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Endlager-Suche: Wohin mit unserem Atommüll? | BR24

© picture alliance/dpa

Das Zwischenlager in Gorleben. Hier lagern abgebrannte Brennelemente und hochradioaktive Abfälle. Ein Endlager muss erst noch gefunden werden.

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    Endlager-Suche: Wohin mit unserem Atommüll?

    Seit 2019 liegt die Suche nach einem Endlager für Atommüll in Staatshänden. Das Problem: Es scheint eine fast unmögliche Suche, denn der Standort muss viele Kriterien erfüllen. Heute wird ein wichtiger Zwischenbericht veröffentlicht.

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    Das Problem mit dem Atommüll ist, dass ihn keiner haben will. Er strahlt - und zwar noch für hunderttausende Jahre. Erst danach wird die Radioaktivität auf ein ungefährliches Maß abgenommen haben. Der Abfall aus den Atomkraftwerken muss aber irgendwo dauerhaft gelagert werden. Der bisher angefallene Müll liegt als Zwischenlager in Stahlbeton-Hallen neben den Standorten, an denen die Kraftwerke Strom produzieren. Wenn aber im Jahr 2022 die Kraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden, werden zusätzliche 1.900 Container mit hochradioaktivem Abfall übrig bleiben.

    Für den gilt es ein sogenanntes Atommüll-Endlager zu finden. Weltweit ist noch kein solches Lager in Betrieb. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu

    Wer sucht das Atommüll-Endlager?

    Dafür ist das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) verantwortlich, das auf Transparenz und Offenheit setzt. Die Menschen sollen aktiv an der Suche beteiligt werden. Das BASE prüft die Ergebnisse der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die die konkreten Erkundungsarbeiten durchführen und stellt seine Ergebnisse als Entscheidungsgrundlage der Regierung zur Verfügung.

    Wie funktioniert die Suche nach einem Endlager?

    Die Suche läuft in drei Phasen ab. In der ersten Phase werden ideale Standort-Kandidaten mit bestimmten Anforderungen ausgewählt - und zwar auf Grundlage einer “weißen Karte”, auf der jeder Ort in Deutschland in Frage kommen könnte. In der zweiten Phase erfolgt die Auswahl nicht mehr nach Datenlage, sondern findet vor Ort statt. Das heißt, es wird Erkundungsbohrungen und seismische Messungen geben. In der dritten und letzten Phase werden die verbliebenen Standorte bewertet. Dafür sollen Erkundungsbergwerke gebaut, Bohrungen und Radarsonden genutzt werden, um das Gestein zu untersuchen. Das alles braucht Zeit. Dann wird ein Vorschlag an den Bundestag gemacht, der die Entscheidung fällt. Laut Gesetz soll sie bis 2031 vorliegen, damit ab 2050 Abfälle in das Endlager gebracht werden können.

    Suche nach einem Atommüll-Endlager in drei Phasen

    Wir befinden uns derzeit in der ersten Phase. Heute wird ein wichtiger Zwischenbericht von der BGE vorgestellt, der mögliche Gebiete in Deutschland nennt, die für ein Endlager in Frage kommen würden. Sie könnten die Kriterien für einen Bau erfüllen und sollen im Anschluss genauer untersucht werden. Denn bisher konnten sie nur nicht ausgeschlossen werden, das heißt, konkrete Forschungen stehen danach an.

    Die Anforderungen beziehen sich auf verschiedene Aspekte. So solle das Lager in etwa 300 Metern Tiefe liegen, damit es nicht versehentlich durch menschliche Bauaktivitäten angeschnitten werden kann, und von einer ausreichend starken Gesteinsschicht umgeben sein. Es dürfe keinen Wasserzulauf geben, so dass die Abfälle durch das Wasser an die Oberfläche gelangen könnten.

