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Angst vor Aids - Aktuelle Forschungsansätze | BR24

© picture alliance/CAVALLINI JAMES

HI-Virus, das die Immunschwäche-Krankheit Aids auslösen kann.

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    Angst vor Aids - Aktuelle Forschungsansätze

    Knapp 40 Millionen Menschen leben weltweit mit HIV. Erkrankte, die den Erreger mit Medikamenten in Schach halten, haben eine hohe Lebenserwartung. Forscher suchen nach Wegen, die HIV-Infektion zu vermeiden oder sie aus den Zellen zu entfernen.

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    Im Blut lässt sich eine HIV-Infektion nachweisen. Wer angesteckt ist, kann irgendwann an der Immunschwäche Aids erkranken. Das Virus ist besonders heimtückisch, weil es die körpereigenen Abwehrzellen attackiert. Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag, der daran erinnert, dass die Krankheit bis heute nur in wenigen Einzelfällen heilbar ist.

    HIV vermeiden mit der PrEP-Pille

    Wer einer HIV-Infektion aus dem Weg gehen will, darf weder mit infiziertem Blut noch mit HIV-belastetem Sperma oder Scheidenflüssigkeit in Berührung kommen. Kondome sind deshalb beim Geschlechtsverkehr sinnvoll. Eine andere Möglichkeit haben Gesunde, die Angst vor einer HIV-Infektion haben: Sie können regelmäßig vorbeugende Tabletten einnehmen, so genannte PrEP-Pillen (Prä-Expositions-Prophylaxe). Diese enthalten zwei antiretrovirale Wirkstoffe, die verhindern, dass sich HI-Viren, die in Zellen eindringen, vermehren. PrEP-Pillen entsprechen den Medikamenten, die bereits angesteckte Personen einnehmen. Ihre Wirksamkeit ist hoch, allerdings nur, wenn sie täglich eingenommen werden. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Müdigkeit, Magen-Darm-Symptome und Kopfschmerzen sind selten, so das Robert-Koch-Institut in Berlin, und verschwinden meist innerhalb weniger Wochen.

    PEP als Behandlungsmöglichkeit nach einem HIV-Infektionsrisiko

    Wer Angst hat, sich mit HIV angesteckt zu haben, kann nach dem Geschlechtsverkehr oder Stich mit infizierten Nadeln eine sogenannte PEP-Behandlung (Post-Expositions-Prophylaxe) durchführen. Ärzte verschreiben dann üblicherweise eine Kombination aus drei Medikamenten, die dazu führen, dass sich das HI-Virus nicht ausbreiten kann. Ärzte empfehlen, so schnell wie möglich mit PEP zu beginnen, weil Sofortmaßnahmen innerhalb weniger Stunden am besten wirken. Es bestehen dann gute Aussichten, dass Betroffene gesund bleiben. Ob PEP sinnvoll ist, entscheidet sich nach einem Beratungsgespräch in der Ambulanz oder Arztpraxis.

    HAART und cART als Kombinationstherapien mit verschiedenen Arzneistoffen

    Die Kombinationstherapie aus verschiedenen antiretroviralen Arzneistoffen gibt es schon seit dem Jahr 1996. Neuerdings wird statt des Begriffs HAART (Highly Active Antiretroviral Therapy) meist die Bezeichnung cART (combined Antiretroviral Therapy) verwendet, weil mehrere Medikamente zusammenwirken. Da Patienten bei längerer Einnahme meist Resistenzen ausbilden, entwickeln Forscher immer wieder leicht abgewandelte Wirkstoffe, die helfen, das Virus einzudämmen. Dazu zählen beispielsweise sogenannte Integrase-Inhibitoren.

    Impfung aus Thailand

    Bereits kurz nach der Entdeckung von HIV begannen Wissenschaftler im Jahr 1981 an einem Impfstoff zu forschen, der die HIV-Infektion verhindern kann. Bis heute gibt es aber keine Impfung, die vollkommen schützt. Im Jahr 2009 gab es eine klinische Studie in Thailand mit einem Impfstoff, dem eine signifikante Wirkung nachgewiesen werden konnte. Die Infektionsrate war bei den Geimpften um ein Drittel geringer als in der Placebo-Gruppe. Allerdings waren die Fallzahlen so gering, dass an diesem Impfstoff immer noch geforscht wird: In der Placebo-Gruppe hatten sich 74 Menschen mit HIV infiziert, in der Gruppe der Geimpften waren es 51 Personen. Ziel ist, den Effekt der Impfung mit größeren Fallzahlen zu belegen und einen höheren Wirkungsgrad zu erreichen.

