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#Faktenfuchs: Warum Maskentragen für Kinder unbedenklich ist | BR24

© picture alliance/Bodo Marks/dpa/

Maskentragen ist für Kinder nicht gesundheitsschädlich

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    #Faktenfuchs: Warum Maskentragen für Kinder unbedenklich ist

    Es gibt immer wieder Behauptungen, dass Kinder, die eine Mund-Nasen-Maske getragen haben, an einer CO2-Vergiftung gestorben seien. Das ist falsch. Der Faktenfuchs klärt, warum Masken für Kinder nicht gefährlich sind.

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    Immer wieder tauchen im Netz Posts auf, in denen behauptet wird, dass Kinder, die wegen des Coronavirus eine Maske getragen haben, gestorben sind - und dass der Tod auf das Tragen der Masken zurückzuführen sei. In dieser Woche wurde auf Facebook ein Post veröffentlicht, in dem die Rede davon ist, dass eine 6-jährige Schülerin bei Schweinfurt an einer CO2-Vergiftung gestorben sei, weil das Mädchen im Unterricht ständig eine Mund-Nasen-Bedeckung habe tragen müssen.

    Weder die Polizei in Schweinfurt noch die Kriminalpolizei noch das Schweinfurter Krankenhaus konnten diesen behaupteten Tod einer Sechsjährigen bestätigen. Das Polizeipräsidium Unterfranken rief die Bevölkerung dazu auf, solchen Fake News keinen Glauben zu schenken und sie nicht weiterzuverbreiten.

    © BR24

    Die Polizei stuft Gerüchte, wonach ein Mädchen bei Schweinfurt durch das Tragen einer Maske ums Leben gekommen sei, als Falschmeldung ein.

    Maskentragen ist für Kinder ungefährlich

    Schon mehrmals haben wir bei BR24 darüber berichtet, dass das Tragen von Masken nicht gesundheitsschädlich ist, wie sie schützen und was man bei der Pflege von Masken beachten sollte. Aufgrund der aktuellen Falschmeldung legen wir den Fokus auf das Maskentragen bei Kindern.

    Auf die Frage, ob ein Mund-Nasen-Schutz für Kinder gesundheitsschädlich ist, antwortet Dominik Ewald, Vorsitzender des bayerischen Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte mit einem klaren: "Nein."

    Masken führt nicht zu steigendem CO2-Gehalt im Blut

    Auch Einwände, dass sich beim Tragen der Masken der CO2-Gehalt im Blut steigen könnte, entkräftet Kinderarzt Ewald:

    "Eine erhöhte Kohlenstoffdioxid-Konzentration im Blut, eine Hyperkapnie, können wir beim Tragen von Masken nicht feststellen. Wir haben das bei Kindern nicht gesehen." Dominik Ewald, Vorsitzender des bayerischen Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte

    Eine Hyperkapnie würde auch automatisch zu einer körperlichen Gegenreaktion führen, die sich an einer erhöhten Atemfrequenz und einer erhöhten Atemtiefe zeigen würde, so Ewald.

    CO2 ist so klein, dass es jede Alltagsmaske passiert

    Zu einem CO2-Stau unter der Maske könne es nicht kommen, denn die Vliese- und Maskenmaterialien, die für Alltagsmasken verwendet werden, sind so durchlässig, dass CO2 immer austreten könne.

    Kohlenstoffdioxid-Moleküle sind ohnehin viel zu klein, um von Atemmasken zurückgehalten zu werden. Selbst Masken der höchsten Schutzklasse FFP3 können nur Partikel bis zur Größe von 0,0006 Millimeter, zurückhalten. Ein Kohlendioxid-Molekül hat lediglich einen Durchmesser von 0,000000324 Millimeter, wie der ARD-Faktenfinder berichtet. Es ist damit knapp 2.000 Mal kleiner und passiert die Masken deshalb problemlos.

