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Atommüll: Die Suche nach einem Endlager in anderen Ländern | BR24

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In solchen Kupferrohren soll in den kommenden Jahren hochradioaktiver Abfall im ersten Endlager "Onkalo" in Finnland lagern.

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    Atommüll: Die Suche nach einem Endlager in anderen Ländern

    Während sich Deutschland noch relativ am Anfang der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall befindet, sind einige Länder schon weiter. Ein Blick nach Frankreich, Schweden, Tschechien und die USA. Und zum Vorreiter Finnland.

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    Von
    • Katrin Klaus

    Heute wird in Berlin ein wichtiger Zwischenbericht vorgestellt, der mögliche Gebiete in Deutschland nennt, die für ein Endlager in Frage kommen. Das wird auch Zeit, denn wenn 2022 die letzten Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden, werden zusätzliche 1.900 Container mit hochradioaktivem Abfall übrig bleiben. Für den gilt es ein sogenanntes Endlager zu finden. Das soll bis spätestens 2031 passieren, damit ab 2050 Abfälle in das Endlager gebracht werden können.

    Aber wie schaut es in anderen Ländern auf der Welt aus? Wie weit sind die? Immerhin nutzten 40 Länder weltweit Atomenergie, aktuell sind es noch 30. Die EU-Mitgliedstaaten einigten sich darauf, dass jedes Land selbst für seinen hochradioaktiven Müll verantwortlich ist, er also nicht (mehr) im Ausland entsorgt werden darf.

    Finnland will als Erstes sein Endlager in Granit fertigstellen

    Als erstes Land der Welt will Finnland sein Endlager mit dem Namen "Onkalo" - kleine Höhle - in Betrieb nehmen. Bereits seit 2004 baut das Land an seinem atomaren Endlager unter der Halbinsel Olkiluoto an der Südwestküste. Schon 1983 begann in Finnland die Suche nach einem geeigneten Standort. Die Finnen setzen dabei auf Granit - vorher wird der Abfall aber 50 Jahre lang in Zwischenlagern abgekühlt. Das riesige Tunnelsystem besteht aus kilometerlangen Gängen und Schächten.

    Die finnischen Geologen haben sich auch über eventuelle Klimaveränderungen Gedanken gemacht - immerhin soll der Abfall eine Million Jahre lang im Endlager eingeschlossen sein. Daher werden die Schächte an Stellen gebohrt, an denen die Ingenieure im Falle einer Eiszeit keine Risse erwarten. Denn die könnten Wasser zirkulieren lassen und das Grundwasser verseuchen.

    Das ist der Nachteil an Granit, der manchmal in geklüfteter Form vorkommt. Mit einem Mehrbarrierensystem aus Kupfer, Gusseisen und Bentonit, ein tonhaltiges Material, soll der Müll dann sicher in 420 Metern Tiefe gelagert werden. 2025 werden nach Plan die ersten Container kommen. Die Einlagerung soll bis zum Jahr 2100 abgeschlossen sein und die Türen damit für immer versiegelt werden.

    Die Finnen wollen ihren Atommüll schnell loswerden. Auch, weil sie weiterhin auf Kernenergie setzen und weiter Reaktoren bauen wollen. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob und wie "Onkalo" funktioniert.

    Auch Schweden setzt auf Granit

    In Schweden, wo es viel Granit gibt, bietet sich eine Lagerstätte beim Kernkraftwerk Forsmark an, da dort bereits die nötige Infrastruktur vorhanden ist. Durch Bohrungen konnte gezeigt werden, dass der Granit nur sehr wenig wasserführende Spalten enthält, wie Hans Keppler, Leiter des Bayerischen Geoinstituts an der Universität Bayreuth, im BR-Gespräch berichtet. Außerdem kann das Gestein die Wärme besser leiten - im Vergleich zu einem zweiten Standort, der zunächst im Gespräch war. Der Antrag auf die Errichtung des Endlagers wurde bereits 2011 eingereicht. Bei dem Konzept wurde zusätzlich das Risiko durch eine mögliche Vereisung in der Zukunft, also eine Überdeckung durch Gletscher, mitgedacht.

    Die Endlagerbehälter bestehen dabei aus Kupfer, die wiederum von Bentonit eingeschlossen sind. Das soll Wasser absorbieren und mögliche Risse schließen. Doch die Frage ist, wie anfällig das Kupfer für Rost ist. Deshalb hat Schweden das Genehmigungsverfahren des Endlagers 2018 gestoppt, um die mögliche Kupferkorrosion zunächst in Ruhe untersuchen zu können. Aktuell läuft eine Anfrage zur Errichtung des Endlagers.

