Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

250 Jahre Alexander von Humboldt: Von Franken aus in die Welt | BR24

© picture alliance/CPA Media

Der Forscher Alexander von Humboldt bereiste die Welt. Seine Karriere startete er in Franken.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

250 Jahre Alexander von Humboldt: Von Franken aus in die Welt

Alexander von Humboldt war auf Mauleseln, im Kanu oder zu Fuß im Regenwald, auf Flüssen und Vulkanen in Amerika unterwegs. Was nur wenige wissen: Davor erforschte er das Fichtelgebirge in Franken!

Per Mail sharen
Teilen

Alexander von Humboldt wird am 14. September 1769 geboren. Seine wohlhabende Familie ermöglicht ihm und seinem Bruder Wilhelm von Humboldt eine umfassende Schulbildung: Für die beiden Kinder stehen im Familienschloss in Berlin-Tegel exzellente Hauslehrer parat. Alexander ist schon früh ein neugieriger Entdecker: Bei Streifzügen im Tegeler Forst fällt seinem älteren Bruder auf, dass Alexander die unterschiedlichsten Beobachtungen miteinander verknüpft.

"Diese Gabe zur Kombinatorik zeichnet ihn bis zu seinem Lebensende aus. Heute nennen wir das Vernetzung." Ottmar Ette, Romanist von der Universität Potsdam

Alexander von Humboldt macht im Bergbau Karriere

Alexander von Humboldt studiert erst Staatswirtschaftslehre in Frankfurt/Oder. Anschließend geht er nach Freiberg in Sachsen: Das Studium an der dortigen Bergakademie beendet er im Schnelldurchlauf innerhalb von neun Monaten. 1792 erhält er den Auftrag, den Bergbau im Fichtelgebirge wiederzubeleben. Vom Bergassessor schafft er es binnen kürzester Zeit zum Oberbergmeister, 1795 wird er schließlich Oberbergrat.

Von 1792 bis 1797 war Alexander von Humboldt in Franken

Bis 1797 hält sich Alexander von Humboldt in Franken auf, sein offizieller Dienstsitz ist Bayreuth. Seine Neugierde wird ihm währenddessen fast zum Verhängnis: Mit 27 Jahren erfindet er eine Grubenlampe, die auch bei wenig Sauerstoff in großer Tiefe noch Licht abgibt. Weil er sie selbst in einem Schacht im Bergbaurevier Goldkronach testet und dabei ohnmächtig wird, muss ihn ein Kollege aus der Grube retten.

"In dieser Zeit spiegelt sich im Grunde bereits alles, was auch sein gesamtes späteres Leben bestimmt hat." Frank Holl, Historiker

Alexander von Humboldt bringt den Bergbau im Fichtelgebirge voran

Tagsüber ist Alexander von Humboldt für den Bergbau verantwortlich, lässt Stollen ausbauen, entwickelt Atemschutzgeräte, gründet eine Bergschule, verkürzt die Arbeitszeiten der Bergleute und sorgt dafür, dass Witwen finanziell abgesichert sind. Nachts jedoch forscht er - unruhig und von einem unendlichen Forschungsdrang getrieben. Häufig bricht er schon in den frühen Morgenstunden auf dem Pferd auf, um das Fichtelgebirge zu erkunden: Rastlos treibt es ihn zum Beispiel nach Naila, Bad Steben, Wunsiedel oder Goldkronach.

"Im Grunde hat er ein Doppelleben geführt. Er ist herumgereist wie ein Wahnsinniger." Frank Holl, Historiker

1799 begibt sich Humboldt auf abenteuerliche Amerika-Reise

1796 stirbt seine Mutter. Dank des reichen Erbes nimmt Humboldts Entdeckerdrang jetzt richtig Fahrt auf: Er verwirklicht seinen lang gehegten Traum und reist 1799 nach Südamerika. Der Rest ist Geschichte: Fünf Jahre lang ist Alexander von Humboldt unterwegs, bereist unter anderem Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Kuba und Mexiko. Er durchquert Urwälder, lässt sich auf dem Orinoko und Amazonas treiben, besteigt den Vulkan Chimborazo, schläft umgeben von wilden Tieren, berührt - natürlich rein zu Forschungszwecken - Zitteraale und trinkt das Pfeilgift Curare.