    “Der Kontakt mit dem Grundwasser muss über einen Zeitraum von Millionen von Jahren völlig ausgeschlossen sein - entweder durch die geologischen Verhältnisse selbst, oder durch zusätzliche Barrieren.” Hans Keppler, Leiter des Bayerischen Geoinstituts an der Universität Bayreuth

    Zusätzlich muss das Gestein Wärme gut ableiten können, die der Abfall abgibt. Im Idealfall sollte es genügend Abstand zu Wohngebieten und wichtigen Natur- und Kulturgütern geben. Und der Standort sollte eine dauerhafte Lagerung möglich machen. Dafür fallen Bergbau-Gebiete und solche mit vulkanischer oder seismischer Aktivität, die Erdbeben verursachen könnten, raus.

    Drei mögliche Gesteine: Salz, Ton, Granit

    Es gibt drei Optionen für das sogenannte “Wirtsgestein”, also das Gestein, das das Endlager umgeben soll und dem zugetraut wird, den radioaktiven Abfall für lange Zeit einzuschließen: (Stein-)Salz, Ton und Granit. Allerdings haben alle drei ihre Vor- und Nachteile. Sie müssen in fünf Kategorien bestehen: Festigkeit, Formbarkeit, Lösbarkeit, Wärmeleitung und Durchlässigkeit.

    Salz

    Salz eignet sich hervorragend zur Wärmeleitung, ist aber selbst nicht so hitzebeständig. Laut der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hält es Temperaturen von bis zu 200 Grad Celsius aus, was nur bedingt reichen kann. Allerdings bilden sich so gut wie nie Risse oder Klüfte, durch die Wasser eindringen könnte. Solche Salzstöcke gibt es vor allem im Norden von Deutschland. Da es aber selbst wasserlöslich ist, bleibt es anfällig für Wasser.

    Granit

    Während Granit sehr fest und stabil ist, lässt es bei der Formbarkeit zu wünschen übrig. Er ist nicht wasserlöslich, birgt aber die Gefahr, Spalten zu bilden, durch die Grundwasser zirkulieren kann. In Deutschland kommt er vor allem als geklüfteter Granit vor, weshalb zusätzliche Behälter nötig wären, um den Atommüll einzuschließen. Dafür ist er kaum temperaturempfindlich. Man könne ihn ohne Probleme auf 700 Grad Celsius erhitzen, ohne, dass etwas passiert, meint Hans Keppler, Leiter des Bayerischen Geoinstituts an der Universität Bayreuth.

    Ton

    Ton ist zwar sehr formbar, hält aber nicht so viel Druck von außen stand, hat aber wiederum den Vorteil, dass kein Wasser durchgleiten kann. Es ist damit kaum wasserlöslich. Der Nachteil liegt aber vor allem in der geringen Wärmeleitfähigkeit. Der Abfall müsste erst entsprechend in Zwischenlagern heruntergekühlt werden, damit das Gestein die Temperaturen aushält.

    Was sind mögliche Endlager-Standorte in Deutschland?

    Um den perfekten Standort für ein Endlager in Deutschland zu finden, ist es daher auch wichtig zu schauen, wo es welche Gesteine gibt.

    “Man kann die Eignung von einer Lokalität als Endlager für radioaktive Abfälle nicht ausschließlich am Gesteinstyp festmachen. Man muss sich auch anschauen, wie die gesamte Geologie dort aussieht, ob es dort irgendwelche Störungen gibt, durch die Wasser zirkulieren kann, wie die hydrologischen Verhältnisse sind. Es ist keine Frage nur vom Gestein.” Hans Keppler, Leiter des Bayerischen Geoinstituts an der Universität Bayreuth

