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Sputnik V: Wie gut ist der russische Impfstoff? | BR24

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Sputnik V-Dose mit Spritze.

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    Sputnik V: Wie gut ist der russische Impfstoff?

    Für Russlands Präsident Putin ist der in seinem Land entwickelte Corona-Impfstoff der beste der Welt. Erfolgt die Zulassung des Vakzins in Europa, will Bayern 2,5 Millionen Impfdosen kaufen. Ist der Impfstoff so gut, wie von Putin behauptet?

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    Von
    • BR24 Redaktion
    • Ortrun Huber

    Nach Diskussionen um Astrazeneca gibt es mit Sputnik V wieder einen Impfstoff, der spalten könnte. Er wurde in Russland bereits vor wichtigen Studien zugelassen. Nun drängt unter anderem Bayerns Ministerpräsident Söder auf eine schnelle Zulassung des Vakzins in Europa und Deutschland.

    Erfolgt die Zulassung des Vakzins in Europa, will der Freistaat 2,5 Millionen Impfdosen kaufen. Das hat Ministerpräsident Markus Söder angekündigt. In der Folge hat auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bilaterale Gespräche mit Russland über eventuelle Sputnik V-Lieferungen im Falle einer EU-Zulassung in Aussicht gestellt.

    Fragen und Antworten zum Impfstoff, den die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) gerade prüft.

    Welche politischen Bedenken gibt es?

    Russland gab bereits Mitte August 2020 mit Sputnik V den weltweit ersten Corona-Impfstoff für eine breite Anwendung in der Bevölkerung frei. "Impfen ist immer auch Politik, es geht nie nur um medizinische Fragen", sagt Historiker Malte Thießen, der sich mit der Geschichte der Immunisierung seit der ersten Pocken-Impfung beschäftigt. Er spricht von Vorbehalten im westlichen Teil der EU. Die Vergiftung von Kremlkritiker Alexej Nawalny dürfte für manchen Bürger zudem ein Grund sein, sich kein Produkt aus Russland injizieren lassen zu wollen. Den Namen Sputnik für einen Impfstoff zu wählen, sei bereits eine "Propaganda erster Klasse", so Thießen. Sputnik 1 hieß der weltweit erste gestartete Satellit, mit dem die Sowjetunion 1957 die westliche Welt schockierte.

    Welche Zweifel haben Wissenschaftler?

    Für den ersten Platz bei der Impfstoff-Freigabe hagelte es für Russland international Kritik. Wissenschaftler beklagten vor allem das Fehlen schlüssiger Daten. Grund ist, dass die Zulassung vor dem Vorliegen der Ergebnisse sogenannter Phase-III-Studien stattfand. Das widerspricht dem üblichen Ablauf. Denn in der Prüfung mit mehreren Tausend Probanden könnten seltene Nebenwirkungen erkannt werden, heißt es beim Paul-Ehrlich-Institut.

    Erste Details zu Sputnik V veröffentlichten die Forscher Anfang September 2020 in der Fachzeitschrift "The Lancet". Demnach regt der Impfstoff eine Immunantwort an. Bei insgesamt 76 Teilnehmern konnten in der Testphase I/II Antikörper gegen das Virus nachgewiesen werden. Es folgte wieder Kritik am Vorgehen Russlands, aber auch Aufatmen: Das nun vorliegende Ergebnis sei eindeutig. Das wissenschaftliche Prinzip der Impfung sei aufgezeigt worden, sagte Forscherin Polly Roy von der London School of Hygiene & Tropical Medicine dem Fachblatt "The Lancet".

    Wie funktioniert der Impfstoff Sputnik V?

    Das vom staatlichen Gamaleja-Forschungszentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau entwickelte Vakzin ist ein sogenannter Vektor-Impfstoff und damit dem Impfstoff von Astrazeneca ähnlich. Um die Informationen in den Körper zu schleusen, nutzen beide abgeschwächte, harmlose Viren. Ziel ist es, das Immunsystem dazu zu bringen, Abwehrreaktionen gegen Sars-CoV-2 hervorzurufen. Bei Kontakt mit dem Coronavirus ist der Körper dann vorbereitet und kann die Infektion besser eindämmen.

    Verabreicht wird der russische Impfstoff in zwei Dosen im Abstand von 21 Tagen. Zu den Nebenwirkungen zählen Schmerzen an der Einstichstelle, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und teils grippeähnliche Symptome. Zudem gibt es Berichte über Fieber und Schüttelfrost.

