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Atommüll-Endlager Bayerischer Granit wohl zu zerklüftet

Die Endlagerkommission des Bundestags hat einen Kriterienkatalog für die Suche nach einem Endlagerstandort beschlossen. Dass der Atommüll am Ende nach Bayern kommt, ist danach nicht ausgeschlossen – aber auch nicht wahrscheinlich.

Von: Lorenz Storch

Stand: 28.06.2016

Castor-Lager für Atommüll | Bild: picture-alliance/dpa

Die Vertreterin Bayerns in der Endlagerkommission, Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU), hatte versucht, die Granitstandorte im Bayerischen Wald und im Fichtelgebirge bei der Endlagersuche von vornherein auszuschließen.

"Bayern bringt in der Endlagerkommission klar zum Ausdruck, dass zerklüfteter Granit als Wirtsgestein für ein Endlager nicht in Betracht kommt. Er bietet die notwendige geologische Barriere-Wirkung nicht."

Ulrike Scharf, Umweltministerin Bayern

Scharf wollte damit demonstrieren, dass sie für bayerische Interessen kämpft. Dieser Antrag war jedoch von vornherein zum Scheitern verurteilt: Die Endlager-Kommission verabschiedete ihre Empfehlungen mit Zwei-Drittel-Mehrheit, und außer der Vertreterin des Freistaats hatte absehbar niemand ein Interesse, schon vorab bayerische Standorte auszuschließen.

Auch der umstrittene Standort Gorleben, um den in der Kommission heftig gerungen wurde, wird nicht schon jetzt von der Liste genommen. Das liegt auch in der Logik des gesamten Verfahrens: Denn es geht ja genau darum, die Suche ausgehend von einer weißen Landkarte deutschlandweit neu zu beginnen – ohne Vorfestlegungen wie seinerzeit bei der Auswahl Gorlebens. Nur so kann die Standortauswahl auch auf größere Akzeptanz in der Bevölkerung hoffen.

Atommüll soll nicht exportiert werden

Ausgeschlossen hat die Kommission, den deutschen Atommüll außerhalb der Grenzen zu deponieren. Und sie hat festgelegt, dass er dauerhaft und wartungsfrei in einem unterirdischen Bergwerk deponiert werden soll. Ansonsten wird es in diesem Diskussionsstadium peinlich vermieden, Ortsnamen oder ähnliches zu nennen – der Prozess soll ja betont offen ablaufen. Als geologische Formationen kommen für das Endlager weiterhin Salz, Ton und Granit in Frage – und damit Standorte praktisch im gesamten Bundesgebiet.

Das bedeutet: Auch der Granit des Bayerischen Walds und des Fichtelgebirges ist vorerst weiter im Rennen. Allerdings bleibt wahr, was Studien in früheren Jahren bereits festgestellt haben: Diese Granitformationen sind zerklüftet und bieten damit im Vergleich zu Salz und Ton eine schlechtere Schutzwirkung.

"Wenn man ein möglichst dichtes Endlager haben will für eine lange Zeit, wird die Möglichkeit in granitischen Gesteinen eher untergeordnet sein."

Volkmar Bräuer, Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe

Einen Vorteil hat Granit allerdings: Weil das Gestein so standfest ist, kann man den Atommüll aus einem Granit-Endlager für lange Zeit relativ einfach zurückholen. Und die Rückholbarkeit des Mülls soll beim künftigen Endlager zumindest für einige Zeit gegeben sein, hat die Kommission beschlossen. Das ist im Vergleich zu früheren Anläufen bei der Endlagersuche neu – eine Lehre aus dem Desaster mit dem Versuchsendlager Asse bei Salzgitter. Dort muss der radioaktive Müll nach einem Wassereinbruch wieder geborgen werden – und niemand weiß bisher, wie.

Granit unsicherer als andere Gesteine

Dass Bayerischer Wald und Fichtelgebirge wegen des Rückholbarkeits-Kriteriums nun wieder ganz nach oben auf die Endlager-Auswahlliste rutschen werden, ist trotzdem unwahrscheinlich: Denn zum einen hat die Kommission auch unmissverständlich klargestellt, dass die Sicherheit des künftigen Endlagers wichtiger ist als alles andere – und hier hat der Granit ja Minuspunkte.

Zum anderen ist es auch in Salz oder Ton durchaus noch möglich, den Atommüll nach Jahrhunderten wieder zu bergen: Durch neue Schächte, die zu diesem Zweck gegraben werden können – wenn vorher die Lage des Mülls (anders als in der Asse) genau und dauerhaft dokumentiert wurde.

Bayern darf bei Standortsuche nicht zu früh ausscheiden

Das alles heißt jedoch nicht, dass der bayerische Granit bei der Jahrzehnte langen Standortsuche, die jetzt beginnen soll, früh ausscheiden wird. Im Gegenteil: Politisch wäre es wahrscheinlich schwer zu vermitteln, wenn beispielsweise zwei Standorte unterirdisch erkundet werden – und wieder beide in Niedersachsen liegen sollten.

Dass die bayerischen Gebirge – oder auch die Tonformationen in Baden-Württemberg – noch einmal vertieft angesehen werden, könnte notwendig werden, damit die Bürger in Norddeutschland den Suchprozess weiter akzeptieren.

Der jetzt angestoßene Prozess bedeutet erst einmal vor allem, dass die Entscheidung für einen Endlagerstandort weit in die Zukunft verschoben wird. Zwar spricht der Bericht der Endlagerkommission auch von der Notwendigkeit, unnötige Verzögerungen zu vermeiden. Praktisch haben die jetzt handelnden Politiker aber die Gewissheit, dass nicht mehr sie es sein werden, die einmal unpopuläre Entscheidungen verkünden müssen.

Das gilt auch für die Frage, was aus den Zwischenlagern für Atommüll an den AKW-Standorten werden soll. Zwar ist jetzt schon klar, dass die Genehmigungen für diese Lagerhallen mit Castor-Behältern in den 2040er Jahren auslaufen werden. Die Frage, was dann passieren soll, kann jedoch erst einmal wieder aufgeschoben werden.


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Andreas, Donnerstag, 30.Juni 2016, 10:43 Uhr

4. Endlager in Bayern

Endlager sind in dem Bundesland zu errichten in dem der meiste Atommüll erzeugt wird. Die Politiker haben in der Kommision kein Stimmrecht das hat seinen Grund und hat man auch gemerkt in der Bemerkung zum bayrischen Granit. Bayrischer Ton hat aber keine Risse.Macht weiter so mit dem Atomstrom in Bayern aber lagert in Niedersachsen ab.

Heinrich Schmid, Donnerstag, 30.Juni 2016, 01:19 Uhr

3. Atomendmülllager in Kumpfmühl, Graphit Bergwerk

Hallo da geht es doch gar nicht um den Granit, das Graphit ist es, das bei uns hier abgebaut wird,und was besseres kann mann sich für so einen strahlenden Dreck doch gar nicht wünschen. Die Sache wurde doch schon vor über 10 Jahren so beschlossen, also was soll denn da noch das ganze Gerede darüber bringen. " aus die Maus und der Dreck muss aus den Kernkraftwerken raus"

Frank B., Dienstag, 28.Juni 2016, 21:57 Uhr

2. Bayerisches Granit

wird durch den Wolpertinger zerklüftet.

Thomas Diehl, Dienstag, 28.Juni 2016, 17:46 Uhr

1. Bayerisches Granit wohl zu zerklüftet

Das sollte man lieber nicht das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) beurteilen lassen.