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Welt-AIDS-Tag Wenn Ärzte Angst vor HIV haben

Dank moderner Medikamente können HIV-Positive oft ein ganz normales Leben führen - und sind nicht mehr ansteckend. Doch ausgerechnet in Arztpraxen und Krankenhäusern gibt es nach wie vor Stigmatisierung.

Von: Alexander Loos, Christina Schmitt

Stand: 01.12.2017

Norbert Gött ist HIV-positiv. Vor drei Jahren wurde er in einer Klinik operiert. Er fühlte sich dort diskriminiert: Ohne Angabe von Gründen wurde er auf ein Einzelzimmer verlegt. Und auch sonst verhielten sich die Krankenhausmitarbeiter ihm gegenüber merkwürdig, fand er:

"Dann kamen sie mit einer großen weißen viereckigen Tonne, da stand oben mit großen roten Buchstaben 'hochinfektiös'. Und alles, was von mir ist muss in diese Tonne. Egal, ob Tempotaschentuch oder was es ist, das muss alles in diese Tonne rein. Ich habe überhaupt nicht drauf reagiert. Ich habe mir gedacht: Bevor ich da jetzt was drauf sage, lassen wir es."

Norbert Gött, HIV-Infizierter

HIV-Infizierte sind durch Medikamente nicht mehr ansteckend

Dabei sind HIV-Infizierte dank moderner Medikamente nicht mehr ansteckend: Der HI-Virus ist dann nicht mehr nachweisbar - Körperflüssigkeiten, sei es Speichel oder Blut, stellen keine Infektionsgefahr mehr da. Die Klinik sagt auf Anfrage, sie habe nach Hygienevorschrift gehandelt.

Manfred Schmidt, AIDS-Hilfe Nürnberg

Dass HIV-Positive bei Ärzten diskriminierende Erfahrungen machen, hört man bei der AIDS-Hilfe in Nürnberg immer wieder. "Die allgemeine Bevölkerung muss einfach dazulernen, dass Leute, die erfolgreich therapiert sind, überhaupt nicht mehr ansteckend sein können für andere. Das wissen ganz, ganz wenige Leute“, sagt Manfred Schmidt von der AIDS-Hilfe Nürnberg.

Einen Arzt zu finden, ist für HIV-Infizierte oft schwierig

Auch Ärzte wüssten das oft nicht. Manche von ihnen verweigern deshalb die Behandlung sogar komplett. Das ist Gerd K. passiert. In einem Ärztehaus in München wollte er sich ambulant operieren lassen.

"Ich wollte einen Termin ausmachen, hat auch geklappt. Und dann am Schluss habe ich gesagt, dass ich positiv bin. Und auf einmal habe ich mitgekriegt, wie die Arzthelferin 'hmm' gesagt hat. Sie meinte, sie muss jetzt noch mit dem Arzt reden. Sie ruft mich dann wieder an. Zehn Minuten später hat sie mich angerufen und gesagt: So, der Arzt macht das nicht, gehen Sie ins Krankenhaus."

Gerd K., HIV-Infizierter

Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer

Einen Arzt zu finden, das ist für HIV-positive Menschen wie Gerd K. oft schwierig. Bei der Bayerischen Landesärztekammer sind allerdings keine konkreten Fälle von Diskriminierung bekannt. Präsident der Kammer, Dr. Max Kaplan, räumt ein, dass manche Ärzte möglicherweise nicht mehr auf dem neuesten Stand seien.

Aufklärung in Sachen HIV in der gesamten Gesellschaft nötig

Bei vielen sei die medizinische Ausbildung oft schon Jahre lang her. "Und deswegen ist es auch Aufgabe, zum Beispiel von mir, von unserer Ärztekammer, dass wir hier im Rahmen von Fortbildungen unsere Kollegen entsprechen informieren."

