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Eichhörnchen Wann wir Eichhörnchen helfen sollten

In manchen Regionen und vor allem in den Großstädten Bayerns finden Eichhörnchen auch in diesem Jahr wenig zu fressen. So können wir den kleinen Nagern in unserem Garten helfen.

Stand: 16.09.2019 | Archiv

Eichhörnchen frisst Nüsse | Bild: dpa/picture alliance

Ist die Nussernte nach trockenen Sommern klein und gibt es wenige Bucheckern, leiden die Eichhörnchen. Sie finden im Herbst in manchen Regionen Bayerns nicht genügend Nahrung. Die Folge ist, dass sie nicht genügend Depots für den Winter anlegen können. Im vergangenen Jahr war besonders Franken betroffen, dort wurden viele Eichhörnchen in Wildtier-Auffangstationen abgegeben.

"Kleinsäuger sind auf die Baumsamen angewiesen. Durch die Trockenheit sind Haselnüsse, Bucheckern und Walnüsse entweder vertrocknet vom Baum gefallen oder komplett verkümmert. Kleine Säuger wie die Eichhörnchen finden nicht mehr genügend Nahrung."

Katja Bogner, Eichhörnchen Auffangstation in Schwarzenbruck (Landkreis Nürnberg)

Eichhörnchen brauchen Nahrung

Besonders in den Städten ist das Nahrungsangebot für Eichhörnchen ohnehin begrenzt. Und das gefährdet das Überleben der kleinen Nager, denn im Spätsommer und Herbst legen die Tiere ihre Nahrungsvorräte für den Winter an.

"Die Eichhörnchen haben es in den Stadtgebieten immer schwerer. Im Sommer finden die Tiere keine Wasserstellen mehr, wir kriegen zunehmend verdurstende Tiere. Die Tiere finden zu wenig Nahrung, also immer bitte Futter wie geschälte Nüsse oder Sonnenblumenkerne bereitstellen, sommers wie winters"

, sagt Sabine Gallenberger vom Eichhörnchen Schutz e.V.

Ihr Verein hat allein aus dem Raum München und Umgebung vergangenes Jahr 894 Eichhörnchen aufgepäppelt, 2019 waren es 200 Tiere weniger. "Man sieht, der Bestand der Eichhörnchen geht drastisch zurück", so Sabine Gallenberger.

Eichhörnchen sind Winterruher, das heißt, sie erwachen während des Winters immer wieder und stehen auf, um etwas zu fressen. Dann greifen sie auf ihre angelegten Vorräte zurück. Nach einem trockenen Sommer können sie aber ihre Verstecke nicht mit Nahrung füllen. Es gibt einfach zu wenig Nüsse und Bucheckern. Können die Hörnchen im Winter aber nicht auf Vorräte zurückgreifen, sind sie gezwungen, bei kalten Temperaturen nach Fressbarem zu suchen. Das kann sie so entkräften, dass sie sterben.

Besonders in den Städten sollten wir Eichhörnchen unterstützen.

Die Vereine "Eichhörnchen Schutz e.V." und der "Eichhörnchen Notruf e.V." plädieren dafür, die Nager ganzjährig zu unterstützen und regelmäßig zu füttern. Besonders in der Stadt und in Ballungsräumen kann das sinnvoll sein, sagt auch die Tierschutzorganisation WWF.

Eichhörnchen füttern

Deswegen sollten wir die Eichhörnchen nach einem langen, heißen Sommer unterstützen. Und das können wir tun:

  • Schüsseln mit ungeschälten Haselnüssen und Walnüssen, getrockneten Maiskörnern, Sonnenblumen- und Kürbiskernen im Spätsommer/Herbst für den Wintervorrat aufstellen. Und zwar an Stellen, die Katzen möglichst nicht erreichen können. Im Frühjahr können auch ungeschälte Nüsse für die Jungtiere angeboten werden
  • Apfel- und Birnenstücke sind auch eine gute Nahrungsquelle für die Rotröckchen. Ebenso Karotten, Zucchini oder Brokkoli. Vorsicht: Darauf achten, dass das Futter nicht schimmelt und die Futterstellen täglich kontrollieren
  • Bitte keine Mandeln füttern - die sind wegen der Blausäure nichts für Eichhörnchen. Auch nie Kuhmilch anbieten, die vertragen Eichhörnchen gar nicht
  • Bei der Obst- und Nussernte können Hobbygärtner auch einfach einen Teil für die Eichhörnchen auf den Bäumen lassen
  • Das ganze Jahr wichtig: Wasserschälchen für Eichhörnchen im Garten oder auf dem Balkon aufstellen

Auch sonst können wir in unseren Gärten einiges für die niedlichen Nager tun:

  • Für den Winter ein Eichhörnchen-Futterhäuschen an einem Baum anbringen
  • Regentonnen unbedingt mit einem Deckel sichern - immer wieder ertrinken Eichhörnchen elend, weil sie am Rand der Regentonne abrutschen und daher nicht mehr aus dem Wasser kommen
  • Beim Fällen eines Baumes immer zuerst prüfen, ob sich nicht der Kobel (Bau) eines Eichhörnchens darin befindet, denn Eichhörnchen stehen unter Schutz
  • Haselnussträucher, Nussbäume und andere fruchttragende Gewächse im Garten pflanzen
  • Schlafkästen in den Bäumen anbieten, denn es gibt kaum mehr Baumhöhlen

Was tun, wenn man ein Eichhörnchenbaby im Frühjahr entdeckt

  • Entgegen dem Irrglauben, Eichhörnchenbabys würden nach dem Kontakt mit Menschen von der Mutter verstoßen werden, darf man die Jungtiere auf die Hand nehmen. Da Eichhörnchen jedoch Fluchttiere sind, empfiehlt es sich, dieses mit Handschuhen zu tun.
  • Eichhörnchenbabys suchen sogar nach Hilfe, wenn sie in Not sind. So kann es passieren, dass Ihnen bei einem Spaziergang durch den Wald ein Findelkind hinterherläuft oder sogar an Ihrem Hosenbein hochklettert. Jedes Eichhörnchen, das das tut, braucht Hilfe
  • Eichhörnchen haben weder Tollwut noch andere übertragbare Krankheiten, die dem Menschen schaden könnten.
  • Häufig haben die Jungen durch Baumfällarbeiten ihren Kobel oder gar ihre Mutter verloren.
  • Verletzte Tiere und Eichhörnchen-Junge nicht liegen lassen, sondern die nächste Auffangstation verständigen und das Tier gegebenenfalls dorthin bringen. In Bayern gibt es einige Auffangstationen für Eichhörnchen und auch der Eichhörnchen Schutz und der Eichhörnchen Notruf vermitteln Hilfe. Die Auffangstation von Katja Bogner in Schwarzenbruck erreichen Sie über die Wildtierhilfe Bamberg. Sie alle freuen sich auch über Spenden, zum Teil auch Futterspenden.

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