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Alles roger? Eichhörnchen lauschen dem Vogelgezwitscher | BR24

© picture-alliance/blickwinkel/H. Baesemann

Ein Amerikanisches Grauhörnchen in Habacht-Stellung: Die Eichhörnchen lassen sich vom Vogelgezwitscher beruhigen, zeigt eine Studie.

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Alles roger? Eichhörnchen lauschen dem Vogelgezwitscher

Wenn Eichhörnchen auf Futtersuche sind, müssen sie beständig Acht haben, nicht selbst als Futter zu enden. Deswegen halten sie oft inne, gucken sich um oder spähen in den Himmel. Zwitschern jedoch die Vögel, sind die Eichhörnchen schnell beruhigt.

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Schnüffeln, suchen, fressen - ein Eichhörnchen ist schwer beschäftigt, sich den nötigen Winterspeck anzufuttern. Wer sich da zu viel ablenken lässt, ist klar im Nachteil. Aber Eichhörnchen haben viele Fressfeinde, und auf die müssen sie beständig achten. Deswegen sind Eichhörnchen bei der Futtersuche oft etwas hektisch: Immer wieder erstarren sie abrupt und gucken sich blitzschnell um. Das kostet Energie und Zeit. Und das ist bei Eichhörnchen wie bei uns Menschen: Die wollen sie sich möglichst sparen.

Eichhörnchen nutzen öffentlich verfügbare Informationen

Wer gut informiert ist, spart oft Zeit und Energie - auch in der Tierwelt. Erdmännchen und Murmeltiere etwa stellen extra Wachposten auf, die nach Fressfeinden Ausschau halten, während ihre Artgenossen futtern. Manche Tierarten reagieren auch auf die Warnrufe anderer Arten: Wenn eine Amsel einen Kater ausschimpft, wird der so schnell keine Beute mehr machen, denn auch anderes Getier ist jetzt vor dem Jäger gewarnt.

Auch Eichhörnchen reagieren auf Warnrufe anderer Tiere, etwa bestimmter Vogelarten. Doch nur auf Warnungen zu hören, hilft nur bedingt: Denn wenn keine Warnung zu hören ist, heißt das ja nicht, dass kein Jäger lauert - das Eichhörnchen muss weiterhin selbst aufpassen.

Vogelgezwitscher gibt Entwarnung

Doch wenn es aus allen "Lautsprechern" tönt: "Kein Jäger in Sicht!", dann ist gut futtern.

Forscher haben entdeckt, dass Eichhörnchen bei der Nahrungssuche auf Vogelgezwitscher lauschen. Das Vogelgezwitscher wirkt wie ein Signal zur Entwarnung, denn Singvögel zwitschern nur, wenn sie nicht bedroht sind. Und sie fürchten die gleichen Fressfeinde wie die Eichhörnchen. Wo viele Vögel zwitschern, lauert also auch für die Nüssesucher keine Gefahr.

© picture-alliance/dpa

Wer bei der Nahrungssuche viel auf Fressfeinde achten muss, ist klar im Nachteil. Den Grauhörnchen spart das Vogelgezwitscher Zeit und Energie.

Lauschangriff auf Grauhörnchen

Für ihre Studie haben Biologen des Oberlin College in Ohio, USA, rund fünfzig Grauhörnchen, der in Nordamerika heimischen Eichhörnchenart, akustisch in die Irre geführt: Sie spielten den Hörnchen, die gerade auf Futtersuche waren, zunächst den Schrei eines Bussards vor. Der Raubvogel ist ein typischer Fressfeind der Grauhörnchen.

Anschließend folgte eine Aufnahme typischer Umgebungsgeräusche - entweder mit Vogelgezwitscher oder ohne.

Auf den Schrei des Bussards reagierten alle Eichhörnchen mit gesteigerter Wachsamkeit. Folgte jedoch gleich wieder Vogelgezwitscher, guckten sich die untersuchten Grauhörnchen weniger oft um und beruhigten sich insgesamt schneller als die Hörnchen, die nach dem Bussardschrei keine Vögel zwitschern hörten. Diese unterbrachen ihre Futtersuche häufiger und auch länger, waren also klar im Nachteil.

Bislang seien nur wenige Fälle beschrieben, wo Tiere nicht nur auf Warnrufe, sondern auf akustische Entwarnungen reagierten, so die Forscher. Und dann handele es sich eigentlich immer um eng miteinander verwobene Arten, die einander folgen oder Brutreviere teilen oder ähnliches. Doch da Grauhörnchen keiner einzelnen Art folgen und auch keine Art ihnen folgt, gibt es keinen einzelnen Ruf der Entwarnung für sie. Stattdessen reagieren sie auf das "Geschnatter" einer Vielzahl von Vogelstimmen.

Die Studie erschien Anfang September im Wissenschaftsmagazin PLOS ONE.

© BR

Eichhörnchen leben gern in Nadelwäldern, beleben als Kulturnachfolger aber auch Gärten und Parks; sie sind anpassungsfähig und gewitzt. Und auch in Mythen und Erzählungen haben sie ihren festen Platz. Autorin: Brigitte Kohn