Alexander von Humboldt als zweiter Christoph Kolumbus

Vor allem jedoch kartiert er seine Umgebung und sammelt Forschungsobjekte: Pflanzen, Tiere und Steine lässt er kistenweise nach Europa verschiffen. Nach seiner Rückkehr 1804 ist er noch Jahrzehnte später damit beschäftigt, seine gesammelten Daten auszuwerten. Dabei hilft ihm auch sein außerordentlich gutes Gedächtnis: Selbst Jahre später kann er sich noch an Details erinnern. Die Erkenntnisse seiner Amerikareise veröffentlicht er in mehr als dreißig Bänden. Aufgrund seiner Arbeiten gilt Alexander von Humboldt nach Christoph Kolumbus als zweiter Entdecker Amerikas.

Humboldt reist mit der Kutsche durch Russland bis nach China

Und selbst mit 60 Jahren ist der wissbegierige Alexander von Humboldt nicht zu stoppen: Mit der Pferdekutsche reist er durch Russland bis an die Grenze zu China und wieder zurück. Am 6. Mai 1859 stirbt der so neugierige wie unermüdliche Forscher im Alter von 90 Jahren.

Vieles geht auf den Universalgelehrten Alexander von Humboldt zurück

Zeitlebens begeisterte sich Alexander von Humboldt für Botanik, Zoologie, Geologie, Mineralogie, Vulkanologie, Ozeanographie, Klimatologie, Physik und Astronomie und betrieb unzählige Feldstudien. Möglich war dies wohl nur, weil er wie ein Getriebener vieles gleichzeitig erledigte und wenig schlief. Seine Forschungserkenntnisse und Gedanken hat er der Nachwelt genauso hinterlassen wie seine Spuren und seinen Namen, überall auf der Welt. Natürlich auch in Franken: In mehreren Städten - zum Beispiel in Goldmühl, Goldkronach oder Bayreuth - erinnern Tafeln, Ausstellungen und Museen an seinen Aufenthalt.

"In Goldkronach bin ich glücklicher, als ich je wagen durfte zu glauben." Alexander von Humboldt in einem Brief
© BR/Frankenschau

Alexander von Humboldt, weltberühmter Naturforscher und Universalgelehrter, hat auch in Franken Spuren hinterlassen.

Viele Veranstaltungen in Franken zum 250. Geburtstag von Humboldt

Goldkronach gilt als die deutsche Humboldt-Stadt schlechthin: Gasthaus, Apotheke und Schule sind nach Alexander von Humboldt benannt, es gibt dort das Goldbergbaumuseum, eine Humboldt-Büste, ein Humboldt-Brot, einen Humboldt-Trunk und eine Humboldt-Rose. In Franken wird deshalb auch der 250. Geburtstag des Forschers und Entdeckers Alexander von Humboldt in Vorträgen, Ausstellungen und vielen weiteren Veranstaltungen besonders gefeiert.

Alexander von Humboldt erkannte, dass wir unsere Umwelt verändern

"Alles hängt mit allem zusammen", lautete Humboldts Ansicht. Schon während seiner Amerikareise wurde Humboldt klar, wie bedroht die Natur durch menschliche Eingriffe ist. Was er vermutete, bekommen wir heute zu spüren: Artenschwund und Klimawandel sind nur zwei Beispiele. Die Biografin Andrea Wulf nennt Alexander von Humboldt einen "visionären Denker, der seiner Zeit weit voraus war".

Zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt am 14. September gibt es im Bayerischen Rundfunk ein "Entdecker-Wochenende". Hier finden Sie alle Sendungen.