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EHEC - So schützen Sie sich vor den gefährlichen Keimen! | BR24

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EHEC - So schützen Sie sich vor den gefährlichen Keimen!

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    EHEC - So schützen Sie sich vor den gefährlichen Keimen!

    Immer wieder werden Lebensmittel zurückgerufen, die von EHEC-Bakterien befallen sind. Aber was sind das eigentlich für Bakterien? Was richten sie an? Und wie kann man sich vor ihnen schützen?

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    Krankmachende Erreger wie Salmonellen, Listerien, Campylobacter oder auch EHEC werden durch verunreinigte Lebensmittel übertragen. Ob streichfähige Rohwurst wie Zwiebelmettwurst, Streichmettwurst oder Teewurst, Gemüse und Salat sowie Fleisch und Rohmilch - immer wieder werden Lebensmittel aus dem Handel zurückgerufen, weil in ihnen EHEC-Erreger nachgewiesen werden. EHEC war im Jahr 2011 in den Schlagzeilen, als es in Deutschland zu unerklärt vielen EHEC-Erkrankungen kam. Damals wurden 4.908 Fälle gemeldet, 53 Menschen verstarben. Die langwierige Suche nach der Ursache mündete schließlich in der Erkenntnis, dass aus Ägypten importierte Bockshornklee-Samen die Ursache des EHEC-Ausbruchs waren.

    Erkrankungsfälle: hohe Dunkelziffer

    Genaue Erkrankungszahlen zu erheben, ist - auch wenn eine Infektion meldepflichtig ist - nicht einfach, denn nicht alle Erkrankungen werden registriert oder darauf zurückgeführt, dass ein Lebensmittel die Ursache ist.

    Woher kommt der EHEC-Erreger?

    Das Bakterium Escherichia coli (E. coli) ist ein Bewohner des menschlichen Darms, die Unterart Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) ist eine Sonderform der Kolibakterien, die Giftstoffe produzieren. Diese besiedeln natürlicherweise den Darm von Wiederkäuern und werden mit dem Kot ausgeschieden. EHEC macht die Tiere nicht krank, beim Menschen können die Erreger aber Darminfektionen verschiedener Schweregrade auslösen. Sie können sich direkt bei den Tieren (Schmierinfektionen) oder indirekt durch verschmutztes Wasser oder verschmutzte Lebensmittel anstecken. Gerade Kinder, die am häufigsten erkranken, infizieren sich häufig im direkten Kontakt mit Rind, Schaf oder Ziege.

    Wie kommt der Erreger aufs Gemüse?

    Gemüse kann auf verschiedenen Wegen verunreinigt werden, zum Beispiel direkt durch Kontakt mit Fäkalien oder indirekt durch Berieselung mit infiziertem Wasser. Dazu kann es kommen, wenn Felder mit infizierter Gülle gedüngt werden, die durch Regen in Bäche, Badeseen und andere Gewässer geschwemmt wird. Verwendet man dieses Wasser dann zur Berieselung, können Keime aufs Gemüse gelangen. EHEC-Erreger können wochenlang im Boden und im Wasser überleben. Das Gemüse kann zudem auch beim Transport oder der Lagerung mit EHEC-Bakterien infiziert werden.

    Sitzen die Bakterien auch im Gemüse?

    Die Bakterien sitzen in der Regel auf dem Gemüse. Durch die Verarbeitung können sie aber auch ins Innere der pflanzlichen Produkte gelangen (Kreuzkontamination). Bei Sprossen können die Bakterien auch im Keim sein. Sie vermehren sich während des Wachstums des Keimes rasant und können nicht abgewaschen werden. Eine weitere Quelle von EHEC-Infektionen kann auch nicht-pasteurisierter Apfelsaft sein oder rohes Blattgemüse wie Spinat.

    Können Keime durch Anfassen von Gemüse übertragen werden?

    Im Supermarkt sieht man immer wieder, dass Leute das Gemüse anfassen und wieder zurücklegen. Auch dadurch können Keime übertragen werden - harmlose und manchmal auch gefährliche. Deshalb Gemüse und Obst zuhause vor dem Verzehr immer gut waschen.

    © dpa

    Obst und Gemüse immer gründlich waschen

    Sind die Keime im Tiefkühlgemüse abgetötet?

    Allgemein gilt: Tiefkühlen tötet nur Amöben, viele Bakterien aber überleben - auch der EHEC-Erreger. Meist wird Gemüse jedoch vor dem Tiefkühlen blanchiert und nach dem Auftauen erneut erhitzt. So behandelt, gilt Gemüse als sicher.

    Was ist mit Rohmilch?

    Rohmilch gilt im Allgemeinen als EHEC-Übertragungsweg. Das ist auch logisch, weil die Rinder das Bakterium ausscheiden. Von pasteurisierten Milchprodukten geht keine Gefahr aus, da Keime bei diesem Prozess abgetötet werden.