    Im Norden - wie beispielsweise bei Gorleben in Niedersachsen - gibt es Salzstöcke, die geschützt durch die umgebenden Gesteine Millionen von Jahre offensichtlich keinen Kontakt zu Wasser hatten. Sonst würde es sie nach Mineraloge Keppler nicht mehr geben. In Bayern dagegen gibt es keine geeigneten Salzstöcke. Hier gibt es wiederum größere Vorkommen von Granit: im Fichtelgebirge, in den Granitmassiven von Finsterau und Saldenburg in den Kreisen Deggendorf, Freyung-Grafenau und Passau sowie im nördlichen Oberpfälzer Wald bei Tirschenreuth. Allerdings ist er hier auch wesentlich zerklüfteter und damit durchlässiger für Wasser. Bei Ton kommt es darauf an, ob er unverfestigt oder fest vorkommt. Ersterer hat zum Nachteil, dass Wege zusätzlich gestützt und abgesichert werden müssten, also wird nur fester Ton in Betracht gezogen. Geeigneter Ton ist zum Beispiel unter der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg zu finden, aber auch in kleinen Teilen von Bayern um Neu-Ulm und in größeren Teilen in Norddeutschland, wobei hier zu prüfen wäre, ob die Tonschichten dick genug sind.

    Wie läuft die internationale Endlagersuche?

    Auf internationaler Ebene erwähnt Mineraloge Keppler das Gebiet um den Yucca Mountain in den USA, wo radioaktiver Abfall in vulkanischen Tuffen gelagert werden sollte. Es hätte auf der einen Seite den Vorteil, dass es dort praktisch nie regnet und in der Wüste von Nevada auch weit weg von menschlichen Siedlungen wäre, so dass kein Kontakt zu Grundwasser besteht. Dann wäre man auch nicht so abhängig von der Gesteinsart, die Wasser einschließen könnte. Das Projekt wurde allerdings 2011 aus politischen Gründen gestoppt.

    In Schweden, wo es viel Granit gibt, bietet sich eventuell eine Lagerstätte beim Kernkraftwerk Forsmark an, da man dort durch Bohrungen zeigen konnte, dass der Granit nur sehr wenig wasserführende Spalten enthält, wie Keppler im BR-Gespräch berichtet. Bei diesem Konzept wurde zusätzlich das Risiko durch eine mögliche Vereisung, also eine Überdeckung durch Gletscher, mitgedacht. Auch Frankreich, größte Atomnation der Welt, hat mit Bure im Nordosten des Landes zumindest schon einen Standort festgelegt und befindet sich im Bau. Und auch in Tschechien geht es voran.

    Finnland baut erstes Endlager

    Als erstes Land der Welt will Finnland sein Endlager in Betrieb nehmen. Bereits seit 2004 baut das Land an einem atomaren Endlager unter der Halbinsel Olkiluoto. Bereits 1983 begann dort die Suche nach einem geeigneten Standort. Die Finnen setzen dabei auf Granit, vorher wird der Abfall 50 Jahre lang in Zwischenlagern abgekühlt. Mit einem Mehrbarrierensystem aus Kupfer, Gusseisen und Bentonit, einem tonhaltigen Material, soll der Müll in 420 Metern Tiefe gelagert werden. 2025 sollen die ersten Container eingelagert werden. Die Einlagerung soll bis zum Jahr 2100 abgeschlossen sein und die Türen damit für immer versiegelt werden.

    Jedes Land in der EU ist für seinen eigenen radioaktiven Abfall verantwortlich, darauf haben sich die Staaten geeinigt. Doch da 40 Länder weltweit Atomenergie nutz(t)en, ist eine internationale Zusammenarbeit wichtig und richtig, um sich über Forschungsergebnisse auszutauschen und sich zu unterstützen. Schließlich will jeder seinen Müll loswerden.

    Und noch ein Problem ...

    Selbst, wenn mal ein Lager gefunden wird, gibt es noch ein Problem: Wie sollen wir die Menschen in einer Million Jahren davor warnen, wo sich der radioaktive Müll befindet? Das wäre in 30.000 Generationen. Gibt es dann überhaupt noch Menschen? Bisher existieren keine Kommunikationsmittel, die so lange halten. Wir haben ja jetzt schon Probleme, Inschriften auf 10.000 Jahre alten Steinen zu entziffern und zu verstehen.

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