    Frankreich plant die Endlagerung von Atommüll im Ton

    Im idyllischen Dorf Bure in Lothringen leben knapp 90 Einwohner. Und mittlerweile auch Polizisten und Atommüllgegner, die sich seit mehreren Jahren ständig in die Haare bekommen. Das Dorf hatte damals selbst zugestimmt, ein Endlager dort bauen zu lassen. Der Standort scheint im Nordosten des Landes gefunden. Das ist auch wichtig, denn kein anderes Land kann mehr Atomkraftwerke pro Kopf aufweisen als Frankreich.

    Das Endlager entsteht etwa einen Kilometer außerhalb von Bure in 500 Metern Tiefe. Noch befindet man sich in den letzten Forschungsstadien, denn ein Testlabor war die Bedingung für ein Endlager. Danach muss der Ausbau schnell gehen, denn 2035 sollen die ersten Container eingelagert werden.

    Dann werden dort zwar nur 0,2 Prozent der Masse des französischen Atommülls eingeschlossen. Da es sich jedoch um hochradioaktiven Abfall handelt, sollen dort 98 Prozent der gesamten Radioaktivität gebunden werden. In Bure wird auf eine 130 Meter dicke Tonschicht als "Wirtsgestein" gesetzt - also dem Gestein, das das Endlager umgeben soll und dem zugetraut wird, den radioaktiven Abfall für lange Zeit einzuschließen. Es ist sehr kompakt, das Wasser würde sich dort nur zehn Meter in einer Million Jahre voranbewegen. Doch einige Wissenschaftler äußern Sicherheitsbedenken am Ton und die Proteste aus der Bevölkerung halten an.

    Tschechiens Endlager in der Nähe der bayerischen Grenze?

    Auch Tschechien ist derzeit auf Endlager-Suche. In der Auswahl stehen derzeit vier mögliche Standorte - alle in der Nähe zu Bayern, weshalb das bayerische Umweltministerium Transparenz bei der Suche fordert.

    Einer dieser Orte ist der "Birkenbach" im Südwesten des Landes, etwa 125 Kilometer von Regensburg entfernt. Seit Jahrhunderten wird dort schon Granit abgebaut. Außerdem fließt das Grundwasser mit geringer Geschwindigkeit. In 500 Metern Tiefe könnten die hochradioaktiven Abfälle der Kraftwerke Dukovany und Temelin für immer eingeschlossen werden.

    Janoch, der zweite mögliche Standort, befindet sich beim umstrittenen Atomkraftwerk Temelin in Südböhmen. Horka bei Trebic sowie Hradek bei Jihlava (Iglau) sind jeweils rund 200 Kilometer von Passau entfernt, aber umso näher an Österreich. Ob wegen der Grenznähe eine internationale Prüfung der Umweltverträglichkeit stattfinden wird, ist indes völlig offen. Bis 2025 soll der Standort endgültig festgelegt sein.

    USA war schon kurz vor dem Ziel bei der Endlagerung

    Eine politische Entscheidung, die Atomenergie zurückzufahren, gibt es in den USA - der Nation mit der weltweit größten Atomindustrie - bislang nicht. Trotzdem werden Reaktoren nach und nach abgeschaltet, die Müll übrig lassen.

    Die USA waren 2008 mit ihrem Yucca-Mountain-Projekt eigentlich schon relativ weit: Radioaktiver Abfall sollte in vulkanischen Tuffen gelagert werden. Der Standort schien ideal: In der Wüste von Nevada regnet es so gut wie nie, eine Zusammenkunft mit Wasser schien damit ausgeschlossen. Zudem befinden sich die nächsten menschlichen Siedlungen in großer Entfernung, so dass diese keinen Kontakt zum Grundwasser haben, das verseucht werden könnte. Dann wäre man auch nicht so abhängig von der Gesteinsart, die Wasser einschließen könnte.

    Das Projekt wurde allerdings 2011 aus (offiziell) politischen Gründen unter der Obama-Regierung gestoppt. Aber auch geologisch war und ist das Gebiet umstritten: Der Klimawandel könnte dort zu feuchterem Klima führen, das Gebiet ist anfällig für seismische Aktivitäten wie Erdbeben oder auch Vulkanausbrüche. Zudem hat der anfallende Müll viel mehr Volumen, als Yucca Mountain Platz hätte.

    Daher wurde empfohlen, die Suche nochmal bei Null beginnen zu lassen. Derzeit ist der Status für Yucca Mountain offen, alle US-Bundesstaaten - außer Nevada selbst - sind aber für die Fertigstellung des Endlagers.

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