Die AIDS-Hilfe infomiert zum Thema mit Broschüren und Workshops. Denn auch nach Jahren der Aufklärung herrschen noch immer falsche Vorstellungen, sagt Manfred Schmidt von der AIDS-Hilfe Nürnberg:

"Die AIDS-Hilfe hat eigentlich gedacht, das Problem wird sich mit der Zeit von selbst auflösen. Wenn die Leute merken, HIV ist nicht mehr das schlimme Drama, wie es früher, vor 20 oder 30 Jahren der Fall war. Aber wir haben uns getäuscht."

Manfred Schmidt, AIDS-Hilfe Nürnberg


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Wolf, Freitag, 01.Dezember, 12:25 Uhr

3. Halbdeppen in Weiß?

Einem Arzt der sich weigert einen Kranken zu behandeln gehört die Zulassung entzogen,fertig lustig!

Rosl, Freitag, 01.Dezember, 12:06 Uhr

2. Wird schon seinen Grund haben

"Doch ausgerechnet in Arztpraxen und Krankenhäusern gibt es nach wie vor Stigmatisierung."

Weil die sich am besten auskennen.

  • Antwort von Adam Homo, Freitag, 01.Dezember, 12:20 Uhr

    Weil sie sich am besten auskennen ?!
    Eben nicht ! Der Balken vor dem Kopf ist weit verbreitet, leider !
    Gell, Rosl !

  • Antwort von winfried, Freitag, 01.Dezember, 13:57 Uhr

    @Adam Homo ... Sie kennen sich aus ?! Sind gar als Erkrankter oder Behandelnder "vom Fach" ?!
    Der "Balken" vor meinem (nicht-infizierten) Kopf sagt mir --> Rosl hat Recht !!!

  • Antwort von Adam Homo, Freitag, 01.Dezember, 23:22 Uhr

    @ winfried und Rosl
    Zwei Experten, wie das uninformierte weisse Personal auch.
    BR Bericht lesen, Tagesgespräch anhören, aber Achtung " Informationsgefahr " !

winfried, Freitag, 01.Dezember, 09:57 Uhr

1. Vorsicht vor HIV-Positiven nötig ?!

Nun, nicht mehr als bei einem an Schnupfen erkrankten. So verstehe ich das Statement des Dr. Max Kaplan und glaube davon kein Wort.
Dagegen frage ich mich woher kommen die Neuinfektionen und meide Kontakt mit diesen Risikogruppen.
Im übertragenen Sinn nach dem Motto: "Wo keine Berührung, da keine Reibung". ... bzw. ... "Vorsicht ist die Mutter der Porzellan-Kiste".

  • Antwort von Adam Homo , Freitag, 01.Dezember, 10:29 Uhr

    @winfried
    meiden Sie !
    Die dankbare Risikogruppe !

  • Antwort von Gscheidhaferl, Samstag, 02.Dezember, 23:59 Uhr

    Lieber Winfried,
    ihrer Schlussfolgerung zufolge müssen Sie Kontakt mit Menschen generell meiden. Oder wann haben Sie beispielsweise Ihren letzten HIV-Test gemacht? Es gibt zahlreiche Menschen aus a l l e n Gesellschaftsschichten, die - ohne es zu wissen - HIV positiv sind. Viel zu selten lässt man sich selbst testen und wird so vielleicht sogar zum Risiko für seine Umgebung. Es kann jeden treffen, auch ohne bewusst mit einer "Risikogruppe" in Berührung gekommen zu sein. Oder wissen Sie, ob Ihre Chefin/Ihr Chef, Ihre Putzfrau, der Taxifahrer oder Ihr bester Freund kürzlich einen One Night-Stand mit bspw Oralverkehr hatte? Gerade unter Heterosexuellen ist die Rate derjenigen, die nicht wissen, dass sie positiv sind um etwa 10–15 % höher als in den anderen "Risikogruppen".
    In diesem Sinne ist es wirklich so: Diejenigen, die den Virus medikamentös unter Kontrolle haben, sind diejenigen, von denen am wenigsten Risiko ausgeht. Sie sind mit der richtigen Therapie n i c h t infektiös!