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Bildrechte: picture-alliance/Godong/Nicolas Deloche

Afrikanische Elefanten sind bedroht wie nie. Das meldet die IUCN anlässlich der Veröffentlichung der aktualisierten "roten Liste" gefährdeter Pflanzen und Tiere. Die Populationen insbesondere der Waldelefanten schrumpfen deutlich.

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Afrikanischer Waldelefant ist akut vom Aussterben bedroht

In nur einer Generation sind 86 Prozent der Waldelefanten ausgerottet worden - nur noch ein Siebtel ist übrig. Daher wurden sie auf der Roten Liste in die oberste Kategorie hochgestuft. Und die Corona-Pandemie gefährdet die Tiere zusätzlich.

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Von
  • Heike Westram

Wie viele Waldelefanten wirklich noch in den tropischen Wäldern West- und Zentralafrikas unterwegs sind, lässt sich schwer sagen. Die letzte großangelegte Zählung beider Arten Afrikanischer Elefanten - Savannenelefant und Waldelefant - fand vor fünf Jahren statt. Damals schätzte die Weltnaturschutzunion IUCN, die als Nicht-Regierungs-Organisation die internationale Rote Liste führt, die Zahl der Afrikanischen Elefanten auf etwa 415.000 Tiere auf dem gesamten Kontinent. Der Waldelefant macht davon vermutlich nur ein Viertel aus, genaue Zahlen liegen aber nicht vor. Es ist nicht so einfach, Wildtiere zu zählen; schon gar nicht, wenn sie verborgen in dichten Wäldern leben. Die Gesamtzahlen ergeben sich daher eher aus Hochrechnungen und Schätzungen, ausgehend von kleineren Zählungen.

Erschreckender Einbruch der Zahl an Elefanten

Was aber auch bei den Schätzungen ganz offensichtlich wird: Die Zahl an Elefanten hat dramatisch abgenommen. Vor nur etwa 50 Jahren zogen noch etwa 1,5 Millionen Elefanten durch Afrika - mehr als dreimal so viele wie heute. Allein in den zehn Jahren zwischen den beiden letzten großen Zählungen - von 2006 und 2016 - schrumpfte der Bestand um rund zwanzig Prozent. Beide Arten des Afrikanischen Elefanten stehen schon lange als "gefährdet" auf der internationalen Roten Liste der IUCN. Doch weil die Bestände derart rapide zurück gehen, wurden beide Elefantenarten jetzt hochgestuft: Der größere und häufigere Savannen-Elefant (auch: Steppenelefant) gilt jetzt als "stark gefährdet", der kleinere Waldelefant ist jetzt "akut vom Aussterben bedroht", die höchste Stufe der Roten Liste.

86 Prozent der Waldelefanten in nur 30 Jahren verschwunden

Ein so hoher Verlust in so geringer Zeit ist sehr bedrohlich für die Art. Nicht nur, weil aktuell weniger Elefanten da sind, sondern auch, weil sie viel, viel länger bräuchten, um sich wieder zu vermehren: Die Generationsdauer - die Zeitspanne, die zwischen zwei Generationen durchschnittlich vergeht - der Waldelefanten beträgt ebenfalls 30 Jahre. Eine ausgewachsene Elefantenkuh (etwa mit 14 Jahren) bekommt dann etwa alle drei bis neun Jahre Nachwuchs - ein einziges Elefantenkalb. Es dauert also sehr lange, bis sich die Tiere wirklich vermehren und der Bestand wachsen könnte.

Waldelefanten leben zudem in viel kleineren Familienverbänden als ihre großen Verwandten in der Savanne. Kleinere Familienverbände bedeuten aber auch eine größere Gefährdung.

Der Waldelefant ist von vorneherein nicht sonderlich weit verbreitet: Er kommt nur in den dichten Tropenwäldern in Zentral- und Westafrika vor. Doch die werden immer kleiner. Der Lebensraum des Waldelefanten ist heute um 75 Prozent kleiner, als er ursprünglich war, klagt die IUCN.

Größte Gefahr ist weiterhin der Elfenbeinhandel

Die großen Stoßzähne aus Elfenbein sind jedoch der Hauptgrund, warum die Zahl an Elefanten so dramatisch abnimmt. Waldelefanten sind dabei sogar noch stärker gefährdet, weil ihre Stoßzähne aus noch härterem Elfenbein bestehen, das besonders begehrt ist.

Obwohl der Handel mit Elfenbein seit Langem verboten ist, blüht der Elfenbeinschmuggel. Über 40 Tonnen illegal gehandeltes Elfenbein wurden 2019 weltweit beschlagnahmt - dabei fehlen in dieser Zahl die Daten der Länder, die in den vorausgehenden Jahren gut ein Drittel aller Beschlagnahmungen meldeten. Und Naturschutzorganisationen fürchten, dass die Dunkelziffer neunmal höher sein könnte. Jahr für Jahr werden etwa 30.000 Elefanten nur wegen ihrer Stoßzähne abgeschlachtet, schätzen Experten. Und es sind längst nicht mehr arme Einwohner, die sich damit ein bisschen täglich Brot verdienen wollen: Der illegale Elfenbeinhandel ist in der Hand international organisierter, krimineller Banden und dient auch zur Finanzierung von Terrorgruppen wie der Boko Haram, betont Lee White, der Minister für Wasser und Wälder in Gabun.

Corona-Pandemie verhindert Naturschutz

Die seit vergangenem Jahr andauernde Corona-Pandemie verschärft das Problem noch, nicht nur für Elefanten. Die IUCN meldete vor Kurzem, das etwa die Hälfte aller Naturschutzgebiete in Afrika ihren Kampf gegen Wilderei eingeschränkt oder gar ganz eingestellt haben, weil durch die Bekämpfung der Pandemie Geldmittel fehlen und auch die Gelder aus dem Tourismus wegbrechen.

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