    Impfung aus den USA

    Im Jahr 2018 haben Forscher der Harvard Universität in Boston Affen mit einem HIV-Impfstoff behandelt, der sie vor der Krankheit schützt. 72 Rhesusaffen bekamen einen HI-ähnlichen Virus gespritzt. Bei zwei Drittel der Affen ließ sich nach der Behandlung kein HI-Virus mehr im Blut nachweisen. Der Impfstoff wurde daraufhin noch verbessert, so dass er jetzt zu über 90 Prozent Schutz bietet. Nach den Tierversuchen kam der Impfstoff auch bei knapp 400 gesunden Erwachsenen aus Ostafrika, Südafrika, Thailand und den USA zum Einsatz. Er hat beim Menschen, so die Harvard-Forscher, eine "starke Immunreaktion" ausgelöst. Ergebnisse der nächsten Testphase werden allerdings erst ab 2021 erwartet.

    HIV mit der Genschere aus dem Erbgut von Mäusen entfernen

    US-Wissenschaftler aus Pennsylvania und Nebraska haben im Tierversuch zwei Ansätze kombiniert: Mäuse erhielten ein Mittel, das die Aktivität der HI-Viren für mehrere Tage vermindert hat. Außerdem wurde mit der Genschere Crispr/Cas9 das Virenerbgut aus der DNA befallener Zellen geschnitten. Bei wiederholter Behandlung sank das Viruslevel bei etwa einem Drittel der Tiere auf ein nicht mehr nachweisbares Niveau. Jedoch war die Anzahl der behandelten Tiere gering: Bei fünf von 13 Mäusen hat die Behandlung mit der Genschere funktioniert. Es müssen jetzt weitere Studien mit größeren Fallzahlen und anderen Tierarten folgen. Dann erst wird man versuchen, beim Menschen den Teil der Immunzellen herauszuschneiden, der von HI-Viren befallen ist.

    Patienten per Stammzelltransplantation von HIV befreit

    Bisher gelten weltweit drei einstige HIV-positive Patienten als geheilt. Sie hatten zusätzlich zu ihrer HIV-Infektion noch eine Krebserkrankung und mussten sich einer aufwendigen und risikoreichen Stammzelltransplantation unterziehen. Das heißt, ihnen wurde Knochenmark eines passenden, gesunden Spenders transplantiert. Das hatte zur Folge, dass auch viele Monate nach dem Eingriff keine HI-Viren mehr im Blut nachweisbar waren.

    Berliner, Londoner und Düsseldorfer Patient gelten als geheilt

    Um die Privatsphäre zu schützen, wurde der erste Patient, der per Stammzelltransplantation von seiner HIV-Infektion befreit wurde, als "Berliner Patient" bezeichnet. Ihn hatten 2007 Ärzte an der Charité behandelt. Der "Londoner Patient" war im Jahr 2018 am University College in London und ist seither virenfrei. 2019 ist möglicherweise ein dritter Mensch von HIV geheilt worden: der "Düsseldorfer Patient". Er hatte Blutkrebs und musste sich ebenfalls einer Stammzelltransplantation unterziehen.

    HIV-Medikamente bleiben weiterhin das Mittel der Wahl

    Der massive Eingriff einer Stammzelltransplantation birgt ein hohes Risiko und wird deshalb nur in Einzelfällen durchgeführt. Er wird, so die Experten, zu keiner Standardtherapie für HIV-positive Menschen werden. Vielmehr werden weiterhin Medikamente dafür sorgen, die Viruslast so weit zu senken, dass ein fast normales Leben möglich ist. Viele Patienten kommen mit nur einer Tablette täglich gut zurecht. Ihre Lebenserwartung ist mittlerweile genauso hoch wie bei Menschen, die keine HIV-Ansteckung haben. Eine HIV-Infektion ist kein Todesurteil mehr, sondern eine chronische Erkrankung.