    Können EHEC-Keime auch in Baby-Gläschennahrung enthalten sein?

    Babynahrung, die industriell gefertigt wird, ist erhitzt. Da wird der Erreger sicher abgetötet. Ebenso wie bei Konserven, die man im Handel kaufen kann.

    Was sind die Symptome einer EHEC-Infektion?

    Eine EHEC-Infektion kann sich durch Fieber, krampfartige Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und durch wässrigen bis blutigen Durchfall äußern. Schuld daran ist ein Gift, das der Erreger im Körper produziert. Die elektronenmikroskopische Aufnahme eines EHEC-Bakteriums zeigt, wie es sich an der Darmwand anhaftet, indem es Sockel (sogenannte Pedestals) bildet. Die Keime greifen die Darmschleimhaut an, was meist eine Entzündung hervorruft. Die Folge: wässriger Durchfall, der auch blutig sein kann.

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    Eine elektronenmikroskopische Aufnahme von EHEC-Bakterien

    Doch fatalerweise ist das noch nicht alles: Die von den Bakterien ausgestoßenen Shiga-Toxine gelangen in die Blutbahn und können dort sowohl die roten Blutkörperchen zerstören als auch erhebliche Schäden an den Gefäßwänden verursachen. Dann spricht man von HUS, dem hämolytisch-urämischen Syndrom. HUS kann Nierenversagen und epileptische Anfälle verursachen.

    Wer ist betroffen?

    Die Krankheit kann besonders bei Säuglingen, Kleinkindern, alten und abwehrgeschwächten Menschen schwer verlaufen. Vor allem bei Kindern kommt HUS vermehrt vor und ist der häufigste Grund für akutes Nierenversagen im Kindesalter, so das Robert-Koch-Institut (RKI).

    Gibt es Medikamente gegen EHEC-Infektionen?

    Bei blutigen Durchfällen ist das Wichtigste: sofort zum Arzt. Die Behandlung von HUS ist aufwändig - heilen kann man die Krankheit bis heute nicht. Antibiotika helfen nicht, im Gegenteil, die Bakterien produzieren dann sogar noch mehr Gift. Bei der Therapie geht es deshalb darum, das Shiga-Toxin über einen Plasmaaustausch so schnell wie möglich aus dem Körper herauszuholen. Dieser dauert jedoch mehrere Stunden, mehrfach in der Woche.

    Wie schnell treten nach einer Infektion Symptome auf?

    Die sogenannte Inkubationszeit hängt von der Menge der aufgenommenen Giftstoffe ab und kann zwischen zwei und zehn Tage (durchschnittlich 3 bis 4 Tage) betragen, so das Robert-Koch-Institut (RKI).

    Ist EHEC ansteckend?

    Über den Stuhl infizierter Personen besteht auch eine Ansteckungsgefahr von Mensch-zu-Mensch.

    Wie verbreitet sind EHEC-Infektionen?

    Für EHEC wurden 2019 bundesweit 2.580 Fälle gemeldet, davon 324 in Bayern. Die Dunkelziffer könnte höher liegen. In 5 bis 10 Prozent der symptomatischen EHEC-Infektionen entwickelt sich ein HUS. In der Akutphase sterben davon 2 Prozent der Patienten.

    Wie schützt man sich vor den EHEC-Bakterien?

    • Fleisch und Hackfleisch von Wiederkäuern vor dem Verzehr ausreichend erhitzen - auf mindestens 70 Grad Celsius im Inneren des Fleisches.
    • Rohes Fleisch getrennt von anderen Lebensmitteln lagern und zubereiten, auch verschiedene Bretter, Teller, Messer und Zangen benutzen.
    • Rohmilch vor dem Verzehr abkochen.
    • Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen sowie sorgfältig abtrocknen - mindestens vor der Zubereitung von Speisen, nach Kontakt mit Tieren oder rohem Fleisch und vor dem Essen. Kleine Kinder beim Kontakt mit Tieren beaufsichtigen. Nach dem Kontakt mit Tieren immer die Hände waschen.
    • Flächen und Gegenstände nach Kontakt mit rohem Fleisch, dessen Verpackungen oder Tauwasser sofort gründlich reinigen und abtrocknen.
    • Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60 Grad waschen.
    • Obst und Gemüse sollte man schälen oder wenigstens gründlich waschen. Danach Bretter und Messer gründlich mit Wasser und Spülmittel reinigen, sorgfältig abtrocknen.
    • Für Menschen, die einer Risikogruppe angehören - das sind Säuglinge, Kleinkinder, ältere und abwehrgeschwächte Menschen - gilt besondere Vorsicht: EHEC-Keime können auch in streichfähigen Rohwürsten, zum Beispiel Zwiebelmettwurst, Teewurst und Braunschweigern und in Rohmilchkäse vorkommen. Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung, Robert-Koch-Institut