    Wie gut ist Sputnik V?

    In einer "Zwischen-Analyse" der wichtigen Testphase III mit rund 20.000 Freiwilligen kamen russische Forscher auf eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent. Die Ergebnisse wurden im Februar 2021 ebenfalls im medizinischen Fachblatt "The Lancet" publiziert. Sie decken sich mit früheren Angaben.

    Eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent bedeutet, dass in der geimpften Gruppe 91,6 Prozent weniger Erkrankungen auftraten als in der Kontrollgruppe. Damit hat Sputnik V demnach eine in etwa gleiche Wirksamkeit wie die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer und eine deutlich höhere als das Mittel von Astrazeneca. Nach Darstellung der Moskauer Behörden funktioniert Sputnik V auch bei der ansteckenderen Variante B.1.1.7. Der Impfschutz war 21 Tage nach der zweiten Impfung aufgebaut.

    Im Zuge ihrer Prüfung hat die Europäische Arzneimittelbehörde EMA Anfang April Experten nach Russland entsendet, um sich die Ergebnisse klinischer Studien und die Produktionsbedingungen vor Ort anzuschauen. In Russland selbst ist Sputnik V ein Ladenhüter, die Impfskepsis dort ist groß. Bislang sind weniger als fünf Prozent der Bevölkerung geimpft.

    Wie viel verkauft Russland davon und an wen?

    56 Länder weltweit haben Sputnik V bislang zugelassen teilt der staatliche Direktinvestmentfonds RDIF mit (Stand 08.04.). RDIF ist an der Finanzierung von Sputnik V beteiligt und kümmert sich um die Vermarktung des Impfstoffs.

    In der EU ist das Präparat auch ohne Zulassung schon in Ungarn und in der Slowakei im Einsatz, Tschechien und Österreich haben Interesse signalisiert - zur Sorge der EMA: Christa Wirthumer-Hoche von der EU-Arzneimittelbehörde warnte EU-Staaten, noch vor der EMA-Prüfung den russischen Impfstoff einzusetzen. Entscheidende Daten von Geimpften lägen nicht vor. Unterdessen wurde bekannt, das die in die Slowakei gelieferte Charge des russischen Impfstoffs Sputnik-V sich von denen, die von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" geprüft wurden, unterscheide. Der slowakischen Arzneimittelbehörde SUKL betonte, dass sie die Vorteile und Risiken der 200.000 gelieferten Impfdosen nicht einschätzen könne. Aufgrund fehlender Angaben des Herstellers werde der Impfstoff vorerst nicht verwendet.

    Nach Angaben des RDIF könnten ab Mitte des Jahres in der EU 50 Millionen Menschen mit Sputnik V versorgt werden. Dabei soll der russische Impfstoff für die EU auch gleich hier produziert werden. Dazu wurden nach unbestätigten Angaben von RDIF bereits Produktionsvereinbarungen mit Firmen in Deutschland und anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien geschlossen. Bayerns Ministerpräsident Söder kündigte Anfang April an, die Pharmafirma R-Pharm Germany im schwäbischen Illertissen plane, das Sputnik-Vakzin herzustellen. Die Produktionsstätte soll in den kommenden Monaten im Landkreis Neu-Ulm ausgebaut werden. Weil noch Genehmigungen von Behörden des Landkreises ausstehen, herrscht derzeit allerdings Baustopp.

    Bringt Sputnik V das Impftempo in der EU voran?

    Trotz aller Bemühungen Sputnik V in der EU zu etablieren, könnte es allerdings sein, das der russische Impfstoff am Ende nur eine untergeordnete Rolle für ein höheres Impf-Tempo in der EU spielen wird. Denn bis die Herstellungskapazitäten für Sputnik V in Europa in einem nennenswerten Umfang ausgebaut sein werden, stehen andere Impfstoffe in großem Umfang bereit. So verspricht beispielsweise das im Februar in Betrieb genommene BioNTech-Werk im hessischen Marburg, bis Ende des ersten Halbjahres 250 Millionen Dosen zu produzieren.

    Zudem wird ab Mitte April auch das US-Unternehmen Johnson & Johnson seinen bereits zugelassenen Impfstoff nach Europa liefern. Auf die Impfkampagne in der EU wird Sputnik V also eher keine großen Auswirkungen haben. Mehrere Produktionsstandorte in der EU würden es Russland aber erleichtern, weltweit mehr Länder mit Sputnik V zu versorgen.

    (Mit Material von dpa)

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