untersuchung an eineiigen und zweieiigen Zwillingen schlossen sie, dass das Erbgut vermutlich den Körpergeruch beeinflusst. An der Studie nahmen 18 eineiige - somit genetisch weitgehend identische - und 19 zweieiige weibliche Zwillingspaare teil, deren Gene sich wie das anderer Geschwister unterscheidet. Die Mücken mochten die eineiigen Zwillinge ähnlich gern - die zweieiigen waren unterschiedlich beliebt. Welche Gene allerdings entscheidend sind, blieb bislang ungeklärt. Und ebenso welche genetisch bedingten Eigenschaften eines Menschen dann den Körpergeruch so beeinflussen, dass er für Mücken verlockend ist.

    Lockt Mücken das "süße Blut"?

    Eine davon könnte die erblich veranlagte Blutgruppe sein. Denn einer japanischen Studie von 2004 zufolge findet eine bestimmte Mückenart Menschen mit Blutgruppe 0 attraktiver als andere, wenn die Personen zugleich über die Haut eine entsprechende Signal-Substanz absondern. Allerdings schreiben die Forscher selbst, dass ihre Studie die These statistisch nicht besonders stark stütze, dass Mücken bestimmte Blutgruppen bevorzugen.

    Der Zuckergehalt im Blut spielt jedenfalls keine Rolle, sagt Norbert Becker. Der Privatdozent an der Universität Heidelberg für Ökologie und medizinische Entomologie ist auch wissenschaftlicher Direktor der KABS, der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage am Oberrhein, und viel befragter Experte in Deutschland.

    Hautduft und Atemluft zieht Mücken an - je nach Zusammensetzung

    Wichtige Bestandteile des persönlichen Dufts eines Menschen sind Abbauprodukte der Fettsäuren in der Haut zu Milchsäure, Buttersäure, Aminosäuren, sagt Becker gegenüber BR24. Vor allem aber locke das Kohlendioxid der Atemluft Mücken an.

    Stehen die Gerüche der Haut und des Atems insgesamt im richtigen Verhältnis zueinander, finden Mücken das attraktiv - oder auch abschreckend, wie Andreas Rose von der Regensburger Firma Biogents sagt. Der Biologe forschte früher an der Universität Regensburg und gründete dann das Unternehmen, das Mückenfallen herstellt.

    Weltweit beschäftigen sich immer wieder Forscher mit Mücken und ihren Präferenzen für bestimmte Menschen - in der Hoffnung, dass man die Faktoren beeinflussen könne. Vor allem, um die Ausbreitung durch Mücken übertragbarer Krankheiten einzudämmen.

    Für ihre Studien suchen sich die Forscher unterschiedliche Mückenarten aus - was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf alle Stechmücken jeweils einschränkt. Dennoch erwiesen sich bestimmte Gruppen in den einzelnen Untersuchungen - für die jeweilige Art - als bevorzugte Mücken-Opfer, wie die Forschergruppe um Logan aus London in ihrer Zusammenfassung des Forschungsstands schreiben.

    © BR Bild / dpa picture alliance

    Mücken schwirren in der Luft

    Schwangere werden eher gestochen - und Schwitzende

    So lassen sich Mücken lieber auf Schwangeren als auf Nicht-Schwangeren nieder, wie Wissenschaftler aus Durham in Großbritannien und aus Gambia zeigten. Oder auf Malaria-Kranken, laut einer Studie von Franzosen und Kenianern. Auch Menschen mit größerem Körperumfang scheinen einer Untersuchung zufolge attraktiver für Mücken zu sein, aber nicht wegen ihres Gewichts per se, sondern womöglich aufgrund der größeren Körperoberfläche und mehr CO2-Ausstoß. Auch höhere Körpertemperatur und Feuchtigkeit sind Faktoren - allerdings weil sie, wie Forscher vermuten, die Düfte besser transportieren und verteilen.

    "Mit Schweiß werden Substanzen abgegeben, die von Hautbakterien zersetzt werden", sagt Biologe Rose. Dabei entsteht zum Beispiel eben der für Mücken verlockende Ammoniak. Es gibt jedoch keine Hinweise aus der Wissenschaft dafür, dass Männer attraktiver seien für Mücken als Frauen oder umgekehrt.

    Alkoholkonsum macht attraktiver - für Mücken

    Dennoch: "Menschen behalten ihre Attraktivität für Mücken über längere Zeit bei", sagt Rose. Damit sei sie auch eher nicht abhängig von einer bestimmten Diät - also von der Ernährung. Mit Ausnahme von Alkohol. Das wiesen Rose und einige wissenschaftliche Kollegen 2012 an der Uni Regensburg nach. "In unserem Experiment hat sich gezeigt, dass unsere Haut attraktiver war, wenn wir Alkohol getrunken hatten." Allerdings konnte die Forschergruppe nicht nachweisen, welche Stoffe genau dafür verantwortlich waren. Bei Bier konnten Kollegen aus Frankreich und Burkina Faso belegen, dass die erhöhte Anziehungskraft von Menschen für Mücken nach Bierkonsum nicht an mehr CO2-Ausstoß oder höherer Körpertemperatur lag.

    Der Effekt, dass einige eher gestochen werden als andere, kommt vor allem in Gruppen zum Tragen - dann haben Mücken die Auswahl. Wie am Büffet, scherzt Rose. Gibt es jedoch nur eine Sorte Brot, essen die Gäste auch das.

    Licht lockt nicht

    Die menschlichen Gerüche übrigens stecken auch hinter dem Phänomen, dass Mücken bei geöffneten Fenstern in unsere Häuser oder Wohnungen fliegen - und nicht Licht. Außerdem mögen sie dunkle Farben lieber als helle. Das zumindest ist etwas leichter handzuhaben als der persönliche Duftcocktail.

    Fazit

    Mücken stechen tatsächlich manche Menschen eher als andere. Das liegt vor allem am persönlichen Körperduft. Der ist, so vermuten Forscher, von unseren Genen beeinflusst. Viel Bewegung und Schweiß sowie Alkohol können die Attraktivität für Stechmücken allerdings auch steigern.