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Alexander von Humboldt Als abenteuerlustiger Forscher um die Welt

Der Humboldtstrom ist nach ihm benannt, auch Berge und Städte, selbst Pinguine und Kakteen. Alexander von Humboldt hat auf der ganzen Welt seinen Namen hinterlassen. Wissensdrang trieb ihn auf die höchsten Berge, in den tiefsten Dschungel und in tödliche Gefahren.

Stand: 13.01.2017

Schon Goethe pries Humboldts Wissen auf allen Gebieten: "Wohin man rührt, er ist überall zu Hause." Botanik, Geografie, Klima- und Wetterforschung, Mineralogie und Ökonomie. Für Humboldt, den letzten Universalgelehrten der Geschichte, gab es keine scharfe Trennung zwischen den Disziplinen. Er wollte die Welt in ihrer Gesamtheit erfahren und ergründen.

Der Traum von Südamerika

Dieser Papagei hat Humboldt auf seinen Reisen begleitet.

Geboren wird Alexander von Humboldt am 14. September 1769. Nach seinem Studium arbeitet er zunächst als Ingenieur im Bergbau und macht rasch Karriere im preußischen Staatsdienst. Doch als seine Mutter 1796 stirbt, verwirklicht er mit dem Erbe seinen Traum: Drei Jahre plant er und bereitet vor, dann bricht er zu einer Forschungsreise nach Südamerika auf. Fünf Jahre lang reist Humboldt durch das Gebiet der heutigen Staaten Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Kuba und Mexiko, dann kehrt er über die USA nach Europa zurück.

Im Baumstamm auf dem Orinoko

Humboldt kämpfte sich durch den Dschungel Südamerikas.

Auf seiner Reise durchquert Humboldt den südamerikanischen Urwald und erforscht den Orinoko, den Amazonas und deren Nebenflüsse. Ein gefährliches Abenteuer: In der Nacht schläft Humboldt im Dschungel, umgeben von Krokodilen, Boas und Jaguaren. Tagsüber paddelt er übers Wasser oder lässt sich in einem ausgehöhlten Baumstamm den Fluss hinab treiben. Unterwegs sammelt er überall Pflanzen: 60.000 Proben, davon 3.600 unbekannte Arten, bringt er in 30 Kisten mit dem Schiff nach Europa.

Pfeilgift und Zitteraal

Todesmutig stellt er auch Forschungen im Selbstversuch an: Er prüft die Wirkung elektrischer Zitteraale am eigenen Körper und trinkt das Gift Curare, um zu beweisen, dass es nur im direkten Kontakt mit Blut wirksam ist.

Gipfelstürmer im Frack

Der schneebedeckte Chimborazo in Ecuador

Selbst vor den höchsten Gipfeln macht Humboldt nicht halt: 1802 versucht er im heutigen Ecuador, den über 6.000 Meter hohen Chimborazo zu besteigen. Der Vulkan gilt damals als der höchste Berg der Welt. Weder blutende Lippen noch Schwindel in Folge der Höhenkrankheit können ihn aufhalten. Dabei muss er auf jede Art von Bergsteigerausrüstung verzichten - Humboldt ist nach der Mode seiner Zeit gekleidet: Im schwarzen Frack mit weißer Halsbinde, mit rundem Hut und dünnen Rokoko-Stiefelchen erklimmt er den Berg. Doch 600 Meter unterhalb des Gipfels muss er an einer unüberwindbaren Felsspalte umkehren.

"Gestirn im Reich des Geistes"

Humboldt digital

Der Nachlass von Alexander von Humboldt ist seit Januar 2017 online zugänglich. Sämtliche Unterlagen wurden in rund 75.000 Bildern digital erfasst. Herzstück sind die berühmten amerikanischen Tagebücher.

Alles, was Humboldt sieht, notiert er fein säuberlich für die Nachwelt. Jahrzehntelang ist er nach seiner Rückkehr beschäftigt, die gesammelten Daten auszuwerten. Doch im Alter von 60 Jahren bricht er noch einmal auf: Mit der Pferdekutsche reist er durch Russland bis an die Grenze zu China und wieder zurück. Sein Wissen sammelt er in seinem Lebenswerk, einer "physischen Weltbeschreibung", von der unter dem Titel "Kosmos" bis 1862 fünf Bände erscheinen. Als er am 6. Mai 1859 im Alter von neunzig Jahren stirbt, folgen Hunderte Bewunderer seinem Sarg. In der Gedenkrede heißt es: "Ein glänzendes Gestirn im Reich des Geistes ist für diese Welt erloschen."

Die Erforschung der Humboldt-Tagebücher

2013 hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Südamerika-Tagebücher Humboldts (1769 - 1859) erworben. Es handelt sich um knapp 4.000 Seiten, die dicht beschrieben und mit eigenhändigen Skizzen Humboldts versehen sind. In einem großen Forschungsprojekt gemeinsam mit der Universität Potsdam werden die Schriften inhaltlich und materiell erschlossen. Das Bundesforschungsministerium unterstützt das Projekt mit drei Millionen Euro. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) bezeichnete den Ankauf der Tagebücher als "Glücksfall für die Wissenschaft", denn: "Alexander von Humboldt war einer der letzten großen Universalgelehrten, die in der Suche nach wissenschaftlicher Erkenntnis nach dem großen Ganzen gefragt haben." Der Reiz des Forschungsprojekts liege darin, über Grenzen einzelner wissenschaftlicher Fächer hinweg Zusammenhänge herzustellen.


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