    Kinderarzt Ewald bestätigt das:

    “CO2 ist so klein, dass es die verschiedenen Zellschichten in unserer Lungen problemlos durchwandern kann, also kann es erst recht durch Masken diffundieren.” Dominik Ewald, Kinderarzt

    Wenn ein Kind dennoch das Gefühl habe, dass ihm schummerig werde, könne es die Maske an der Seite ein klein wenig lockern.

    Alltagsmasken sind nicht luftdicht

    Zu einem Anstieg des Kohlenstoffdioxid-Anteils im Körper kann es nur kommen, wenn der Luftaustausch behindert ist, zum Beispiel, indem sich jemand eine luftdichte Tüte über den Kopf schnüren und diese zubinden würde. Die Masken, die zum Schutz vor der Coronavirus-Ausbreitung getragen werden, seien aber keine luftdichten Plastikfolien, sagt Ewald.

    Keine Masken für Kinder, die beatmet werden

    Kritisch könnten Masken für Kinder sein, die beatmet werden. Zum Beispiel Jungen oder Mädchen mit schweren Muskel- oder schweren Lungenerkrankungen, die zu Hause Beatmung bekommen – sei es zeitweise oder durchgehend. Ewald fügt hinzu: "Wobei man sich dann fragen muss: Wann sollten sie diese Masken überhaupt tragen, denn sie werden ja beatmet."

    Ewald kommt insgesamt zu dem Schluss: "Es gibt keine Indikation, im Alltag keine Maske zu tragen."

    Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) rät ebenfalls zu besonderer Vorsicht bei Kindern (und Erwachsenen), deren Lungenfunktion aufgrund einer akuten oder chronischen Erkrankung der Atemwege oder des Herzkreislaufsystems eingeschränkt ist. Konkret, wenn sie "beim Ein- und Ausatmen erhebliche Atemnot verspüren oder erhebliche (zusätzliche) Anstrengungen für die Ein- oder Ausatmung aufbringen müssen", wie die DGKJ auf ihrer Webseite schreibt. Dicht sitzende FFP2-Masken seien hier problematischer, für die Anwendung dieser speziellen Masken beim Kind gibt es nach Einschätzung der DGKJ ohnehin keine Indikation.

    💡FFP-Maske

    FFP-Atemschutzmasken bestehen aus gehärtetem Papier oder Stoffen und sind mehrlagig. Sie haben einen Filter und sitzen mit etwas Abstand über Mund und Nase. An den Wangen liegen sie eng an. FFP steht für Filtering Face Piece. Je nach Dichte wird zwischen FFP1- , FFP2- und FFP3-Masken unterschieden. Je höher die Zahl, desto dichter die Maske. FFP1-Masken schützen vor Feinstaub. Ab FFP2 schützen die Masken effektiv vor Viren. Personen wie Ärzte oder Pfleger, die im engen Kontakt mit Sars-CoV-2 Infizierten und Covid-19-Kranken sind, benötigen eine FFP3-Maske.

    Hygieneregeln für Masken beachten

    In Bayern gilt die Maskenpflicht ab dem 6. Geburtstag. Dominik Ewald hält eine Mund-Nase-Bedeckung auch für Jüngere nicht schädlich. Aber man sollte zum Beispiel auf einen Vierjährigen, der das Tragen einer Maske ablehnt, keinen Druck ausüben.

    Wie Erwachsene sollten auch Kinder die Hygieneregeln einhalten – also zum Beispiel die Maske wechseln, wenn sie durchfeuchtet ist und sie regelmäßig waschen bzw. austauschen.

    Fazit

    Im Netz kursieren Gerüchte, dass Kinder, die dauerhaft eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen haben, an einer CO2-Vergiftung gestorben seien. Es ist kein solcher Fall bestätigt, die Polizei stuft den angeblichen Tod einer Sechsjährigen in Schweinfurt als Falschmeldung ein. Die Materialien, die in Alltagsmasken verwendet werden, sind so durchlässig, dass die winzigen CO2-Moleküle jederzeit austreten können. Zu einem CO2-Stau unter der Maske kann es also nicht kommen. Nur Menschen, deren Lungenfunktion eingeschränkt ist, sollten keine Maske tragen, egal ob Kind oder Erwachsener.

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